Sligo
Sligo ist die Hauptstadt des gleichnamigen County im Nordwesten Irlands, Provinz Connacht, und das Zentrum des „Yeats Country“. Reisende kommen wegen des Tafelbergs Benbulben, der Surfstrände von Strandhill, der steinzeitlichen Gräber von Carrowmore und Knocknarea und der Seen und Küsten, die den Dichter W. B. Yeats inspirierten.
Zwischen Atlantik, Bergen und Seen liegt eine der abwechslungsreichsten Landschaften Irlands, und trotzdem geht es hier ruhiger zu als in Galway oder Kerry. Die Stadt Sligo mit rund 20.600 Einwohnern ist klein, lebendig und ein idealer Standort: In einer halben Stunde sind Sie am Strand, am Fuß des Benbulben oder am Ufer des Lough Gill. Diese Seite bündelt Stadt und County, von der Klosterruine im Zentrum bis zu den Wellen von Mullaghmore. Das County ist zugleich eine wichtige Etappe am Wild Atlantic Way an Irlands Atlantikküste.
| Lage | Nordwesten der Republik Irland, Provinz Connacht, an der Mündung des Garavogue in die Sligo Bay; Nachbar-Countys Mayo, Roscommon und Leitrim |
|---|---|
| Einwohner | Stadt Sligo rund 20.600, County Sligo rund 70.200 (Zensus 2022, CSO) |
| County Sligo | rund 1.838 km², höchster Punkt Truskmore (647 m); irischer Name Sligeach |
| Anreise | Bahn ab Dublin Connolly (bis zu acht Züge täglich, Stand 2026); nächster Flughafen mit Linienflügen ist Ireland West Airport Knock |
| Höhepunkte | Benbulben, Drumcliff mit Yeats’ Grab, Carrowmore, Knocknarea, Strandhill, Rosses Point, Lough Gill, Mullaghmore |
| Zeitbedarf | Stadt ein Tag, mit Wanderungen, Stränden und Megalithstätten drei bis vier Tage |
Fragen, die wir beantworten
- Was sollten Sie in der Stadt Sligo gesehen haben?
- Was ist das Yeats Country und wo liegt Yeats begraben?
- Wie wandert man auf Benbulben und Knocknarea?
- Was erwartet Sie im Megalithfriedhof von Carrowmore?
- Wo surft man in Strandhill und was bietet Rosses Point?
- Was sieht man am Lough Gill und in Mullaghmore?
- Wann reisen Sie am besten nach Sligo und wie kommen Sie hin?
Was sollten Sie in der Stadt Sligo gesehen haben?
Das wichtigste Ziel in der Stadt ist die Sligo Abbey, die Ruine eines Dominikanerklosters aus dem 13. Jahrhundert. Dazu kommen die beiden Kathedralen, das Kunstzentrum The Model mit Werken von Jack B. Yeats und ein lebendiges Kneipenviertel entlang des Garavogue.
Der irische Name Sligeach bedeutet sinngemäß „Ort der Muscheln“ und bezog sich ursprünglich auf den Fluss, dessen Mündung reich an Schalentieren war. Die Stadt entstand Mitte des 13. Jahrhunderts, als der anglonormannische Baron Maurice FitzGerald hier eine Burg und um 1253 das Dominikanerkloster gründete. Die Abbey brannte 1414 nach einem Unfall ab und wurde danach wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammen der gut erhaltene Kreuzgang mit seinen Arkaden und der skulptierte Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert, einer der ganz wenigen, die in einer irischen Klosterkirche überdauert haben. Grabmäler aus Gotik und Renaissance ergänzen das Bild. Die Ruine wird vom staatlichen Office of Public Works betreut; Erwachsene zahlen ca. 5 € Eintritt, geöffnet ist 2026 von Mitte März bis Ende Dezember.
Sligo hat zwei Kathedralen: die katholische Cathedral of the Immaculate Conception in der Temple Street und die anglikanische St John’s Cathedral in der John Street, deren heutiger Bau von 1730 auf den Architekten Richard Cassels zurückgeht. In The Model, einem ehemaligen Schulgebäude aus dem 19. Jahrhundert, zeigt die Niland Collection Gemälde von Jack B. Yeats, dem Bruder des Dichters, daneben zeitgenössische Kunst. Abends trifft man sich in den irischen Pubs rund um die Grattan Street und am Fluss, viele mit traditioneller Livemusik. Im Herbst lockt das Festival Sligo Live, 2026 vom 17. Oktober bis 1. November.
