Nordirland

Nordirland ist der zum Vereinigten Königreich gehörende Nordosten der Insel Irland mit sechs Grafschaften, der Hauptstadt Belfast und rund 1,9 Millionen Einwohnern. Reisende lockt die Kombination aus Giant’s Causeway, wilder Küste, Seenland und bewegter Geschichte. Bezahlt wird in Pfund Sterling, für die Einreise brauchen die meisten Besucher eine ETA.

Wer von Dublin nach Norden fährt, merkt den Übergang kaum: Es gibt keine Schlagbäume, nur die Verkehrsschilder zeigen plötzlich Meilen statt Kilometer. Und doch beginnt hier ein anderer Staat mit eigener Währung, eigenen Einreiseregeln und einer Geschichte, die sich von der Republik deutlich unterscheidet. Auf engem Raum liegen Naturwunder wie der Giant’s Causeway, die Granitgipfel der Mourne Mountains, das Seenland von Fermanagh und zwei sehr unterschiedliche Städte: das Hafen- und Industriezentrum Belfast und das ummauerte Derry. Diese Übersicht hilft bei der Planung: Einreise, Grenze, Geld, Regionen, die wichtigsten Ziele und ein Vorschlag für eine Rundreise.

StaatLandesteil des Vereinigten Königreichs; Regionalparlament (Northern Ireland Assembly) in Stormont, Belfast
HauptstadtBelfast (ca. 345.000 Einwohner, Großraum ca. 700.000; Zensus 2021)
Einwohnerca. 1,9 Millionen (Zensus 2021)
GrafschaftenAntrim, Armagh, Down, Fermanagh, Londonderry, Tyrone
EinreiseReisepass und elektronische Reisegenehmigung (ETA), ca. 20 £; ausgenommen u. a. Inhaber britischer oder irischer Pässe (Stand 2026)
WährungPfund Sterling (£); Euro nur vereinzelt in Grenznähe
Telefon und VerkehrLändervorwahl +44; Linksverkehr, Geschwindigkeiten in Meilen pro Stunde
Lage in IrlandSightseeing Pointer

Was brauchen Sie für die Einreise nach Nordirland?

Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Europäer brauchen für Nordirland einen gültigen Reisepass und seit dem 2. April 2025 eine elektronische Reisegenehmigung, die UK ETA. Sie gilt für das gesamte Vereinigte Königreich und wird vor der Reise online oder per App beantragt.

Die ETA kostet laut der britischen Regierung 20 £ und wird über die offizielle App „UK ETA“ oder die Website gov.uk beantragt. Dafür scannen Sie Ihren Pass und ein Foto Ihres Gesichts ein. Eine Entscheidung kommt meist innerhalb eines Werktags per E-Mail, es kann aber bis zu drei Werktage dauern. Die Genehmigung gilt zwei Jahre oder bis zum Ablauf des Passes, je nachdem, was früher eintritt, und erlaubt beliebig viele Reisen von jeweils bis zu sechs Monaten. Jede Person braucht eine eigene ETA, auch Babys und Kinder. Meiden Sie inoffizielle Vermittlungsseiten, die deutlich mehr verlangen.

Wichtig für Irlandreisende ist die Regel zur Landgrenze. Auch wer aus der Republik Irland mit dem Auto, Bus oder Zug nach Nordirland fährt, muss laut den Vorgaben der britischen Grenzbehörde die Einreiseregeln des Vereinigten Königreichs einhalten und eine ETA besitzen. Dass an der Grenze nicht routinemäßig kontrolliert wird, ändert an dieser Pflicht nichts. Ausgenommen sind Inhaber britischer oder irischer Pässe sowie Menschen mit britischem Aufenthaltsrecht. Wer ohne irische Staatsangehörigkeit rechtmäßig in Irland lebt, braucht für Reisen innerhalb des gemeinsamen Reisegebiets (Common Travel Area) ebenfalls keine ETA, muss den Wohnsitz aber mit einem physischen Nachweis belegen können.

Als Ausweisdokument genügt der deutsche Personalausweis für die Einreise ins Vereinigte Königreich grundsätzlich nicht mehr, Ausnahmen gelten nur für bestimmte Gruppen wie Inhaber eines Aufenthaltsstatus nach dem EU Settlement Scheme. Nehmen Sie also den Reisepass mit, auch wenn Sie nur einen Tagesausflug von Dublin planen. Die verbindlichen Regeln finden Sie bei der britischen Regierung (gov.uk).

