Waterford
Waterford im Südosten Irlands gilt als älteste Stadt des Landes: 914 von Wikingern gegründet, heute bekannt für das Viking Triangle mit seinen Museen und das House of Waterford Crystal. Das County bietet dazu den Waterford Greenway, die vulkanische Copper Coast, Dungarvan, Lismore und lange Strände wie Tramore.
Waterford liegt am River Suir, kurz bevor der Fluss in den Waterford Harbour mündet. Mit rund 60.000 Einwohnern (Zensus 2022) ist es die fünftgrößte Stadt der Republik und Hauptort des County Waterford, das die Iren nach einem alten gälischen Stammesgebiet auch „The Déise“ nennen. Auf dieser Seite stellen wir Stadt und County gemeinsam vor: die Wikinger- und Normannengeschichte, die Kristallmanufaktur, Radfahren auf der alten Bahntrasse, Küste, Berge und Kleinstädte. Wer den Südosten als Rundreise plant, verbindet Waterford gern mit dem mittelalterlichen Kilkenny und seiner Burg, das nur gut eine Autostunde nördlich liegt.
| Lage | Südosten der Republik Irland, Provinz Munster, am River Suir; Küste zur Keltischen See |
|---|---|
| Einwohner | Stadt ca. 60.100, County ca. 127.400 (Zensus 2022); County-Fläche ca. 1.858 km² |
| Irischer Name | Port Láirge |
| Anreise | Bahn ab Dublin Heuston bis Plunkett Station; Auto über die M9; Fähren in Rosslare (County Wexford) |
| Höhepunkte | Viking Triangle mit Reginald’s Tower, House of Waterford Crystal, Waterford Greenway, Copper Coast, Lismore, Ardmore |
| Waterford Greenway | ca. 48 km auf einer alten Bahntrasse von Waterford nach Dungarvan |
| Zeitbedarf | ein Tag für die Stadt, drei bis vier Tage mit Greenway und Küste |
Fragen, die wir beantworten
- Warum gilt Waterford als älteste Stadt Irlands?
- Welche Museen gibt es im Viking Triangle?
- Kann man die Herstellung von Waterford Crystal besichtigen?
- Wie fährt man den Waterford Greenway?
- Was macht die Copper Coast und die Strände so besonders?
- Was bieten Dungarvan, Lismore und Ardmore?
- Wie kommen Sie nach Waterford und wann reist man am besten?
Warum gilt Waterford als älteste Stadt Irlands?
Weil Wikinger hier im Jahr 914 eine dauerhafte Siedlung anlegten, aus der die erste Stadt Irlands hervorging. Ihr nordischer Name lebt im heutigen englischen Namen Waterford weiter; schon zuvor gab es im 9. Jahrhundert ein Wikingerlager bei Woodstown flussaufwärts.
1170 eroberten anglonormannische Truppen unter Richard de Clare, genannt Strongbow, die Stadt im Bündnis mit dem König von Leinster, Diarmait Mac Murchada; ein Jahr später landete der englische König Heinrich II. in Waterford. Der Überlieferung nach heiratete Strongbow hier Aoife, die Tochter Diarmaits – eine Hochzeit, die die normannische Herrschaft in Irland festigte. Im 15. Jahrhundert widerstand die Stadt mehreren Belagerungen, wofür ihr Heinrich VII. den Wahlspruch „Urbs Intacta Manet Waterfordia“ verlieh: Waterford bleibt eine uneingenommene Stadt.
Über Jahrhunderte war Waterford einer der wichtigsten Häfen Irlands und ist bis heute der dem europäischen Festland am nächsten gelegene Tiefwasserhafen der Insel. Aus dem 18. Jahrhundert stammen viele georgianische Bauten, darunter die beiden Kathedralen der Stadt: Christ Church Cathedral der Church of Ireland und die katholische Holy Trinity Cathedral in der Barronstrand Street.
Welche Museen gibt es im Viking Triangle?
Im Viking Triangle, dem ältesten Viertel innerhalb der Befestigungen des 10. Jahrhunderts, liegen die Museen von Waterford Treasures dicht beieinander: Reginald’s Tower, das Medieval Museum, der Bishop’s Palace und mehrere kleinere Ausstellungen. Alle sind in wenigen Gehminuten erreichbar.
Reginald’s Tower am Kai ist das Wahrzeichen der Stadt und gilt als ältestes städtisches Gebäude Irlands. Der Rundturm wurde nach der normannischen Eroberung auf einer älteren Befestigung errichtet, behielt aber seinen nordischen Namen und war eines der ersten Bauwerke Irlands, bei dem Mörtel verwendet wurde. Heute zeigt er Funde aus der Wikingerzeit. Das Medieval Museum führt durch die Choristers’ Hall aus dem 13. und ein Weingewölbe aus dem 15. Jahrhundert, der Bishop’s Palace ist ein Stadtpalais des 18. Jahrhunderts mit Räumen im Stil der Epoche.
