Shannon

Der Shannon ist mit rund 360 Kilometern der längste Fluss Irlands. Er entspringt im County Cavan, durchfließt die Seen Lough Allen, Lough Ree und Lough Derg und mündet bei Limerick in einen breiten Mündungstrichter zum Atlantik. Bekannt ist er vor allem als Revier für Hausbooturlaub, für den Sie keinen Bootsführerschein brauchen.

Der Fluss teilt die Insel fast in zwei Hälften und bildet über weite Strecken die Grenze zwischen der Provinz Connacht im Westen und Leinster und Munster im Osten. An seinen Ufern liegen Burgen, alte Brückenstädte und Klöster wie Clonmacnoise, dazwischen Schilf, Weiden und stille Seen mit Hunderten kleiner Inseln. Wer den Shannon erleben will, tut das am besten langsam: mit dem Boot, dem Kanu oder auf den Rad- und Wanderwegen am Ufer. Hier erfahren Sie, wie der Fluss verläuft, welche Seen und Orte sich lohnen, wie der Hausbooturlaub funktioniert und wie der Shannon über den Shannon-Erne Waterway mit Nordirland verbunden ist.

Längeca. 360 km, davon rund 102 km Mündungstrichter (Shannon Estuary)
Quelle und MündungShannon Pot am Cuilcagh Mountain (County Cavan); Mündung bei Limerick in den Shannon Estuary und weiter in den Atlantik
Große SeenLough Allen, Lough Ree, Lough Derg (ca. 39 km lang)
Wichtige OrteCarrick-on-Shannon, Athlone, Banagher, Portumna, Killaloe/Ballina, Limerick
Bootssaisonetwa Mitte März bis Ende Oktober
Führerscheinfür gemietete Kabinenkreuzer nicht erforderlich, Einweisung durch den Vermieter
ZuständigWaterways Ireland (Wasserstraßen, Schleusen, Anleger)

Wo entspringt der Shannon und wie verläuft er?

Der Shannon entspringt im Shannon Pot, einem kleinen Quelltopf an den Hängen des Cuilcagh Mountain im County Cavan. Von dort fließt er überwiegend nach Süden durch die Mitte der Insel, bevor er sich bei Limerick nach Westen wendet und in einen langen Mündungstrichter zum Atlantik übergeht.

Die Länge wird je nach Zählweise unterschiedlich angegeben, weil der Übergang vom Fluss in das Gezeitengewässer der Mündung nicht eindeutig ist. Gängig sind rund 360 Kilometer, davon etwa 258 Kilometer Süßwasser und gut 100 Kilometer Shannon Estuary. Auf seinem Weg berührt der Fluss elf Counties. Kurz nach der Quelle durchfließt er den Lough Allen, später den Lough Ree bei Athlone und schließlich den Lough Derg, mit fast 40 Kilometern Länge der größte See an seinem Lauf. Das Gefälle ist gering, über weite Strecken fließt der Shannon träge durch Feuchtwiesen und Moore, die im Winter regelmäßig überschwemmt werden.

Bei Ardnacrusha nördlich von Limerick steht das Wasserkraftwerk, das der junge irische Freistaat 1929 in Betrieb nahm. Es war eines der ersten großen Infrastrukturprojekte des unabhängigen Staates und wird bis heute vom Energieversorger ESB betrieben. Unterhalb von Limerick weitet sich der Fluss zum Estuary, an dessen Ufern der Flughafen Shannon und kleine Häfen wie Foynes liegen. Zwischen Tarbert in Kerry und Killimer in Clare verkehrt eine Autofähre über die Mündung, die Reisenden an der Westküste einen langen Umweg über Limerick erspart.

Kann man auf dem Shannon ohne Bootsführerschein Hausboot fahren?

Ja. Für gemietete Kabinenkreuzer auf dem Shannon und dem Shannon-Erne Waterway brauchen Sie weder einen Bootsführerschein noch Vorerfahrung. Der Vermieter weist Sie vor der Abfahrt in Steuern, Anlegen, Schleusen und die Regeln auf dem Wasser ein.