Tipp: ETA zuerst beantragen. Beantragen Sie die ETA, bevor Sie Mietwagen, Fähre oder Tagestour nach Nordirland buchen. So vermeiden Sie Ärger, falls der Antrag doch einige Tage dauert.

Was ändert sich hinter der Grenze zur Republik Irland?

Die Grenze ist offen und meist nur an den Verkehrsschildern zu erkennen. Hinter ihr gelten aber Pfund statt Euro, Meilen statt Kilometer, britische Telefontarife und britisches Zollrecht.

  • Geld: Bezahlt wird in Pfund Sterling. Kartenzahlung ist fast überall möglich. Nordirische Banken geben eigene Pfundnoten aus, die in Nordirland problemlos gelten, in Großbritannien aber nicht immer angenommen werden.
  • Straßen: Wie in der Republik herrscht Linksverkehr, Entfernungen und Tempolimits sind jedoch in Meilen ausgeschildert. Wer einen Mietwagen in der Republik bucht, sollte die Fahrt nach Nordirland vorab mit dem Vermieter klären.
  • Telefon: Die Ländervorwahl ist +44, Belfast hat die Vorwahl 028. Die EU-Roamingregeln gelten im Vereinigten Königreich nicht automatisch, prüfen Sie Ihren Tarif vor der Reise.
  • Gesundheit: Die Europäische Krankenversicherungskarte wird für medizinisch notwendige Behandlungen anerkannt, eine Auslandsreisekrankenversicherung bleibt dennoch sinnvoll.
  • Strom: Wie in der Republik werden dreipolige Stecker vom Typ G verwendet, ein Adapter ist nötig.

Auch im Alltag gibt es Unterschiede. Briefkästen sind rot statt grün, die Post heißt Royal Mail, und in vielen Orten wehen Flaggen, die die politische Zugehörigkeit des Viertels zeigen. Für Besucher ist das kein Problem, es lohnt sich aber, ein Grundverständnis der Geschichte mitzubringen.

Welche Ziele in Nordirland lohnen sich?

Die bekanntesten Ziele sind der Giant’s Causeway an der Nordküste, die Hauptstadt Belfast mit Titanic Belfast und die Stadtmauer von Derry. Dazu kommen die Glens of Antrim, die Mourne Mountains und das Seenland von Fermanagh. Unsere ausführlichen Seiten im Überblick:

  • Belfast: die Hauptstadt mit Titanic Belfast, Cathedral Quarter, Wandbildern und viktorianischem Markt, ideal für eine Städtereise oder als Ausgangspunkt.
  • Derry: die einzige vollständig ummauerte Stadt der Insel, mit Friedensbrücke, Museen und lebendiger Musikszene.
  • Giant’s Causeway: das Basaltsäulenfeld an der Nordküste, Nordirlands erstes UNESCO-Welterbe, mit Wanderwegen und Besucherzentrum.
  • County Antrim: Causeway-Küste, Carrick-a-Rede, Dunluce Castle, die neun Glens und Rathlin Island.
  • County Down: Mourne Mountains, der Meeresarm Strangford Lough und Downpatrick mit dem Grab des heiligen Patrick.
  • County Fermanagh: das Seenland am Lough Erne mit Inseln, Klosterruinen, Tropfsteinhöhlen und Enniskillen.

Wer Nordirland vom Wasser aus erleben möchte, kann auf dem Lough Erne ein Kabinenboot mieten; mehr dazu auf unserer Seite zu Hausbooten in Irland.

Was bieten die sechs Grafschaften Nordirlands?

Jede der sechs Grafschaften hat einen eigenen Charakter: Antrim die Steilküste, Down die Berge und den Meeresarm, Fermanagh die Seen, Tyrone die Hügel der Sperrins, Londonderry die ummauerte Stadt und Armagh die Kirchengeschichte. In der Mitte liegt der Lough Neagh, der größte See der Insel.

Antrim umfasst den Norden Belfasts, die Causeway-Küste und die Glens of Antrim, neun grüne Täler, die zur Küste hin abfallen. Hier liegen auch die Hängebrücke Carrick-a-Rede und die Whiskeybrennerei von Bushmills. Down im Südosten wird von den Mourne Mountains geprägt. Ihr höchster Gipfel, der Slieve Donard, ist mit 850 Metern der höchste Berg der Provinz Ulster. Am Strangford Lough überwintern Zugvögel, und in Downpatrick erzählt das Saint Patrick Centre vom Leben des Nationalheiligen.

