Atlantik

Der Wild Atlantic Way ist Irlands große Küstenroute am Atlantik: rund 2.500 Kilometer von der Halbinsel Inishowen in Donegal bis nach Kinsale in County Cork. Die 2014 eröffnete Strecke führt durch neun Counties, vorbei an Steilklippen, Buchten, Inseln und Fischerdörfern und ist durchgehend ausgeschildert.

Wer an die irische Atlantikküste denkt, hat oft Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch“ im Kopf, das vom einfachen Leben auf Achill Island in den 1950er-Jahren erzählt. Seit 2014 bündelt der Wild Atlantic Way diese Küste zu einer einzigen, gut markierten Reiseroute. Sie verbindet bekannte Höhepunkte wie die Cliffs of Moher mit stillen Halbinseln, auf denen kaum ein Reisebus unterwegs ist. Niemand muss die ganze Strecke am Stück fahren: Die meisten Reisenden wählen einen oder zwei Abschnitte und kommen später für den Rest wieder. Auf dieser Seite finden Sie Verlauf, Abschnitte, die wichtigsten Aussichtspunkte, Planungstipps und Etappenvorschläge.

Längeca. 2.500 km Küstenstraße; dazu eine Radroute von ca. 1.600 km in 13 Etappen
Verlaufvon der Halbinsel Inishowen (Donegal) bis Kinsale (Cork)
CountiesDonegal, Leitrim, Sligo, Mayo, Galway, Clare, Limerick, Kerry, Cork
Eröffnung2014, Initiative der Tourismusbehörde Fáilte Ireland
Aussichtspunkteüber 150 Discovery Points, darunter 15 Signature Discovery Points
AnreiseFlughäfen Shannon, Cork, Kerry und Knock sowie Donegal; alternativ über Dublin oder Belfast
Zeitbedarfein Abschnitt ab ca. 5–7 Tage, die ganze Route mindestens drei Wochen

Was ist der Wild Atlantic Way und wo verläuft er?

Der Wild Atlantic Way ist eine ausgeschilderte Ferienstraße entlang der gesamten Westküste der Republik Irland. Sie beginnt im Norden auf der Halbinsel Inishowen im County Donegal und endet im Süden in der Hafenstadt Kinsale im County Cork.

Offiziell eröffnet wurde die Route 2014 von der irischen Tourismusbehörde Fáilte Ireland. Neu gebaut wurde dafür kaum eine Straße: Die Route verbindet bestehende Küsten- und Landstraßen zu einer durchgehenden Strecke und macht mit eigener Beschilderung und dem markanten Wellenlogo sichtbar, wo es entlanggeht. Unterwegs liegen neun Counties in drei Provinzen, Hunderte Strände, rund 30 Inseln, unzählige Häfen und einige der eindrucksvollsten Steilküsten Europas.

Wichtig für die Planung: Der Wild Atlantic Way endet an der Grenze zu Nordirland. Wer im Norden weiterfahren möchte, kann von Inishowen aus nach Derry und an die Causeway-Küste reisen; dort gelten das Pfund Sterling und britische Verkehrsregeln mit Meilenangaben. Viele Abschnitte überschneiden sich mit klassischen Rundstrecken wie dem Ring of Kerry, der auf der Halbinsel Iveragh weitgehend Teil der Route ist.

Welche Abschnitte hat der Wild Atlantic Way?

Die Route wird üblicherweise in fünf Abschnitte gegliedert, von Nord nach Süd: Donegal, Donegal bis Mayo, Mayo bis Clare, Clare bis Kerry sowie Kerry bis Cork. Jeder Abschnitt hat einen eigenen Charakter.