Die Boote sind für zwei bis zwölf Personen ausgelegt und bieten Kabinen, Küche, Dusche und WC an Bord. Die meisten Vermieter sitzen in Carrick-on-Shannon, am Lough Derg und an weiteren Häfen entlang des Flusses. Gefahren wird gemächlich, erfahrene Skipper empfehlen zwei bis vier Stunden Fahrzeit pro Tag, damit genug Zeit für Landgänge, Pubs und Spaziergänge bleibt. Rote und schwarze Tonnen markieren die Fahrrinne, sie zu beachten ist auf den Seen besonders wichtig, weil dort Felsen und Untiefen dicht neben dem Fahrwasser liegen. Nachts wird nicht gefahren, sondern an öffentlichen Anlegern oder in Marinas festgemacht.

Welche Bootstypen es gibt, wie Sie buchen und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, haben wir ausführlich auf unserer Seite zum Hausbooturlaub in Irland zusammengestellt. Hier nur so viel: Die Saison läuft etwa von Mitte März bis Ende Oktober, die Wochen im Juli und August sind am gefragtesten.

Tipp: Erste Etappe kurz halten. Planen Sie für den ersten Nachmittag nur eine kurze Strecke ohne See. So üben Sie Anlegen und Wenden in ruhigem Wasser, bevor es auf den offenen Lough Ree oder Lough Derg geht, wo der Wind schnell Wellen aufbaut.

Welche Bootsrouten auf dem Shannon eignen sich für Einsteiger?

Als idealer Einstieg gilt die Fahrt von Carrick-on-Shannon zum Lough Key: rund drei Stunden mit nur einer Schleuse. Danach bieten sich längere Etappen nach Süden oder ins Seengebiet des Lough Derg an.

  • Carrick-on-Shannon – Lough Key: ca. 3 Stunden nach Norden zum Waldpark Lough Key Forest Park mit Inseln und Baumwipfelpfad, ideal für den ersten Tag.
  • Carrick-on-Shannon – Tarmonbarry: ca. 6 Stunden nach Süden mit Stopps in Jamestown, Dromod und Rooskey, unterwegs eine besetzte Schleuse.
  • Banagher – Athlone – Glasson: ca. 4 Stunden flussaufwärts über Shannonbridge und Clonmacnoise nach Athlone, dann rund eine Stunde über den Lough Ree nach Glasson.
  • Portumna – Lough Derg – Killaloe: ca. 5 Stunden bis Garrykennedy und etwa drei weitere bis Killaloe und Ballina am Südende des Sees, unterwegs Terryglass und Dromineer.

Für eine Woche reicht in der Regel ein Abschnitt, etwa der Norden rund um Carrick oder der Mittellauf zwischen Athlone und Lough Derg. Wer zu viel Strecke plant, verbringt die Ferien am Steuer statt in den Orten.

Was ist der Shannon-Erne Waterway?

Der Shannon-Erne Waterway ist ein 63 Kilometer langer Kanal, der den Shannon bei Leitrim Village mit dem Upper Lough Erne im nordirischen County Fermanagh verbindet. Zusammen bilden Shannon und Erne eines der größten zusammenhängenden Binnenreviere Europas.

Der Kanal hat eine wechselvolle Geschichte. Als Ballinamore and Ballyconnell Canal wurde er um 1860 eröffnet, wurde aber kaum genutzt und verfiel. Nach einer grenzüberschreitenden Restaurierung ab 1990 ging er am 23. Mai 1994 wieder in Betrieb, damals ein Symbol der Annäherung zwischen der Republik und Nordirland. Heute führen 16 Schleusen durch Leitrim und Cavan, sie werden elektrohydraulisch mit einer Chipkarte bedient. Unterwegs liegen kleine Orte wie Ballinamore und Ballyconnell mit Anlegern, Pubs und Wanderwegen.