Was ist das Yeats Country und wo liegt Yeats begraben?
Als Yeats Country bezeichnet man die Landschaft rund um Sligo, die William Butler Yeats in seinen Gedichten verewigt hat. Der Literaturnobelpreisträger von 1923 liegt auf dem Kirchhof von Drumcliff begraben, rund acht Kilometer nördlich der Stadt am Fuß des Benbulben.
Yeats wurde 1865 in Dublin geboren, verbrachte aber viele Kindheitssommer bei der Familie seiner Mutter in Sligo. Der Benbulben, der Lough Gill und die Küste bei Rosses Point tauchen in zahlreichen seiner Werke auf. Er starb 1939 in Frankreich und wurde 1948 nach Drumcliff überführt, wie er es in seinem späten Gedicht „Under Ben Bulben“ gewünscht hatte. Dessen letzte Zeilen stehen auf seinem schlichten Grabstein: „Cast a cold eye / On life, on death. / Horseman, pass by!“ Neben der Kirche erinnern ein frühchristliches Hochkreuz und der Stumpf eines Rundturms an das Kloster, das der heilige Columba hier gegründet haben soll.
Nordwestlich von Drumcliff liegt Lissadell House, das Herrenhaus der Familie Gore-Booth. Hier wuchsen die Schwestern Constance Markievicz, Revolutionärin und 1918 die erste ins britische Unterhaus gewählte Frau, und Eva Gore-Booth auf; Yeats setzte beiden ein Denkmal in einem Gedicht. Ob und wann das Haus zu besichtigen ist, sollten Sie vorab prüfen. Wer Yeats näher kennenlernen will, besucht die jährliche Yeats International Summer School in der Stadt. Mehr zu den großen Namen des Landes lesen Sie auf unserer Seite zur irischen Literatur.
Wie wandert man auf Benbulben und Knocknarea?
Den Benbulben (526 m) erleben Sie am besten auf dem markierten Gortarowey Looped Walk am Fuß des Berges, rund 5,5 Kilometer in etwa anderthalb Stunden. Den Knocknarea (327 m) besteigen Sie auf einem kurzen, steilen Pfad, oben wartet das große Steingrab der Königin Maeve.
Der Benbulben ist ein Tafelberg aus Kalkstein über Schiefer und Tonstein, entstanden aus Ablagerungen eines flachen Meeres vor rund 330 bis 345 Millionen Jahren. Die Gletscher der Eiszeit schliffen ihn aus einem größeren Plateau heraus, daher die steilen, gefurchten Flanken. Im Gestein finden sich fossile Muscheln, auf dem Plateau wachsen arktisch-alpine Pflanzen, die es sonst nirgends in Irland gibt. Die Nordwand ist wegen Wind und Absturzgefahr gefährlich; die sanftere Südseite lässt sich erwandern, allerdings meist über Privatland und ohne markierten Gipfelweg. Der Sage nach fanden hier Diarmuid und Gráinne, das berühmteste Liebespaar der irischen Mythologie, ihr Ende.
Der Knocknarea erhebt sich westlich der Stadt über der Halbinsel von Strandhill. Auf dem Gipfel liegt Miosgán Meadhbha, ein flacher Steinhügel von rund 55 Metern Durchmesser und etwa zehn Metern Höhe, der größte Cairn Irlands außerhalb von Brú na Bóinne, wo auch Newgrange liegt. Die Legende verortet hier das Grab der kriegerischen Königin Maeve von Connacht. Geöffnet wurde das Grab nie. Ein alter Brauch besagt, dass man einen Stein mit hinaufträgt und auf den Hügel legt; Steine vom Cairn mitzunehmen, ist dagegen tabu. Der Aufstieg ist kurz, aber steil, oben haben Sie einen weiten Blick über Sligo Bay, Benbulben und die Ox Mountains.
Was erwartet Sie im Megalithfriedhof von Carrowmore?
Carrowmore ist die größte und älteste Ansammlung jungsteinzeitlicher Gräber in Irland: Über 30 erhaltene Monumente, manche fast 6.000 Jahre alt, verteilen sich rund vier Kilometer südwestlich der Stadt an der R292 Richtung Strandhill über die Wiesen.