  • Donegal: Raue Halbinseln, Leuchttürme und kaum Verkehr. Höhepunkte sind Malin Head als nördlichster Punkt der Insel, der Leuchtturm Fanad Head, der Glenveagh-Nationalpark und die gewaltigen Klippen von Slieve League (Sliabh Liag). Mehr zur Region erfahren Sie auf unserer Seite zum County Donegal.
  • Donegal bis Mayo: Über die Surfküste von Bundoran und das Land des Dichters W. B. Yeats rund um Sligo geht es nach Mullaghmore und an die kurze Küste von Leitrim. In Mayo folgen Downpatrick Head mit der Felsnadel Dún Briste und die Céide Fields, eines der ältesten bekannten Feldsysteme der Welt.
  • Mayo bis Clare: Achill Island, der Wallfahrtsberg Croagh Patrick bei Westport, der Fjord Killary Harbour, die Bergwelt von Connemara, die Stadt Galway und die Karstlandschaft des Burren liegen auf diesem abwechslungsreichsten Abschnitt.
  • Clare bis Kerry: Von den Cliffs of Moher über Loop Head an der Shannon-Mündung führt die Route mit der Autofähre Killimer–Tarbert über den Shannon nach Kerry und weiter auf die Halbinsel Dingle mit Slea Head und Blick auf die Blasket-Inseln.
  • Kerry bis Cork: Iveragh mit Skellig-Blick, die stille Halbinsel Beara mit der Seilbahn nach Dursey Island, Mizen Head als südwestlichster Punkt Irlands und schließlich die Gourmetstadt Kinsale mit dem Old Head of Kinsale.

Welche Signature Discovery Points sollte man kennen?

Entlang der Route hat Fáilte Ireland über 150 Aussichts- und Haltepunkte ausgewiesen, die Discovery Points. 15 davon gelten als besonders herausragend und tragen den Titel Signature Discovery Point. Sie eignen sich gut als Gerüst für die eigene Reiseplanung.

  • Malin Head (Donegal): nördlichster Punkt der Insel Irland mit alter Signalstation.
  • Fanad Head (Donegal): Leuchtturm zwischen Lough Swilly und Mulroy Bay.
  • Slieve League (Donegal): Klippen, die zu den höchsten Meeresklippen Europas zählen.
  • Mullaghmore Head (Sligo): Landzunge mit Blick auf den Tafelberg Benbulben, bekannt bei Big-Wave-Surfern.
  • Downpatrick Head (Mayo): Steilküste mit der frei stehenden Felsnadel Dún Briste.
  • Keem Strand (Mayo): geschützte Bucht am Westende von Achill Island.
  • Killary Harbour (Galway/Mayo): rund 16 Kilometer langer Fjord an der Grenze beider Counties.
  • Derrigimlagh (Galway): Moorlandschaft bei Clifden mit Marconi-Funkstation und Landeplatz von Alcock und Brown.
  • Cliffs of Moher (Clare): Irlands berühmteste Steilküste.
  • Loop Head (Clare): Leuchtturm an der Mündung des Shannon.
  • Blasket Islands View (Kerry): Blick vom Westende der Halbinsel Dingle auf die verlassenen Blasket-Inseln.
  • Skelligs View (Kerry): Aussicht auf die Klosterinsel Skellig Michael.
  • Dursey Island (Cork): erreichbar mit der einzigen Seilbahn Irlands, etwa zehn Minuten über den Sund.
  • Mizen Head (Cork): Signalstation über einer Schlucht, erreichbar über eine Brücke.
  • Old Head of Kinsale (Cork): Landzunge mit Leuchtturm am südlichen Ende der Route.
Tipp: Nicht nur die großen Namen. Die Signature Points sind im Sommer gut besucht. Die übrigen Discovery Points sind meist kleine Parkbuchten mit Infotafel und oft die schönsten Pausenplätze, weil dort kaum jemand hält.

Wie plant man eine Reise auf dem Wild Atlantic Way?

Planen Sie den Wild Atlantic Way am besten abschnittsweise: einen oder zwei Abschnitte pro Reise, mit dem Mietwagen und zwei bis drei Nächten je Standort. Wer versucht, zu viele Kilometer am Tag zu fahren, sieht auf den kurvigen Küstenstraßen mehr Asphalt als Landschaft.

Für die Anreise bieten sich die Flughäfen im Westen an: Shannon für Clare, Galway und Limerick, Kerry und Cork für den Süden, Ireland West Airport Knock für Mayo und Sligo sowie der kleine Flughafen Donegal. Viele Reisende fliegen günstiger nach Dublin und fahren in zweieinhalb bis vier Stunden quer über die Insel an die Westküste. Die Route lässt sich in beide Richtungen fahren; die Route ist in beide Richtungen ausgeschildert.