Am Ende des Kanals erreichen Sie das weitverzweigte Seengebiet des Lough Erne mit Inseln, Klosterruinen und der Inselstadt Enniskillen. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite über das County Fermanagh. Bitte beachten Sie: Mit dem Grenzübertritt sind Sie im Vereinigten Königreich, an Land wird in Pfund Sterling bezahlt. Auf dem Wasser gibt es keine Kontrollen.

Was bietet Carrick-on-Shannon?

Carrick-on-Shannon ist die Hauptstadt des County Leitrim und das wichtigste Zentrum für Bootsurlaub am Shannon. Die Kleinstadt mit knapp 4.800 Einwohnern liegt an einer engen Flussbiegung, hat eine große Marina und viele Bootsvermieter.

Das Stadtbild stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Die Brücke über den Shannon wurde 1846 gebaut und ersetzte einen älteren Steinbogen mit neun Bögen. Bekanntestes Bauwerk ist die Costello Chapel, die mit rund 18 Quadratmetern Grundfläche als eine der kleinsten Kapellen der Welt gilt. Edward Costello ließ sie 1877 als Grabkapelle für seine Frau errichten. Die neugotische St. Mary’s Church an der Main Street wurde 1879 geweiht, Hatley Manor ist ein restauriertes georgianisches Herrenhaus der Familie St. George. Im früheren Gerichtsgebäude aus dem 19. Jahrhundert hat seit 2005 das Kunstzentrum The Dock seinen Sitz, mit Ausstellungen, Theater und Konzerten. An die Hungersnot erinnern das alte Armenhaus und der Famine Graveyard.

Abends trifft man sich in den Pubs der Bridge Street und der Main Street, in denen oft Livemusik gespielt wird. Die Stadt ist auch ohne Auto gut erreichbar: Der Bahnhof liegt rund zwei Kilometer außerhalb auf der Roscommon-Seite an der Strecke Dublin–Sligo. Für Angler ist die Umgebung mit ihren vielen Seen ein bekanntes Revier, Hinweise zu Lizenzen und Fischarten finden Sie auf unserer Seite zum Angeln in Irland.

Welche Orte am Shannon lohnen sich außerdem?

Besonders lohnend sind Athlone in der Mitte, Banagher und Shannonbridge am ruhigen Mittellauf, Portumna am Nordende des Lough Derg und die Zwillingsorte Killaloe und Ballina an seinem Südende. Am Unterlauf schließt Limerick mit seiner Burg auf King’s Island an.

Athlone ist seit Jahrhunderten der wichtigste Übergang über den Shannon. Die Burg am Flussufer erzählt in ihrem Besucherzentrum von den Belagerungen der Stadt im Krieg von 1689 bis 1691. Nördlich der Stadt liegt der Lough Ree mit vielen Inseln, an seinem Ostufer der Ort Glasson. Shannonbridge besitzt eine Brücke mit sechzehn Bögen und Festungsanlagen, die zur Abwehr einer befürchteten Invasion Napoleons entstanden. Banagher ist ein ruhiger Hafenort mit Anlegern und Pubs, der sich gut als Basis für den Mittellauf eignet.

Portumna am Nordufer des Lough Derg hat ein Schloss aus dem frühen 17. Jahrhundert mit Gärten, das vom OPW betreut wird, und einen großen Waldpark am See. Am Ostufer des Sees liegen die Dörfer Terryglass, Dromineer und Garrykennedy. Ganz im Süden verbindet eine alte Steinbrücke Killaloe im County Clare mit Ballina im County Tipperary. Killaloe gilt als Heimat des Hochkönigs Brian Boru, und beide Orte sind beliebte Häfen mit Restaurants und Pubs am Wasser. Unterhalb davon führt der Fluss am Kraftwerk Ardnacrusha vorbei nach Limerick, wo King John’s Castle auf King’s Island an die normannische Zeit erinnert und die Wikinger schon im 10. Jahrhundert siedelten.

