Sprache

In Irland gibt es zwei Amtssprachen: Irisch (Gaeilge) als Nationalsprache und Englisch als Alltagssprache der großen Mehrheit. Irisch lebt vor allem in den Gaeltacht-Regionen an der Westküste, auf zweisprachigen Schildern, in der Schule und im Sender TG4. Im Norden kommt Ulster Scots hinzu, gesprochen wird überall ein eigenes irisches Englisch.

Wer nach Irland reist, kommt mit Englisch problemlos durch, wird aber schnell merken, dass die Insel sprachlich mehr zu bieten hat. Ortsnamen wie Dún Laoghaire oder Baile Átha Cliath, Busse mit der Anzeige „An Lár“ und Toilettentüren mit „Fir“ und „Mná“ machen neugierig. Dahinter steht eine der ältesten Schriftsprachen Europas, die seit dem 19. Jahrhundert stark zurückgedrängt wurde und heute mit viel staatlicher Förderung bewahrt wird. Auf dieser Seite erfahren Sie, wo Irisch noch Alltagssprache ist, was das irische Englisch ausmacht und wie Sie Ortsnamen richtig aussprechen. Die wichtigsten Wörter und Redewendungen für unterwegs haben wir in unserem Reisewörterbuch Englisch und Irisch zusammengestellt.

AmtssprachenIrisch (erste Amtssprache laut Verfassung) und Englisch; in Nordirland Englisch, Irisch seit 2022 gesetzlich anerkannt
SprachfamilieIrisch ist eine keltische, genauer goidelische Sprache, eng verwandt mit Schottisch-Gälisch und Manx
Sprecherrund 1,87 Millionen Menschen geben an, Irisch zu sprechen; ca. 72.000 nutzen es täglich außerhalb der Schule (Zensus 2022)
Gaeltachtirischsprachige Gebiete in Donegal, Mayo, Galway, Kerry, Cork, Waterford und Meath
Dialektedrei Hauptdialekte: Ulster, Connacht und Munster; Schriftstandard „An Caighdeán Oifigiúil“ seit den 1950er-Jahren
MedienFernsehsender TG4 (seit 1996), Radiosender Raidió na Gaeltachta (seit 1972)
EU-StatusAmtssprache der EU seit 2007, volle Gleichstellung seit 1. Januar 2022

Welche Sprachen spricht man in Irland?

Die Umgangssprache fast aller Menschen in Irland ist Englisch, rechtlich steht aber das Irische an erster Stelle. Die irische Verfassung bezeichnet Irisch als Nationalsprache und erste Amtssprache, Englisch gilt als zweite Amtssprache. In Nordirland, das zum Vereinigten Königreich gehört, ist Englisch die Hauptsprache; Irisch und Ulster Scots sind dort als Minderheitensprachen anerkannt.

Irisch, auf Irisch Gaeilge, gehört zum goidelischen Zweig der keltischen Sprachen. Seine engsten Verwandten sind das Schottisch-Gälische und das Manx der Isle of Man. Mit dem Englischen hat es weder im Wortschatz noch im Satzbau viel gemeinsam: Das Verb steht am Satzanfang, es gibt kein eigenes Wort für „ja“ und „nein“, und Anfangslaute verändern sich je nach grammatischer Umgebung. Aus „bean“ (Frau) wird etwa „an bhean“ (die Frau), gesprochen ungefähr „an wan“. Diese Lautveränderungen erklären, warum geschriebenes Irisch auf den ersten Blick so rätselhaft wirkt.

Seit 2007 ist Irisch zudem eine Amtssprache der Europäischen Union. Zunächst galt eine Übergangsregelung, nach der nur ein Teil der EU-Rechtsakte übersetzt werden musste. Seit dem 1. Januar 2022 ist Irisch in Brüssel und Straßburg den anderen Amtssprachen voll gleichgestellt.

Wie verbreitet ist Irisch heute?