Ein eigenes Fahrzeug ist auf dem Wild Atlantic Way fast unverzichtbar, weil Busse viele Halbinseln nur selten oder gar nicht anfahren. In Irland gilt Linksverkehr, die Straßen sind oft schmal und von Steinmauern gesäumt, und auf Nebenstrecken teilen Sie die Fahrbahn mit Schafen und Traktoren. Hinweise zu Buchung, Versicherung und Fahrzeugwahl finden Sie auf unserer Seite zum Mietwagen in Irland. Mit dem Wohnmobil ist die Route möglich, einige Pässe und Inselstraßen sind dafür jedoch zu eng.

Unterkünfte sind im Juli und August knapp, besonders in Dingle, Doolin, Westport und Clifden. Buchen Sie für diese Monate mehrere Wochen im Voraus. Außerhalb der Hochsaison finden Sie in Bed and Breakfasts, Gasthäusern und Ferienhäusern meist kurzfristig ein Zimmer. Für Inselbesuche lohnt ein Blick auf die Fährzeiten, da viele Verbindungen im Winter seltener fahren.

Welche Etappen eignen sich für ein oder zwei Wochen?

Für eine Woche empfiehlt sich entweder der Südwesten zwischen Shannon und Kinsale oder der Westen zwischen Galway und Donegal. Mit zwei Wochen lassen sich zwei Abschnitte verbinden, für die gesamte Route sollten Sie drei Wochen oder mehr einplanen.

Eine Woche Südwesten (Ankunft Shannon, Abflug Cork):

  • Tag 1–2: Cliffs of Moher, Doolin und der Burren, Übernachtung in Doolin oder Lahinch.
  • Tag 3: Loop Head, Fähre Killimer–Tarbert, weiter nach Dingle.
  • Tag 4: Rundfahrt Slea Head auf der Halbinsel Dingle.
  • Tag 5: Ring of Kerry mit Skellig Ring, Übernachtung in Kenmare.
  • Tag 6: Halbinsel Beara mit Dursey Island.
  • Tag 7: Mizen Head und Fahrt über die West-Cork-Küste nach Kinsale.

Eine Woche Westen und Nordwesten (Ankunft Shannon oder Knock):

  • Tag 1: Galway mit Altstadt und Hafen.
  • Tag 2–3: Connemara mit Clifden, Sky Road, Kylemore Abbey und Killary Harbour.
  • Tag 4: Westport und Croagh Patrick, Weiterfahrt nach Achill Island.
  • Tag 5: Downpatrick Head und Céide Fields, Übernachtung in Sligo.
  • Tag 6: Mullaghmore und Slieve League.
  • Tag 7: Glenveagh-Nationalpark und Malin Head auf Inishowen.

Radfahrer orientieren sich an der offiziellen Radroute von Malin Head bis zum Old Head of Kinsale, die rund 1.600 Kilometer in 13 Tagesetappen zwischen etwa 80 und 160 Kilometern aufteilt. Weitere fertig geplante Touren durch Irland finden Sie bei unseren Rundreisen.

Was erwartet Reisende auf Achill Island und im Norden?

Achill Island ist die größte Insel vor der irischen Küste und über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Weiter nördlich, in Mayo und Donegal, wird die Küste einsamer, und die Route zeigt ihre ruhigste Seite.

Heinrich Böll verbrachte ab Mitte der 1950er-Jahre viele Sommer auf Achill, sein „Irisches Tagebuch“ machte die Insel im deutschsprachigen Raum bekannt. Sein Cottage in Dugort dient heute als Rückzugsort für Künstler. Auf der Insel locken die Strände von Keel und Keem, das verlassene Dorf am Slievemore und die Klippen am Croaghaun. Unterkünfte gibt es in Keel, Dooagh und Achill Sound, im Sommer sollten Sie vorab buchen.