Dazu kommen das Irish Silver Museum, ein Museum zur Geschichte der Zeitmessung, das Irish Wake Museum über irische Totenwachen und Trauerbräuche sowie „King of the Vikings“, ein Virtual-Reality-Erlebnis rund um einen Überfall auf die Wikingersiedlung. Täglich startet zudem ein geführter Stadtrundgang, der tausend Jahre Stadtgeschichte von den Wikingern bis zu den Viktorianern abdeckt. Einige Ausstellungen öffnen nur an bestimmten Wochentagen; Zeiten und Kombitickets finden Sie bei Waterford Treasures.
Kann man die Herstellung von Waterford Crystal besichtigen?
Ja. Im House of Waterford Crystal an der Mall, direkt am Viking Triangle, führen Touren durch die Manufaktur, in der Glasbläser, Schleifer und Graveure vor den Augen der Besucher arbeiten. Angeschlossen ist ein großer Verkaufsraum.
Die Glasherstellung in Waterford begann 1783, die Geschichte verlief jedoch mit Brüchen: Hohe Steuern auf Glas brachten die erste Manufaktur im 19. Jahrhundert zum Erliegen, erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition neu belebt und die Marke weltberühmt. Anfang 2009 schloss das große Werk am Stadtrand nach der Insolvenz des Mutterkonzerns. 2010 eröffnete im Stadtzentrum das heutige Besucherzentrum, und unter neuen Eigentümern wird hier wieder Kristall gefertigt – heute vor allem hochwertige Einzelstücke.
Die Führungen sind in Gruppen organisiert und im Sommer sowie an Wochenenden gut besucht; reservieren Sie deshalb möglichst vorab beim Betreiber. Wer nur einkaufen möchte, kann den Verkaufsraum auch ohne Tour besuchen.
Wie fährt man den Waterford Greenway?
Der Waterford Greenway ist ein autofreier Rad- und Wanderweg von rund 48 Kilometern auf der Trasse einer stillgelegten Bahnlinie. Er beginnt am Grattan Quay in Waterford und endet im Walton Park in Dungarvan.
Unterwegs überqueren Sie mehrere Viadukte, etwa bei Kilmacthomas, und fahren durch den Ballyvoyle-Tunnel nahe der Küste. Die Strecke führt durch Wiesen, entlang des Flusses Suir und mit Blick auf die Comeragh Mountains bis an die Bucht von Dungarvan. Da die Steigungen der alten Bahn gering sind, eignet sich der Weg auch für Familien und Gelegenheitsradler. Discover Ireland veranschlagt für die gesamte Strecke rund neun Stunden; viele Besucher teilen sie in Etappen, etwa bis Kilmacthomas oder von Durrow zum Strand von Clonea. Mehr Informationen bietet Discover Ireland zum Waterford Greenway.
Fahrräder und E-Bikes können Sie bei mehreren Verleihern entlang der Strecke mieten, einige bieten auch einen Rücktransport an. Wer längere Touren zu Fuß liebt, findet weitere Ideen bei unseren Wanderreisen in Irland.
Was macht die Copper Coast und die Strände so besonders?
Die Copper Coast ist ein etwa 25 Kilometer langer Küstenabschnitt zwischen Kilfarrasy und Stradbally, der seit 2015 als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet ist. Ihre Felsen erzählen von Vulkanen, die hier im Ordovizium, vor rund 460 Millionen Jahren, aktiv waren.
Den Namen verdankt die Küste dem Kupferbergbau des 19. Jahrhunderts, dessen Maschinenhäuser und Schächte noch heute an den Klippen stehen. Zwischen den Felsnasen liegen kleine Buchten und Sandstrände, die über die Küstenstraße R675 gut erreichbar sind. Das Besucherzentrum des Geoparks befindet sich in einer ehemaligen Kirche in Knockmahon und informiert über Gestein, Bergbau und Wanderwege.
Östlich davon liegt Tramore, mit gut 11.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des County, mit einem langen, mit der Blauen Flagge ausgezeichneten Strand, Surfschulen und Kitesurfern. Das Fischerdorf Dunmore East an der Hafeneinfahrt lockt mit kleinen Buchten, bunten Häusern und frischem Fisch. Die bergige Kulisse im Hinterland bilden die Comeragh Mountains und die Knockmealdown Mountains, deren höchster Gipfel knapp 800 Meter erreicht.
Was bieten Dungarvan, Lismore und Ardmore?
