Kilkenny

Kilkenny ist eine mittelalterliche Kleinstadt am River Nore im Südosten Irlands und zugleich Hauptort des gleichnamigen County. Kilkenny Castle, die Medieval Mile, St Canice’s Cathedral mit begehbarem Rundturm und viel Kunsthandwerk machen die Stadt zum idealen Ziel für zwei Tage, ergänzt um Abteien und Flussdörfer im Umland.

Mit gut 27.000 Einwohnern (Zensus 2022) ist Kilkenny klein genug, um alles zu Fuß zu erreichen, und doch voller Geschichte: Hier tagte im 17. Jahrhundert die Konföderation der irischen Katholiken, und über Jahrhunderte regierten die Butlers von ihrer Burg aus. Die Iren nennen Kilkenny wegen des dunklen, fossilreichen Kalksteins vieler Gebäude „Marble City“. Auf dieser Seite finden Sie Stadt und County gemeinsam: Burg, Altstadt, Brauerei, Handwerk und die schönsten Ausflüge ins Nore-Tal. Wer weitere Burgen sucht, findet sie in unserer Übersicht der schönsten Castles in Irland.

LageSüdosten der Republik Irland, Provinz Leinster, beiderseits des River Nore; rund 117 km südwestlich von Dublin
EinwohnerStadt ca. 27.200, County ca. 103.700 (Zensus 2022); County-Fläche ca. 2.073 km²
Irischer NameCill Chainnigh („Kirche des Canice“)
AnreiseBahn ab Dublin Heuston bis MacDonagh Station (Strecke Dublin–Waterford); Auto über die M9
Kilkenny Castleganzjährig geöffnet, April–September ca. 9:15–17:30 Uhr, Oktober–März ca. 9:30–17:00 Uhr; Erwachsene ca. 8 € ohne Führung (Stand 2026)
HöhepunkteKilkenny Castle, Medieval Mile, St Canice’s Cathedral mit Rundturm, Smithwick’s Experience, Jerpoint Abbey, Inistioge
Zeitbedarfein voller Tag für die Stadt, zwei bis drei Tage mit dem County

Was macht Kilkenny zu einem lohnenden Reiseziel?

Kilkenny verbindet auf engem Raum Mittelalter, lebendige Pubs und eine junge Kunsthandwerksszene. Die Altstadt ist kompakt, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen an einer einzigen Achse zwischen Burg und Kathedrale.

Die Stadt entstand aus einer Kirchensiedlung des frühen 6. Jahrhunderts im Königreich Ossory, benannt nach dem heiligen Canice. Nach der normannischen Eroberung entstanden Burg und Stadtmauern; 1207 verlieh William Marshal der Stadt ein Stadtrecht. Von 1642 bis zur Eroberung durch Cromwells Truppen 1649 war Kilkenny Sitz der Konföderation von Kilkenny, einer Art katholischer Gegenregierung. Aus diesen Jahrhunderten stammen viele der engen Gassen, die Slips genannt werden, Kaufmannshäuser und Klosterruinen, die das Stadtbild bis heute prägen.

Gleichzeitig ist Kilkenny keine Museumsstadt. Abends füllen sich die Pubs an der High Street und der Parliament Street, im Juni lockt das Comedy-Festival „Cat Laughs“, Ende August das Kilkenny Arts Festival mit Theater, Musik und Ausstellungen. Mehr über solche Veranstaltungen lesen Sie in unserem Überblick über Festivals in Irland. Und wer an einem Sommerwochenende ein Hurling-Spiel im Stadion Nowlan Park erlebt, versteht, warum die Einwohner „Cats“ heißen: Das County gehört zu den erfolgreichsten Mannschaften dieses irischen Nationalsports.

Was erwartet Sie in Kilkenny Castle?

Kilkenny Castle ist eine normannische Burg aus dem 12. Jahrhundert, die rund 600 Jahre lang Hauptsitz der Butlers war, der Grafen, Marquis und Herzöge von Ormond. In viktorianischer Zeit wurde sie umfassend umgebaut, 1969 übernahm der irische Staat das Gebäude und ließ es restaurieren.

