Newgrange

Newgrange ist ein jungsteinzeitliches Ganggrab im Boyne-Tal im County Meath, erbaut um 3100 v. Chr. und damit älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh. Zusammen mit Knowth und Dowth bildet es das UNESCO-Welterbe Brú na Bóinne. Besichtigt wird nur mit Führung ab dem Besucherzentrum in Donore.

Ein weißer Steinwall, dahinter ein grasbewachsener Hügel, davor ein Eingangsstein mit eingemeißelten Spiralen: Newgrange gehört zu den eindrucksvollsten Bauwerken der europäischen Vorgeschichte. Einmal im Jahr, zur Wintersonnenwende, fällt das Licht der aufgehenden Sonne durch eine Öffnung über dem Eingang bis in die innerste Kammer. Die Anlage liegt etwa acht Kilometer westlich von Drogheda und knapp eine Autostunde nördlich von Dublin, was sie zu einem der beliebtesten Tagesausflüge aus der Hauptstadt macht. Wir erklären, wie der Besuch abläuft, was Knowth und Dowth unterscheidet, wie die Lotterie zur Sonnenwende funktioniert und welche Ziele im Boyne-Tal in der Nähe liegen.

LageBoyne-Tal, County Meath, ca. 8 km westlich von Drogheda; Besucherzentrum: Donore, Drogheda, Co. Meath, A92 EH5C
Zugangnur über das Brú na Bóinne Visitor Centre, von dort Shuttlebus und Führung; direkt an den Monumenten kein Einlass
ÖffnungszeitenNov.–Feb. ca. 9–16.15 Uhr, März/April und Okt. ca. 9.30–16.45 Uhr, Mai–Sept. ca. 9–17.45 Uhr; geschlossen 24.–27. Dez. und 1. Jan. (Stand 2026)
BuchungVorab online erforderlich, Kontingente sehr knapp; Tickets gelten nur über die offizielle Seite des OPW
BetreiberOffice of Public Works (OPW), Heritage Ireland; UNESCO-Welterbe seit 1993
AnreiseAuto ab Dublin über die M1, ca. 50 Minuten bis 1 Stunde; Parkplatz am Besucherzentrum
Zeitbedarfca. 2–3 Stunden für Ausstellung und eine Führung, mit Knowth ein halber Tag
Lage in IrlandSightseeing Pointer

Was ist Newgrange und wie alt ist es?

Newgrange ist ein Ganggrab, also ein künstlich aufgeschütteter Hügel mit einem steinernen Gang, der in eine Grabkammer führt. Gebaut wurde es in der Jungsteinzeit um 3100 v. Chr. von Ackerbauern, die im fruchtbaren Boyne-Tal siedelten.

Der Hügel ist etwa 85 Meter breit und rund zwölf Meter hoch; Schätzungen zufolge stecken in ihm etwa 200.000 Tonnen Erde und Stein. Eingefasst wird er von einem Ring liegender Randsteine, von denen viele verziert sind. Ein 19 Meter langer Gang führt in eine kreuzförmige Kammer mit drei Nischen. Ihr Dach ist ein sogenanntes Kraggewölbe: Flache Steinplatten wurden so übereinandergeschichtet, dass jede ein Stück weiter nach innen ragt, bis sich die Öffnung oben schließt. Das Gewölbe hält seit rund fünf Jahrtausenden und lässt bis heute kaum Wasser durch. In den Nischen standen große steinerne Becken, in denen vermutlich verbrannte Überreste von Toten beigesetzt wurden.

Berühmt ist der Eingangsstein, ein etwa drei Meter langer Block von rund fünf Tonnen mit einer Dreifachspirale, die heute als eines der bekanntesten Motive der Megalithkunst gilt. Spiralen, Rauten, Kreise und Zickzacklinien finden sich auch auf vielen weiteren Steinen in Gang und Kammer. Ihre Bedeutung ist ungeklärt.