Viele Menschen in Irland können etwas Irisch, aber nur eine kleine Minderheit spricht es im Alltag. Beim Zensus 2022 gaben rund 1,87 Millionen Einwohner ab drei Jahren an, Irisch zu sprechen, das sind etwa 40 Prozent der Befragten. Täglich außerhalb von Schule und Unterricht nutzen es aber nur knapp 72.000 Menschen, davon gut 20.000 in der Gaeltacht.

Der Hauptgrund für die hohe Zahl der Grundkenntnisse ist die Schule: Irisch ist an allen öffentlich finanzierten Schulen der Republik Pflichtfach, von der Grundschule bis zum Abschluss, Befreiungen gibt es nur in begründeten Fällen. Daneben wächst seit Jahrzehnten das Netz der Gaelscoileanna, Schulen, in denen alle Fächer auf Irisch unterrichtet werden. Sie sind auch in Dublin, Cork oder Belfast beliebt, wo Irisch im Alltag kaum zu hören ist. Viele Jugendliche verbringen außerdem einige Sommerwochen in einem Gaeltacht-Sprachkurs, wohnen dort bei Gastfamilien und lernen die Sprache im Gebrauch.

Sichtbar ist Irisch für Reisende vor allem im öffentlichen Raum. Straßenschilder in der Republik sind zweisprachig: Der irische Name steht in kursiver Schrift, der englische in Großbuchstaben darunter. Behörden, Polizei (Garda Síochána), Parlament (Oireachtas) und Regierungschef (Taoiseach) tragen irische Namen. Das Gesetz über die Amtssprachen von 2003 verpflichtet öffentliche Stellen, Dienstleistungen auch auf Irisch anzubieten; ein Sprachbeauftragter, An Coimisinéir Teanga, überwacht das.

Eine wichtige Rolle spielen die Medien. Der Fernsehsender TG4 ging am 31. Oktober 1996 als Teilifís na Gaeilge auf Sendung und hat seinen Sitz in Baile na hAbhann in der Connemara-Gaeltacht. Viele Sendungen sind englisch untertitelt, sodass auch Zuschauer ohne Irischkenntnisse folgen können. Bekannt ist der Sender für Sport, Musiksendungen und Serien. Schon seit 1972 sendet Raidió na Gaeltachta landesweit Radio auf Irisch.

Tipp: TG4 im Hotelzimmer einschalten. Eine Musiksendung oder ein Spiel im Gaelic Football auf TG4 ist die einfachste Art, Irisch zu hören. Dank der englischen Untertitel verstehen Sie trotzdem, worum es geht.

Wo liegt die Gaeltacht und wie erlebt man sie?

Die Gaeltacht umfasst die Gebiete, in denen Irisch noch Gemeinschaftssprache ist. Sie liegt überwiegend an der Westküste, in den Countys Donegal, Mayo, Galway und Kerry, dazu kommen kleinere Gebiete in Cork, Waterford und Meath. Für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Sprachplanung in diesen Regionen ist die staatliche Agentur Údarás na Gaeltachta zuständig.

Die größte Gaeltacht liegt in Connemara westlich von Galway, wo Orte wie An Spidéal und An Cheathrú Rua schon auf den Ortsschildern nur noch irisch heißen. Auch die Aran Islands gehören dazu. In Donegal sind Gweedore (Gaoth Dobhair) und die Halbinsel um Gleann Cholm Cille bekannte Sprachgebiete, in Kerry die Halbinsel Dingle mit dem Ort An Daingean. Eine Besonderheit ist die Gaeltacht in Meath bei Ráth Chairn: Sie entstand erst in den 1930er-Jahren, als der Staat Familien aus Connemara dort ansiedelte.

In der Gaeltacht haben englische Ortsnamen keine amtliche Geltung, auf Wegweisern steht dann nur die irische Form. Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte sich die irischen Namen des Ziels vorher notieren. Im Alltag sprechen die Menschen untereinander oft Irisch, wechseln mit Gästen aber selbstverständlich ins Englische. Ein „Dia duit“ zur Begrüßung oder ein „Go raibh maith agat“ zum Dank wird überall freundlich aufgenommen.