Armagh ist der kirchliche Mittelpunkt Irlands: In der gleichnamigen Stadt residieren die Erzbischöfe der katholischen Kirche und der Church of Ireland, beide Kirchen haben hier eine Kathedrale. Bekannt sind außerdem das Armagh Observatory mit Planetarium, die georgianische Architektur und die vorgeschichtliche Kultstätte Navan Fort. Fermanagh im Südwesten ist von Wasser bestimmt, der Lough Erne zieht sich mit unzähligen Inseln durch die Grafschaft. Unter der Erde locken die Marble Arch Caves mit unterirdischen Flüssen, am Westende des Sees die Porzellanmanufaktur von Belleek.

Tyrone ist die größte und ruhigste Grafschaft. Bei Omagh erzählt der Ulster American Folk Park, ein Freilichtmuseum mit mehr als 30 Gebäuden, von drei Jahrhunderten Auswanderung nach Amerika. Im Norden erheben sich die Sperrin Mountains. Londonderry reicht von der Stadt Derry mit ihrer Mauer bis an die Atlantikküste mit dem Strand von Portstewart, dem Mussenden Temple auf den Klippen von Downhill und dem Bergrücken Binevenagh. Fünf der sechs Grafschaften, alle außer Fermanagh, grenzen an den Lough Neagh.

Wie reisen Sie nach Nordirland an?

Viele Besucher kommen über Dublin und fahren mit dem Enterprise-Zug, dem Bus oder dem Mietwagen in gut zwei Stunden nach Belfast. Belfast hat außerdem zwei eigene Flughäfen, und Fähren verbinden Nordirland mit Schottland und England.

Der Enterprise fährt von Montag bis Samstag stündlich zwischen Dublin Connolly und dem 2024 eröffneten Bahnhof Belfast Grand Central, sonntags seltener. Unterwegs hält er unter anderem in Drogheda, Dundalk, Newry und Portadown. Belfast International Airport liegt rund 20 Kilometer nordwestlich der Stadt, der George Best Belfast City Airport nur etwa fünf Kilometer vom Zentrum entfernt am Hafen. Wer mit dem eigenen Auto kommt, nimmt eine Fähre von Cairnryan in Schottland nach Belfast oder Larne oder von Liverpool nach Belfast. Überblick über Routen und Reedereien gibt unsere Seite zu den Fähren nach Irland.

Vor Ort ist der Mietwagen das flexibelste Verkehrsmittel, vor allem an der Küste und im Seenland. Daneben betreibt Translink ein dichtes Netz aus Zügen und Bussen: Bahnlinien verbinden Belfast mit Derry, Portrush, Larne, Bangor und Newry, Überlandbusse erreichen die meisten Städte und im Sommer auch die Küstenziele. Fahrräder lassen sich auf ausgewiesenen Radrouten gut nutzen, unter anderem entlang der Nordküste.

Was sollten Besucher über die Geschichte Nordirlands wissen?

Nordirland entstand 1921 bei der Teilung Irlands, als der überwiegend protestantische Nordosten beim Vereinigten Königreich blieb. Von Ende der 1960er-Jahre bis 1998 erschütterte der Nordirlandkonflikt, die sogenannten Troubles, das Land; mehr als 3.500 Menschen kamen ums Leben.

Im Kern stand die Frage, ob Nordirland zu Großbritannien oder zu Irland gehören soll: Unionisten, meist protestantisch, wollten britisch bleiben, Nationalisten und Republikaner, meist katholisch, strebten die Vereinigung mit der Republik an. Das Karfreitagsabkommen vom April 1998 beendete den bewaffneten Konflikt und schuf die bis heute geltende Machtteilung in Stormont. Seitdem hat sich Nordirland zu einem sicheren und beliebten Reiseziel entwickelt. Spuren des Konflikts sind dennoch sichtbar, etwa in den Wandbildern und Friedensmauern in Belfast und Derry, die viele Besucher bei geführten Touren kennenlernen.

Ein paar Hinweise erleichtern den Umgang. Selbst der Name der zweitgrößten Stadt ist politisch: Nationalisten sagen Derry, Unionisten Londonderry; auf Schildern steht oft beides. Im Juli, rund um den 12. Juli, ziehen die Paraden des Oranier-Ordens durch viele Orte; dann können Straßen gesperrt und manche Geschäfte geschlossen sein. Gespräche über Politik und Religion beginnen Einheimische meist selbst, wenn sie es möchten. Hintergründe zur gesamten Insel finden Sie auf unserer Seite zur Geschichte Irlands.