Wiederentdeckt wurde der Eingang 1699, als der Landbesitzer Charles Campbell Arbeiter Steine aus dem Hügel graben ließ. Zwischen 1962 und 1975 leitete der Archäologe Michael J. O’Kelly die große Ausgrabung und Restaurierung. Die heutige weiße Quarzfront am Eingang geht auf seine Rekonstruktion zurück und ist unter Fachleuten umstritten, weil unklar ist, ob die Quarzsteine ursprünglich eine senkrechte Mauer bildeten oder als Pflaster vor dem Hügel lagen. In der irischen Sagenwelt heißt der Ort Brú na Bóinne und gilt als Wohnsitz des Gottes Dagda und seines Sohnes Aengus. Mehr über die Epochen von der Steinzeit bis zur Gegenwart lesen Sie auf unserer Seite zur Geschichte Irlands.

Wie läuft ein Besuch über das Besucherzentrum ab?

Jeder Besuch beginnt im Brú na Bóinne Visitor Centre am Südufer der Boyne bei Donore. Von dort bringt ein Shuttlebus die Gruppen zu den Monumenten, wo ein Guide durch die Anlage führt. Wer direkt nach Newgrange oder Knowth fährt, wird nicht eingelassen.

Tickets müssen Sie vorab online buchen, die Kontingente sind klein. Das gilt für alle Teilnehmenden, auch für Kinder und Babys; Jugendliche unter 18 Jahren werden nur in Begleitung Erwachsener eingelassen. Die Buchungsfenster unterscheiden sich nach Jahreszeit: Von Januar bis Anfang März und von November bis Dezember können Sie höchstens sieben Tage im Voraus buchen, von April bis Anfang November bis zu 30 Tage. Neue Tickets werden um Mitternacht irischer Zeit freigeschaltet. Stornierte Plätze tauchen unregelmäßig wieder auf, das OPW empfiehlt, morgens und am Nachmittag erneut nachzusehen. Tickets von Drittanbietern und Wiederverkaufsplattformen sind ungültig, außerdem warnt die Behörde vor gefälschten Buchungsseiten.

Von März bis Anfang November gibt es mehrere Varianten: die Brú-na-Bóinne-Tour mit Kammerbesuch in Newgrange, eine Newgrange-Tour mit Ausstellung sowie einmal täglich eine Knowth-Tour mit Ausstellung. Im Winter wird nur die Newgrange-Tour mit Ausstellung angeboten. Der Gang nach Newgrange ist niedrig und eng, für Menschen mit Platzangst oder eingeschränkter Beweglichkeit kann er schwierig sein. Fotografieren ist in Gang und Kammer nicht erlaubt. Die Ausstellung im Besucherzentrum erklärt mit Modellen und Fundstücken das Leben der Menschen, die die Gräber errichteten, außerdem gibt es ein Café, einen Buchladen und WLAN. Hunde sind mit Ausnahme von Assistenzhunden nicht gestattet.

Tipp: Um Mitternacht buchen. Für Sommertermine sind die Plätze oft am ersten Tag weg. Wer an einem bestimmten Tag fahren möchte, sollte sich genau 30 Tage vorher kurz nach Mitternacht irischer Zeit einloggen.

Was passiert zur Wintersonnenwende in Newgrange?

An den Morgen um den 21. Dezember fällt das Licht der aufgehenden Sonne durch einen Lichtschlitz über dem Eingang, die sogenannte Dachbox, den Gang entlang bis auf den Boden der Kammer. Das Schauspiel dauert etwa 17 Minuten und zeigt, wie genau die Erbauer den Sonnenlauf kannten.

Als erster Mensch der Neuzeit beobachtete O’Kelly das Phänomen am 21. Dezember 1967. Da in der Kammer nur wenige Personen Platz haben, vergibt das OPW die Plätze für die Morgen der Sonnenwende per Lotterie. Jedes Jahr bewerben sich Zehntausende, ausgelost werden 60 Gewinnerinnen und Gewinner, die jeweils eine Begleitperson mitbringen dürfen. Die Bedingungen und Fristen der Verlosung veröffentlicht das OPW jedes Jahr neu. In den Tagen der Sonnenwende, etwa vom 19. bis 23. Dezember, öffnet das Besucherzentrum früher, reguläre Führungen entfallen dann.