Die meisten Anlagen sind kleine Dolmen, umgeben von Steinkreisen. Im Zentrum liegt Listoghil, das größte Grab des Friedhofs, dessen Kammer man von außen betrachten kann. Viele Gräber sind auf den Knocknarea ausgerichtet, der wie ein Wächter über der Ebene steht; Archäologen sehen die Anlagen von Carrowmore, Knocknarea und den Bergen im Süden als zusammenhängende Ritual-Landschaft. Die Stätte gehört dem Staat und wird vom Office of Public Works betreut. Am 1. April 2026 eröffnete ein modernisiertes Besucherzentrum mit neuer Ausstellung und Wetterschutz. Geöffnet ist 2026 vom 12. März bis 2. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr; der Eintritt kostet für Erwachsene ca. 5 € (Stand 2026). Aktuelle Zeiten finden Sie bei Heritage Ireland zu Carrowmore.
Weitere Megalithanlagen im County: das Creevykeel Court Tomb bei Cliffoney im Norden, ein gut erhaltenes Hofgrab mit offenem Vorhof, und die Ganggräber von Carrowkeel hoch über dem Lough Arrow im Süden. Vor der Küste liegt die unbewohnte Klosterinsel Inishmurray mit Steinzellen und Kapellen aus frühchristlicher Zeit, die Wikinger um 807 plünderten. Sie ist nur mit Bootstouren und bei ruhiger See erreichbar.
Wo surft man in Strandhill und was bietet Rosses Point?
Strandhill, acht Kilometer westlich der Stadt, ist einer der bekanntesten Surfspots der irischen Westküste, mit mehreren Surfschulen, Brettverleih und Kursen für Anfänger. Rosses Point auf der Nordseite der Bucht ist der ruhigere Gegenpol, mit Badestränden, Golfplatz und Hafen.
In Strandhill rollen die Atlantikwellen fast das ganze Jahr auf den Strand; Neoprenanzüge sind auch im Sommer Pflicht. Zum Baden ist der Strand wegen starker Strömungen ungeeignet, zum Surfen mit Lehrer aber ideal. Nach dem Surfen gehen viele in eines der traditionellen Algenbäder des Ortes, eine Tradition, die an der Westküste seit über hundert Jahren gepflegt wird. Am Ortsrand liegt der kleine Flugplatz von Sligo, der keine Linienflüge mehr hat, dafür die Basis eines Küstenwache-Rettungshubschraubers ist. Alles zu Spots, Saison und Ausrüstung lesen Sie auf unserer Seite zum Surfurlaub in Irland.
Rosses Point ist ein ehemaliges Lotsendorf an der Einfahrt zum Hafen von Sligo. Die Statue „Waiting on Shore“ erinnert an die Frauen, die auf ihre Männer auf See warteten, draußen in der Fahrrinne markiert der „Metal Man“, eine eiserne Seemannsfigur, seit Generationen den sicheren Weg. Die beiden Strände eignen sich zum Baden und Spazieren, der Links-Golfplatz des County Sligo Golf Club gilt als einer der schönsten der Insel. Strandhill und Rosses Point erreichen Sie von der Stadt aus auch mit dem Bus, sodass sich beide ohne Auto an einem Tag verbinden lassen.
Was sieht man am Lough Gill und in Mullaghmore?
Der Lough Gill östlich der Stadt ist der See der „Lake Isle of Innisfree“, des wohl bekanntesten Yeats-Gedichts. Mullaghmore im Norden ist ein Hafendorf auf einer Halbinsel mit langem Sandstrand, Blick auf den Benbulben und einigen der größten Wellen Europas.
Der Lough Gill ist rund acht Kilometer lang und von Wäldern umgeben; aus ihm fließt der Garavogue durch die Stadt ins Meer. Die winzige Insel Innisfree liegt im Südosten des Sees. Yeats schrieb 1888 in London über sie, voller Sehnsucht nach Stille und „bee-loud glade“. Eine Uferstraße umrundet den See, Wanderwege führen durch Slish Wood und auf Aussichtspunkte wie Dooney Rock. Am Nordufer, schon im County Leitrim, steht die Burg Parke’s Castle aus dem 17. Jahrhundert. Östlich von Drumcliff, knapp hinter der Grenze zum County Leitrim, stürzt im Glencar Valley ein Wasserfall über eine Felsstufe, den Yeats in „The Stolen Child“ beschreibt.