Im Mittelteil besichtigen Sie Bibliothek, Salon, Kinderzimmer und Schlafräume, eingerichtet im Stil der 1830er-Jahre. Höhepunkt ist die lange Bildergalerie im Ostflügel aus dem 19. Jahrhundert, die eigens für die Gemäldesammlung der Familie gebaut wurde. Audioguides gibt es unter anderem auf Deutsch, im Sommer werden zusätzlich Führungen angeboten. Betreiber ist das Office of Public Works; Tickets sollten Sie direkt beim Betreiber kaufen, da Wiederverkäufer-Tickets nicht anerkannt werden.

Ein großer Teil des Reizes liegt draußen: Die Burg steht in einem weitläufigen Park mit Spielplatz, Naturpfad und Picknickwiesen. Der Park ist kostenlos zugänglich und im Sommer bis in den Abend geöffnet. Aktuelle Zeiten und Preise finden Sie bei Heritage Ireland (OPW) zu Kilkenny Castle.

Tipp: Morgens in die Burg. Im Sommer bilden sich ab dem späten Vormittag Schlangen. Kommen Sie zur Öffnung um 9:15 Uhr und heben Sie sich den Park für den Nachmittag auf.

Was gibt es entlang der Medieval Mile zu sehen?

Die Medieval Mile ist der historische Stadtkern zwischen Kilkenny Castle im Süden und St Canice’s Cathedral im Norden. Auf rund anderthalb Kilometern reihen sich Gassen, Kirchen, Kaufmannshäuser und Pubs aneinander; der Weg führt über The Parade, High Street und Parliament Street.

Ein guter Einstieg ist das Medieval Mile Museum in der ehemaligen St Mary’s Church an der St Mary’s Lane. Es erzählt 800 Jahre Stadtgeschichte, zeigt Grabmäler reicher Kaufmannsfamilien und städtische Urkunden, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Das Museum ist täglich geöffnet, bietet Führungen an und startet am Wochenende vormittags einen geführten Rundgang über die Medieval Mile.

Weiter nördlich liegt an der Parliament Street das Rothe House, ein Kaufmannshaus aus elisabethanischer Zeit mit rekonstruiertem Garten des 17. Jahrhunderts. Etwas abseits steht die Black Abbey, eine Dominikanerkirche, deren Gründung auf das Jahr 1225 zurückgeht und die heute wieder als Kirche genutzt wird. Unterwegs fallen das Tholsel, das alte Rathaus mit seinem Arkadengang, und die Butter Slip auf, eine der schmalen, steilen Gassen zwischen High Street und St Kieran’s Street. Ganz in der Nähe erinnert Kyteler’s Inn an Alice Kyteler, die 1324 in Kilkenny der Hexerei angeklagt wurde – einer der ersten bekannten Hexenprozesse Irlands.

Kann man den Rundturm von St Canice’s besteigen?

Ja. Der etwa 30 Meter hohe Rundturm neben St Canice’s Cathedral stammt aus dem 9. Jahrhundert und ist einer von nur drei mittelalterlichen Rundtürmen in Irland, die Besucher bis oben besteigen dürfen. Der Aufstieg erfolgt über steile Leitern im Inneren.

Die Mühe lohnt sich: Von oben überblicken Sie die Dächer der Altstadt, das Nore-Tal und die Burg. Die Kathedrale selbst wurde im 13. Jahrhundert errichtet und ist nach St Patrick’s in Dublin die zweitlängste Kathedrale Irlands. Sie gehört heute zur Church of Ireland. Im Inneren sehen Sie Grabmäler der Grafen von Ormond und vieler Bischöfe von Ossory sowie den steinernen Stuhl des heiligen Kieran, auf dem bis heute Bischöfe in ihr Amt eingeführt werden. Der Stadtname leitet sich von dieser Kirche ab: Cill Chainnigh bedeutet „Kirche des Canice“.