Garantiert ist das Lichtereignis nicht: Bei der im irischen Dezember häufigen Bewölkung bleibt die Kammer dunkel. Wer nicht ausgelost wird, kann sich trotzdem vor dem Hügel unter die Menschen mischen, die sich an diesen Morgen versammeln. Außerhalb der Sonnenwende simulieren die Guides auf jeder Führung den Lichteinfall mit einer Lampe, sodass Sie die Wirkung auch im Sommer nachvollziehen können.

Was unterscheidet Knowth von Newgrange?

Knowth ist etwas kleiner im Durchmesser, besitzt aber zwei Gänge statt einem und ist von 17 kleineren Satellitengräbern umgeben. Vor allem birgt es einen außergewöhnlich großen Bestand an Megalithkunst: Bei den Ausgrabungen kamen über 200 verzierte Steine zum Vorschein.

Der Haupthügel misst etwa 67 Meter im Durchmesser und ist wie Newgrange rund zwölf Meter hoch. Seine beiden Gänge verlaufen von Osten und Westen in den Hügel und enden in getrennten Kammern. Anders als in Newgrange dürfen Besucher die Kammern nicht betreten, Sie können aber in den östlichen Gang hineinblicken und auf den Hügel steigen, von dem sich ein weiter Blick über das Boyne-Tal öffnet. Erforscht wurde Knowth ab 1962 vom Archäologen George Eogan vom University College Dublin, die Arbeiten zogen sich über Jahrzehnte hin.

Spannend ist die lange Nachnutzung. In der Eisenzeit und frühchristlichen Zeit wurde der Hügel zur befestigten Siedlung und später zum Königssitz der Region Nord-Brega. Die Normannen bauten ihn im 12. Jahrhundert zu einer Burgmotte aus, danach bewirtschafteten Zisterziensermönche aus der nahen Abtei Mellifont das Gelände als Gutshof. Wer Ganggräber in Ruhe erleben möchte, ist in Knowth oft besser aufgehoben, weil hier weniger Gruppen unterwegs sind. Beachten Sie, dass Knowth nur von März bis Anfang November auf dem Programm steht.

Kann man Dowth besichtigen?

Dowth gehört nicht zum Führungsprogramm des Besucherzentrums. Der dritte große Hügel der Anlage lässt sich nur von außen betrachten, seine Kammern sind nicht zugänglich.

Die Gräber von Dowth stammen ebenfalls aus der Zeit um 3200 v. Chr. Anders als seine Nachbarn wurde Dowth nie restauriert und wirkt deshalb ursprünglicher. Auf dem Gipfel klafft ein großer Krater, den eine missglückte Grabung der Royal Irish Academy im Jahr 1847 hinterließ und der nie aufgefüllt wurde. Die kleineren Kammern im Inneren sind dagegen weitgehend erhalten. Für Besucher, die das Thema vertiefen möchten, ist Dowth ein lohnender Abstecher auf eigene Faust, zumal man den Hügel meist ganz für sich hat. Fahren Sie dafür nach der Führung mit dem eigenen Wagen über die schmalen Landstraßen nördlich der Boyne.

Wie kommt man von Dublin nach Newgrange?

Am einfachsten mit dem Auto: Über die Autobahn M1 Richtung Norden erreichen Sie das Besucherzentrum in Donore in knapp einer Stunde. Folgen Sie unbedingt der Beschilderung zum Brú na Bóinne Visitor Centre, nicht dem Navigationsziel Newgrange.

Viele Navigationsgeräte lotsen auf die Straße direkt am Hügel, wo es keinen Einlass gibt. Am Besucherzentrum stehen Parkplätze für Autos, Busse und Fahrräder bereit. Ohne Auto ist die Anreise umständlicher: Züge und Busse fahren regelmäßig von Dublin nach Drogheda, von dort sind es noch rund zehn Kilometer, für die Sie ein Taxi oder einen der seltenen Regionalbusse brauchen. Ab Dublin bieten außerdem zahlreiche Veranstalter geführte Tagestouren an, die das Ticket für das Besucherzentrum schon enthalten und oft den Hill of Tara oder die Klosterstätte Monasterboice einschließen. Eine Auswahl finden Sie bei unseren Touren und Ausflügen ab Dublin. Wer flexibel bleiben möchte, mietet für einen Tag ein Auto; Tipps zu Linksverkehr und Versicherung stehen auf unserer Seite zum Mietwagen in Irland.