Dungarvan ist ein lebhaftes Hafenstädtchen am Ende des Greenway, Lismore ein Burgort am Blackwater und Ardmore ein Küstendorf mit einer der schönsten frühchristlichen Stätten Irlands. Alle drei liegen im Westen des County.
Dungarvan (ca. 10.000 Einwohner) liegt an der Mündung des Colligan. Am Hafen steht Dungarvan Castle, eine normannische Burg aus dem frühen 13. Jahrhundert, im Ortsteil Abbeyside die Reste einer Augustinerabtei aus dem 13. Jahrhundert. Wenige Kilometer südlich beginnt mit An Rinn (Ring) die Gaeltacht na nDéise, ein Gebiet, in dem Irisch Alltagssprache ist.
Lismore wird von Lismore Castle überragt, dem irischen Sitz der Herzöge von Devonshire. Die Burg gehörte einst Sir Walter Raleigh, der sie 1602 an Richard Boyle verkaufte; dessen Sohn Robert Boyle, einer der Begründer der modernen Chemie, kam hier zur Welt. Das Schloss selbst ist nicht zu besichtigen, die Gärten aber schon: ein ummauerter Obergarten aus dem 17. und ein naturnaher Untergarten aus dem 19. Jahrhundert. Im Westflügel zeigt Lismore Castle Arts zeitgenössische Kunst.
Ardmore gilt als Ort, an dem der heilige Declan schon vor Patrick das Christentum predigte. Über dem Dorf steht ein rund 30 Meter hoher Rundturm aus dem 12. Jahrhundert neben der Ruine der St Declan’s Cathedral, an deren Westwand Reliefs Adam und Eva und das Urteil Salomos zeigen. Ein markierter Klippenweg führt vom Ort an Declans Brunnen und einer Kapellenruine vorbei hoch über dem Meer, unten lädt ein langer Sandstrand zum Baden ein.
Wie kommen Sie nach Waterford und wann reist man am besten?
Mit dem Zug erreichen Sie die Plunkett Station in Waterford täglich von Dublin Heuston über Kilkenny. Mit dem Auto führt die Autobahn M9 von Dublin in die Stadt. Der kleine Flughafen Waterford hat derzeit keine Linienflüge, die nächsten großen Flughäfen sind Dublin und Cork.
Wer mit dem eigenen Auto anreist, nutzt die Fährhäfen in Rosslare im benachbarten County Wexford; zwischen Passage East und Ballyhack verkürzt eine kleine Autofähre über den Waterford Harbour den Weg dorthin. Details zu Fährverbindungen finden Sie auf unserer Seite zu den Fähren nach Irland. Für Küste, Lismore und Ardmore lohnt ein Mietwagen, der Greenway lässt sich dagegen ganz ohne Auto erleben.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September, wenn Greenway und Strände Saison haben und die Tage lang sind. Waterford hat für irische Verhältnisse ein mildes, vergleichsweise sonniges Klima. Im Advent verwandelt das Lichter- und Weihnachtsfest „Winterval“ die Innenstadt in eine Festmeile.
Häufige Fragen zu Waterford
Ist Waterford die älteste Stadt Irlands?
Ja, Waterford gilt als älteste Stadt der Insel. Wikinger gründeten die Siedlung im Jahr 914, das Viking Triangle umfasst den Kern innerhalb der damaligen Befestigung.
Wird Waterford Crystal noch in Waterford hergestellt?
Ja, im House of Waterford Crystal im Stadtzentrum wird wieder Kristall gefertigt, und Besucher können bei Führungen zusehen. Das frühere große Werk am Stadtrand schloss 2009.
Wie lang ist der Waterford Greenway?
Der Greenway ist rund 48 Kilometer lang und führt von Waterford nach Dungarvan. Viele fahren ihn mit dem Rad an einem Tag, Wanderer teilen ihn in Etappen.
Was ist die Hauptstadt des County Waterford?
Verwaltungssitz und größte Stadt ist Waterford. Seit 2014 verwaltet ein gemeinsamer Stadt- und Grafschaftsrat das County; zuvor war Dungarvan Sitz des County Council.
Lohnt sich ein Tagesausflug nach Lismore?
Ja, vor allem für Gartenliebhaber. Die Gärten von Lismore Castle sind öffentlich zugänglich, das Schloss selbst bleibt privat. Kombinieren lässt sich der Besuch mit einer Fahrt durch das Blackwater-Tal.
Weitere Städte im Süden
Waterford ist ein guter Startpunkt für eine Rundreise entlang der Südküste. Unsere Übersicht stellt alle Städtereiseziele Irlands vor.
Passend dazu: die Hafenstadt Wexford mit Hook Head, die Metropole des Südens Cork und unsere Übersicht aller irischen Counties.