Tipp: Lough Derg von beiden Seiten. Starten Sie eine Rundfahrt in Portumna und legen Sie am Ostufer in Terryglass und Dromineer an. Die kleinen Häfen sind ruhiger als Killaloe und bieten oft die schöneren Abendplätze am Wasser.

Wie erlebt man den Shannon ohne Boot?

Sehr gut zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Kanu: Waterways Ireland hat entlang des Flusses Blueways eingerichtet, markierte Routen für Paddler, Wanderer und Radfahrer. Dazu kommen Ausflugsboote, Angelplätze und Uferwege in fast jedem Ort.

Der Shannon Blueway führt durch Leitrim und Roscommon, der Lough Derg Blueway rund um den gleichnamigen See. Beide eignen sich für Anfänger, weil Einstiegsstellen, Parkplätze und Beschilderung vorhanden sind; Kanus und Kajaks lassen sich vor Ort leihen. Wer lieber auf festem Boden bleibt, kombiniert Uferspaziergänge mit Besuchen in Clonmacnoise, im Lough Key Forest Park bei Boyle oder in Portumna. Mit dem Auto lässt sich der Fluss gut auf einer Fahrt von Carrick-on-Shannon über Athlone bis Killaloe begleiten, die Brückenorte liegen jeweils nur eine halbe bis eine Stunde voneinander entfernt. Auch Golfer finden an den Seen mehrere schön gelegene Plätze.

Am Unterlauf lohnt ein Abstecher an den Shannon Estuary: Von Foynes, wo in den 1930er- und 1940er-Jahren Flugboote über den Atlantik starteten, bis nach Loop Head im County Clare reichen weite Ausblicke über die Mündung. Mit der Autofähre zwischen Killimer und Tarbert überqueren Sie den Fluss in rund 20 Minuten und gelangen direkt nach Kerry.

Häufige Fragen zum Shannon

Wie lang ist der Shannon?

Der Shannon ist rund 360 Kilometer lang und damit der längste Fluss Irlands und der britischen Inseln. Etwa 100 Kilometer davon entfallen auf den Mündungstrichter unterhalb von Limerick. Je nach Messweise finden sich auch andere Angaben.

Braucht man für ein Hausboot auf dem Shannon einen Führerschein?

Nein, für gemietete Kabinenkreuzer ist kein Bootsführerschein nötig. Der Vermieter erklärt vor der Abfahrt Steuerung, Anlegen und Schleusen. Mindestalter und Kaution regelt jeder Vermieter selbst.

Wo startet man am besten einen Bootsurlaub?

Carrick-on-Shannon ist der beliebteste Startpunkt, weil von dort sowohl der Lough Key als auch der Shannon-Erne Waterway erreichbar sind. Für den südlichen Teil mit dem Lough Derg eignen sich Basen wie Portumna oder Killaloe.

Wann ist die beste Reisezeit für den Shannon?

Die Bootssaison reicht etwa von Mitte März bis Ende Oktober. Mai, Juni und September verbinden lange Tage mit weniger Andrang an den Anlegern. Im Juli und August ist am meisten los, dann sollten Sie früh buchen.

Kann man mit dem Boot bis Nordirland fahren?

Ja, über den Shannon-Erne Waterway erreichen Sie von Leitrim Village aus den Lough Erne in Fermanagh. Auf dem Wasser gibt es keine Grenzkontrollen, an Land gilt aber das britische Pfund. Prüfen Sie beim Vermieter, ob das Revier im Mietvertrag eingeschlossen ist.

Bootsurlaub planen

Bootstypen, Vermieter, Kosten und Buchungstipps für Ihren Urlaub auf dem Shannon und dem Erne finden Sie auf unserer Hausboot-Seite.

Weiter zum Hausbooturlaub

Passend dazu: die Klosterstätte Clonmacnoise am Shannon, die Seenlandschaft im County Fermanagh und die offiziellen Routenvorschläge von Discover Ireland sowie Infos zu Schleusen und Anlegern bei Waterways Ireland.