Wie lässt sich eine Rundreise durch Nordirland planen?

Für die wichtigsten Ziele reichen fünf bis sieben Tage: zwei Tage Belfast, zwei Tage Causeway-Küste und Glens, ein Tag Derry und ein bis zwei Tage Fermanagh oder die Mourne Mountains. Mit dem Auto lässt sich daraus eine Runde ab Belfast oder eine Verlängerung einer Irlandreise machen.

Ein bewährter Ablauf beginnt in Belfast mit Titanic Belfast, Stadtführung und einem Abend im Cathedral Quarter. Danach folgt die Fahrt über die Küstenstraße nach Norden, vorbei an der Normannenburg von Carrickfergus, durch die Dörfer der Glens of Antrim bis zur Causeway-Küste mit Übernachtung in Bushmills oder Portrush. Am nächsten Tag geht es weiter nach Derry, wo sich ein Rundgang auf der Stadtmauer lohnt. Von dort führt die Route nach Süden durch Tyrone ins Seenland von Fermanagh und schließlich über Armagh in die Mourne Mountains, bevor Sie nach Belfast oder über die Grenze Richtung Dublin zurückkehren.

Unterkünfte reichen von Stadthotels in Belfast über Bed and Breakfasts an der Küste bis zu Ferienhäusern am See. In den Sommermonaten und an Wochenenden mit großen Golfturnieren an der Nordküste ist früh zu buchen. Wer Wanderschuhe dabeihat, findet in den Mournes, auf dem Causeway Coast Way und in den Sperrins einige der schönsten Wege der Insel.

Tipp: Grenzübertritt einplanen. Die Kombination aus Republik und Nordirland ist reizvoll, etwa Donegal und Derry an einem Tag. Denken Sie dann an ETA, Reisepass und eine Karte für Pfundzahlungen.
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Häufige Fragen zu Nordirland

Gehört Nordirland zu Irland oder zu Großbritannien?

Nordirland liegt auf der Insel Irland, gehört politisch aber zum Vereinigten Königreich. Großbritannien bezeichnet streng genommen nur die Hauptinsel mit England, Schottland und Wales, deshalb spricht man korrekt vom Vereinigten Königreich. Die Republik Irland ist ein eigener Staat.

Braucht man für einen Tagesausflug von Dublin nach Nordirland eine ETA?

Ja, sofern Sie keinen britischen oder irischen Pass haben. Die ETA-Pflicht gilt nach den britischen Vorgaben auch für die Einreise über die Landgrenze, obwohl dort nicht kontrolliert wird. Ausnahmen gibt es unter anderem für Personen, die rechtmäßig in Irland wohnen.

Kann man in Nordirland mit Euro bezahlen?

Nur ausnahmsweise. Offizielle Währung ist das Pfund Sterling. In Grenznähe und in manchen touristischen Betrieben werden Euro angenommen, meist aber zu einem ungünstigen Kurs. Mit Karte zu zahlen ist die einfachste Lösung.

Ist Nordirland ein sicheres Reiseziel?

Ja, seit dem Friedensabkommen von 1998 ist Nordirland für Reisende sicher. Rund um die Paraden im Juli kann es örtlich zu Spannungen kommen, dann sollten Sie Hinweise vor Ort beachten. Ansonsten gelten die üblichen Vorsichtsregeln wie in jeder Großstadt.

Wie viele Tage braucht man für Nordirland?

Für Belfast und den Giant’s Causeway genügen drei Tage. Eine Rundreise mit Derry, den Glens of Antrim und Fermanagh benötigt eher fünf bis sieben Tage. Kombiniert mit Donegal lohnt sich auch eine längere Reise.

Start in der Hauptstadt

Belfast ist der beste Ausgangspunkt für eine Nordirlandreise. Unsere Städteseite zeigt Sehenswürdigkeiten, Viertel und Anreise.

Weiter zur Städtereise Belfast

Passend dazu: Hinweise zu Linksverkehr und Grenzfahrten bietet unsere Seite zum Mietwagen in Irland, und wer den Norden mit dem Westen verbinden möchte, folgt dem Wild Atlantic Way ab Donegal.