Tipp: Zeitpuffer einplanen. Die Führungen starten zu festen Uhrzeiten, der Shuttlebus fährt pünktlich ab. Kommen Sie mindestens 30 Minuten vor Ihrem Zeitfenster an, um Parkplatz, Ticketschalter und Weg zur Haltestelle in Ruhe zu schaffen.

Was gibt es rund um das Boyne-Tal zu sehen?

Das Boyne-Tal ist eine der geschichtsträchtigsten Landschaften Irlands. In der Nähe liegen das Schlachtfeld der Schlacht am Boyne von 1690, der Hügel von Slane, die Zisterzienserabtei Mellifont und die Hochkreuze von Monasterboice. Etwas weiter südlich erhebt sich der Hill of Tara.

Am Ufer bei Oldbridge, nur wenige Kilometer östlich, kämpften 1690 die Heere des protestantischen Wilhelm von Oranien und des katholischen Jakob II., eine Schlacht, die bis heute in der irischen Erinnerung nachwirkt. Mellifont wurde 1142 als erste Zisterzienserabtei Irlands gegründet, ihre Ruinen liegen idyllisch an einem Bach. Monasterboice ist für seine fein gemeißelten Hochkreuze bekannt. Der Hill of Tara galt als Sitz der Hochkönige von Irland und ist heute eine weite, stille Wiese mit Erdwällen und einem Steinpfeiler. Ausführlicher stellen wir diese und weitere Ziele der Grafschaft auf der Seite zum County Meath vor. Wer sich für frühchristliche Klöster interessiert, sollte auch einen Abstecher nach Clonmacnoise am Shannon einplanen.

Standort Newgrange

Häufige Fragen zu Newgrange und Brú na Bóinne

Kann man in Newgrange in die Grabkammer gehen?

Ja, die Newgrange-Führungen schließen den Gang und die Kammer ein. Der Gang ist allerdings niedrig und schmal, und es dürfen nur kleine Gruppen gleichzeitig hinein. Fotografieren ist innen nicht erlaubt.

Muss man Newgrange im Voraus buchen?

Ja, Vorabbuchung über die offizielle Seite von Heritage Ireland ist nötig, weil die Kontingente sehr klein sind. Nur für die Ausstellung im Besucherzentrum brauchen Sie keine Reservierung. Tickets von Drittanbietern werden nicht anerkannt.

Ist Newgrange älter als Stonehenge?

Ja. Newgrange wurde um 3100 v. Chr. errichtet und ist damit älter als die großen Steinkreise von Stonehenge und als die Pyramiden von Gizeh. Dowth und Knowth stammen aus derselben Epoche.

Wie kann man an der Lotterie zur Wintersonnenwende teilnehmen?

Das OPW verlost jedes Jahr die Plätze für die Morgen der Sonnenwende, 60 Gewinner dürfen je eine Begleitperson mitbringen. Die genauen Teilnahmebedingungen und Fristen veröffentlicht die Behörde jeweils im Laufe des Jahres. Ein Sonnenstrahl in der Kammer ist wegen des Wetters trotzdem nicht garantiert.

Kann man Newgrange ohne Auto besuchen?

Ja, aber mit Aufwand. Am bequemsten sind geführte Tagestouren ab Dublin. Alternativ fahren Sie mit Zug oder Bus nach Drogheda und nehmen von dort ein Taxi zum Besucherzentrum in Donore.

Das Boyne-Tal und seine Grafschaft

Newgrange ist der Höhepunkt einer Region voller Burgen, Klöster und Königssitze. Unsere Seite zum County Meath zeigt, was Sie dort sonst noch erwartet.

Weiter zum County Meath

Passend dazu: Die Klosterstadt Clonmacnoise am Shannon ergänzt den Ausflug in Irlands Frühgeschichte, und mittelalterliche Festungen stellen wir bei den Burgen und Schlössern in Irland vor. Buchung und aktuelle Zeiten bietet Heritage Ireland.