Tipp: Wetter abwarten. Der Turm ist eng und wird bei Sturm oder starkem Regen gesperrt. Planen Sie den Aufstieg flexibel ein und kombinieren Sie ihn mit einem Kaffee in der Altstadt.

Wo erleben Sie Bier, Kunsthandwerk und Design in Kilkenny?

Bierfreunde beginnen bei der Smithwick’s Experience in der Parliament Street, Kunsthandwerker im Castle Yard gegenüber der Burg. Beide liegen direkt an der Medieval Mile.

Die Geschichte von Smithwick’s reicht bis 1710 zurück, als John Smithwick auf dem Gelände der alten Franziskanerabtei St Francis zu brauen begann; schon die Mönche sollen hier im 13. Jahrhundert Bier gebraut haben. Die Brauerei in Kilkenny wurde Ende 2013 geschlossen, seitdem wird das rötliche Ale in Dublin gebraut. In Kilkenny blieb die Besuchertour: Rund eine Stunde lang erzählen Guides die Geschichte der Marke, am Ende wartet ein gezapftes Pint. Mehr über irische Ales und Stouts lesen Sie auf unserer Seite zum irischen Bier.

Seit den 1960er-Jahren gilt Kilkenny als Zentrum für irisches Design: 1965 nahmen hier die staatlichen Kilkenny Design Workshops ihre Arbeit auf. In den ehemaligen Stallungen der Burg verkauft das Kilkenny Design Centre Schmuck, Strickwaren, Glas und Keramik irischer Hersteller. Gleich daneben zeigt die National Design & Craft Gallery wechselnde Ausstellungen, und in der Castle Arch Pottery können Sie Töpfern bei der Arbeit zusehen. Moderne Kunst finden Sie in der Butler Gallery im Evans’ Home am John’s Quay; der Eintritt ist frei.

Im Umland setzen sich die Werkstätten fort: Nicholas Mosse Pottery fertigt in einer alten Mühle in Bennettsbridge, etwa acht Kilometer südlich, gemustertes Steingut. In Thomastown bläst das Jerpoint Glass Studio Glas von Hand, und in Callan schleift Kilkenny Crystal seit 1969 Kristall.

Welche Ausflugsziele bietet das County Kilkenny?

Das County Kilkenny ist eine sanfte, landwirtschaftlich geprägte Landschaft entlang der drei Flüsse Nore, Barrow und Suir, die die Iren die „Three Sisters“ nennen. Lohnend sind vor allem Jerpoint Abbey, die Flussdörfer Inistioge und Thomastown sowie die Tropfsteinhöhle Dunmore Cave.

Jerpoint Abbey liegt rund 2,5 Kilometer südwestlich von Thomastown. Die Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert ist berühmt für ihre Steinmetzarbeiten: Grabplatten, Ritterbildnisse und Figuren an den Säulen des Kreuzgangs aus dem 15. Jahrhundert. Die Anlage ist von März bis Anfang Dezember geöffnet, der Eintritt kostet für Erwachsene ca. 5 € (Stand 2026). Thomastown selbst ist ein mittelalterlicher Marktort am Nore mit dem autofreien Rundweg Grennan Loop.

Inistioge, etwa 25 Kilometer südöstlich von Kilkenny, gilt als eines der hübschesten Dörfer Irlands. Man erreicht es über eine Steinbrücke mit zehn Bögen, am Dorfplatz stehen alte Bäume und ein Brunnen. Oberhalb liegen die Ruine von Woodstock House und der Park des Woodstock-Anwesens. Das Dorf diente als Kulisse für Filme wie „Circle of Friends“. Am Barrow lohnt Graiguenamanagh mit der mittelalterlichen Duiske Abbey, die bis heute als Pfarrkirche dient; darüber erhebt sich Brandon Hill, mit 515 Metern der höchste Punkt des County.