Mullaghmore entstand im 19. Jahrhundert als Hafenort des Gutes der Familie Temple: Viscount Palmerston ließ zwischen 1822 und 1841 den steinernen Hafen bauen und begann mit Classiebawn Castle, dem schlossartigen Haus auf der Landzunge, das heute in Privatbesitz und nicht zu besichtigen ist. Vor der Küste wurde 1979 Lord Mountbatten mit Familienangehörigen und einem 15-jährigen Bootshelfer durch eine Bombe der IRA getötet. Heute ist Mullaghmore Head Treffpunkt für Big-Wave-Surfer: Im März 2012 wurden hier Wellen von bis zu 15 Metern gemessen. Für Familien gibt es den fast zwei Kilometer langen Sandstrand im Ort, Wanderer umrunden die Landzunge auf einem Küstenweg. Etwas weiter südlich liegt Streedagh Beach, wo 1588 drei Schiffe der Spanischen Armada strandeten.
Wann reisen Sie am besten nach Sligo und wie kommen Sie hin?
Am angenehmsten sind Mai bis September, wenn die Tage lang sind und Megalithstätten und Abtei geöffnet haben. Surfer schätzen Herbst und Winter mit den größeren Wellen. Mit der Bahn fahren Sie in rund drei Stunden ab Dublin Connolly direkt in die Stadt.
Laut Fahrplan vom Januar 2026 fahren bis zu acht Züge täglich je Richtung, etwa alle zwei Stunden. Mit dem Auto führt die N4 von Dublin nach Sligo. Linienflüge landen am Ireland West Airport Knock im County Mayo, etwa eine Stunde südlich; auch Dublin und Belfast sind gut erreichbar. In der Stadt selbst ist alles zu Fuß machbar, für Benbulben, Mullaghmore und die Megalithstätten außerhalb von Carrowmore brauchen Sie jedoch ein Auto oder ein Fahrrad.
Sligo eignet sich gut als Etappe einer Rundreise entlang der Westküste: Nördlich beginnt das wilde County Donegal mit Slieve League und Glenveagh, südwestlich das County Mayo mit Westport und Achill Island. Unterkünfte reichen von Stadthotels über Bed and Breakfasts in Strandhill und Rosses Point bis zu Landhäusern am Lough Gill. Offizielle Hinweise zu Veranstaltungen und Unterkünften bietet Discover Ireland zu Sligo.
Häufige Fragen zu Sligo
Wie viele Tage sollte man für Sligo einplanen?
Für die Stadt mit Abtei und Pubs reicht ein Tag. Mit Carrowmore, Knocknarea, Drumcliff, Strandhill und Mullaghmore sind drei bis vier Tage ideal, Surfer und Wanderer bleiben gern eine ganze Woche.
Wo ist W. B. Yeats begraben?
Auf dem Kirchhof von Drumcliff, rund acht Kilometer nördlich von Sligo an der N15. Sein Grabstein trägt die Schlusszeilen seines Gedichts „Under Ben Bulben“, der Berg ragt direkt dahinter auf.
Ist Strandhill für Surfanfänger geeignet?
Ja, mit einer Surfschule. Die Schulen wählen je nach Wellen und Gezeiten geeignete Stellen und stellen Brett und Neoprenanzug. Ohne Erfahrung sollten Sie wegen der starken Strömungen nicht allein ins Wasser gehen.
Kann man auf den Benbulben wandern?
Am Fuß des Berges führt der markierte Gortarowey Looped Walk entlang, eine leichte Runde von etwa 5,5 Kilometern. Einen offiziellen Gipfelweg gibt es nicht; wer auf das Plateau will, sollte eine geführte Wanderung buchen.
Lohnt sich Sligo ohne Auto?
Für Stadt, Carrowmore, Strandhill und Rosses Point ja, dorthin kommen Sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus. Für Mullaghmore, Glencar und das Umland des Benbulben ist ein Mietwagen deutlich bequemer.
Sligo als Station am Wild Atlantic Way
Von den Klippen Donegals bis zur Halbinsel Dingle reiht sich an der Westküste ein Höhepunkt an den nächsten. Die schönsten Etappen haben wir für Sie zusammengestellt.
Passend dazu: der südliche Nachbar County Mayo mit Westport und Achill Island, Ideen für Wanderreisen in Irland und weitere Ziele unter Städtereisen in Irland.