Gegenüber, bei Westport, erhebt sich der Croagh Patrick, Irlands heiliger Berg. Am letzten Sonntag im Juli, dem Reek Sunday, steigen Tausende Pilger auf den Gipfel, manche traditionell barfuß. Noch ruhiger wird es auf der Halbinsel Belmullet und an der Nordküste von Mayo. In Donegal folgen die Klippen von Slieve League bei Killybegs, die Bergstraßen im Glenveagh-Nationalpark und schließlich Inishowen, die größte Halbinsel der Insel, mit einsamen Stränden und dem Malin Head ganz im Norden.

Tipp: Slieve League zu Fuß erkunden. Planen Sie neben dem Aussichtspunkt Zeit für einen Spaziergang entlang der Klippen ein. Erst zu Fuß wird die Höhe der Felswände über dem Meer richtig spürbar, bei Wind und Nebel bleiben Sie aber auf den Wegen.

Wann ist die beste Reisezeit für den Wild Atlantic Way?

Die besten Monate sind Mai, Juni und September: lange Tage, blühende Landschaft und weniger Andrang als in den Sommerferien. Juli und August sind am wärmsten, aber auch am vollsten.

Im Frühsommer brüten die Seevögel an den Klippen, und im Juni wird es im Norden erst spät dunkel. Der September bringt oft stabiles Wetter, wärmeres Meerwasser und freie Unterkünfte. Herbst und Winter haben ihren eigenen Reiz: tosende Brandung, leere Strände und dramatisches Licht. Dann sind allerdings viele Bootstouren, Inselfähren und manche Cafés eingeschränkt oder geschlossen, und Stürme können Küstenstraßen zeitweise unpassierbar machen. Surfer schätzen gerade diese Jahreszeit, wenn der Atlantik die größten Wellen bringt, etwa in Bundoran, Mullaghmore oder Lahinch. Regen gehört an der Westküste zu jeder Jahreszeit dazu, wetterfeste Kleidung ist Pflicht.

Häufige Fragen zum Wild Atlantic Way

Wie lang ist der Wild Atlantic Way?

Die Küstenroute ist rund 2.500 Kilometer lang und reicht von Inishowen in Donegal bis Kinsale in Cork. Mit Abstechern auf Halbinseln und Inseln fahren die meisten Reisenden deutlich mehr Kilometer. Die offizielle Radroute ist mit rund 1.600 Kilometern kürzer.

Wie viele Tage braucht man für den Wild Atlantic Way?

Für die gesamte Strecke sollten Sie mindestens drei Wochen einplanen, besser vier. Ein einzelner Abschnitt wie der Südwesten oder Connemara mit Mayo lässt sich in fünf bis sieben Tagen entspannt erleben.

Kann man den Wild Atlantic Way ohne Auto bereisen?

Teilweise. Städte wie Galway, Westport, Sligo, Killarney und Cork sind gut mit Bus und Bahn erreichbar, und von dort fahren Tagestouren zu den Höhepunkten. Für abgelegene Halbinseln wie Beara, Belmullet oder Inishowen ist ein Auto oder Fahrrad jedoch kaum zu ersetzen.

In welche Richtung fährt man den Wild Atlantic Way?

Beide Richtungen sind möglich und ausgeschildert. Die offizielle Radroute beginnt im Norden am Malin Head und endet am Old Head of Kinsale. Entscheidend ist meist, an welchem Flughafen Sie ankommen und abfliegen.

Gehört Nordirland zum Wild Atlantic Way?

Nein, die Route liegt vollständig in der Republik Irland. Von Inishowen aus ist es aber nicht weit nach Derry und zur Causeway-Küste in Nordirland, die sich gut als Verlängerung anbieten.

Der Westen Irlands im Detail

Einige der schönsten Abschnitte der Route stellen wir auf eigenen Seiten ausführlich vor, darunter die Bergwelt von Connemara.

Weiter zu Connemara

Passend dazu: Die Region um Westport und Achill stellen wir beim County Mayo vor, den Südwesten auf der Seite zum County Kerry. Eine Karte und offizielle Informationen zur Route finden Sie bei Discover Ireland.