Dunmore Cave, rund zehn Kilometer nördlich der Stadt, ist nur mit Führung zugänglich. Laut den Annalen der Vier Meister sollen hier im Jahr 928 Wikinger rund tausend Menschen getötet haben; Funde in der Höhle belegen jedenfalls ihre Anwesenheit. Der Besuch umfasst viele Stufen und ist nicht barrierefrei. Weitere Ziele sind Kells Priory, eine von Mauern und Wohntürmen umgebene Klosteranlage, die Einheimische „Seven Castles“ nennen, der frühchristliche Rundturm von Kilree, das Ganggrab von Knockroe und die Augustinerruine in Callan. Familien zieht es in den Castlecomer Discovery Park mit Waldwegen und Seilrutschen. Im Süden grenzt das County an die Region um Waterford, die wir auf unserer Seite zu Waterford mit Greenway und Copper Coast vorstellen.

Tipp: Mit dem Rad ins Nore-Tal. Zwischen Thomastown, Jerpoint und Inistioge sind die Wege kurz. Wer ein Fahrrad leiht oder den Grennan Loop zu Fuß geht, sieht vom Fluss deutlich mehr als vom Auto aus.

Wie kommen Sie nach Kilkenny und wann reist man am besten?

Am einfachsten mit dem Zug: Ab Dublin Heuston fahren Regionalzüge auf der Strecke nach Waterford bis zur MacDonagh Station am Rand der Altstadt. Mit dem Auto erreichen Sie Kilkenny von Dublin über die M9 in rund anderthalb Stunden; der nächste große Flughafen ist Dublin.

In der Stadt brauchen Sie kein Auto, alles liegt in Gehweite. Für Jerpoint, Inistioge, Kells oder Dunmore Cave ist ein Mietwagen in Irland jedoch die bequemste Lösung, da Busse auf dem Land selten fahren. Kilkenny lässt sich gut in eine Rundreise durch den Südosten einbauen, etwa zusammen mit Waterford, Wexford und dem Rock of Cashel im benachbarten Tipperary.

Die angenehmste Reisezeit liegt zwischen Mai und September, wenn Burgpark und Gärten blühen und die Tage lang sind. Im Juni und August füllen Festivals die Stadt, dann sollten Sie Unterkünfte früh buchen. Im Herbst ist es ruhiger, und im Advent verwandelt der Weihnachtsmarkt „Yulefest“ die Altstadt in eine Lichterkulisse. Das Klima ist mild, Regen gehört zu jeder Jahreszeit dazu.

Übersichtskarte

Häufige Fragen zu Kilkenny

Wie viel Zeit braucht man für Kilkenny?

Für Burg, Medieval Mile, Kathedrale und Brauerei reicht ein voller Tag. Mit Jerpoint Abbey, Inistioge und Dunmore Cave sollten Sie zwei bis drei Tage einplanen.

Ist Kilkenny eine Stadt oder ein County?

Beides. Kilkenny ist der Hauptort des gleichnamigen County in der Provinz Leinster. Die Stadt hat rund 27.000 Einwohner, das gesamte County gut 103.000 (Zensus 2022).

Wird Smithwick’s noch in Kilkenny gebraut?

Nein. Die Brauerei in Kilkenny wurde 2013 geschlossen, seitdem entsteht das Ale in Dublin. In der Parliament Street erzählt aber die Smithwick’s Experience die Geschichte der Marke, inklusive Verkostung.

Kann man Kilkenny als Tagesausflug von Dublin besuchen?

Ja, mit Zug oder Auto sind Sie in etwa anderthalb bis zwei Stunden da. Für Stadt und Umland lohnt sich aber eine Übernachtung, zumal abends in den Pubs oft Livemusik gespielt wird.

Was ist die Medieval Mile?

So heißt der historische Stadtkern zwischen Kilkenny Castle und St Canice’s Cathedral. An dieser Achse liegen die meisten Sehenswürdigkeiten, darunter das Medieval Mile Museum, das Rothe House und das Tholsel.

Den Südosten Irlands entdecken

Kilkenny ist eine von mehreren kompakten Städten, die sich gut zu einer Rundreise verbinden lassen. Unsere Übersicht stellt alle Ziele vor.

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Passend dazu: die Hafenstadt Wexford mit Hook Head, das Nachbar-County Tipperary mit dem Rock of Cashel und unsere Übersicht aller irischen Counties.

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