Die Gaeltacht ist auch kulturell spannend. Viele traditionelle Musiker, Sänger im alten Stil „sean-nós“ und Erzähler stammen aus diesen Regionen, und in den Pubs finden regelmäßig Sessions statt. Sprachkurse für Erwachsene, von einem Wochenende bis zu mehreren Wochen, bieten unter anderem Kulturzentren in Donegal, Connemara und auf Dingle an.

Warum ging das Irische fast verloren?

Bis ins 18. Jahrhundert sprach die Mehrheit der Bevölkerung Irisch, erst Kolonialisierung, Hungersnot und Auswanderung machten Englisch zur Mehrheitssprache. Irisch ist seit mindestens dem 4. Jahrhundert belegt, zunächst in der Ogham-Schrift auf Steinen, später in Klosterhandschriften. Die altirische Literatur gehört zu den ältesten volkssprachlichen Literaturen Europas.

Mit der englischen Herrschaft wurde Englisch zur Sprache von Verwaltung, Gericht, Handel und sozialem Aufstieg. Im 19. Jahrhundert beschleunigte sich der Wandel dramatisch. Die Große Hungersnot ab 1845 traf gerade die ärmsten, irischsprachigen Regionen im Westen am härtesten; rund eine Million Menschen starben, viele weitere wanderten aus, vor allem nach Amerika. Die neuen Nationalschulen ab 1831 unterrichteten ausschließlich auf Englisch, und viele Eltern sahen in der englischen Sprache die einzige Chance für ihre Kinder.

Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Gegenbewegung ein. Die 1893 gegründete Gaelic League (Conradh na Gaeilge) wollte Sprache, Musik und Sport wiederbeleben und prägte eine ganze Generation späterer Unabhängigkeitskämpfer. Nach der Staatsgründung wurde Irisch Pflichtfach und Amtssprache. Das Ziel, die Insel wieder irischsprachig zu machen, wurde nicht erreicht, aber der völlige Verlust der Sprache konnte verhindert werden. Mehr über diese Epochen lesen Sie auf unserer Seite zur Geschichte Irlands.

Was ist am irischen Englisch anders?

Das Englisch in Irland, auch Hiberno-English genannt, klingt melodischer als britisches Englisch und hat viele Wörter und Satzmuster aus dem Irischen übernommen. Wer Schulenglisch spricht, versteht nach kurzer Eingewöhnung fast alles, stolpert aber anfangs über einige typische Wendungen.

Besonders auffällig ist die Grammatik. Weil das Irische kein Wort für „ja“ und „nein“ hat, antworten viele Iren mit dem wiederholten Verb: Auf „Are you coming?“ folgt „I am“ statt „yes“. Die sogenannte „after“-Form beschreibt etwas gerade Geschehenes: „I’m after eating“ heißt „Ich habe gerade gegessen“. Für die Mehrzahl von „you“ sagt man „ye“, in Dublin auch „yous“. Am Satzende verstärkt ein „so I am“ oder ein „sure“ die Aussage.

Dazu kommt ein eigener Wortschatz. „Craic“ steht für Spaß und gute Unterhaltung, „grand“ heißt schlicht „in Ordnung“, ein „yoke“ ist irgendein Ding, „giving out“ bedeutet schimpfen, und der Küchenschrank heißt „press“. Ein „eejit“ ist ein Dummkopf, meist liebevoll gemeint. Aufpassen sollten Sie bei Uhrzeiten: „half seven“ bedeutet halb acht (also 7:30 Uhr), nicht halb sieben. Die Aussprache unterscheidet sich je nach Region stark, vom weichen Singsang in Cork bis zum schnellen Dubliner Stadtakzent.

Tipp: „Grand“ ist nicht immer großartig. Wenn ein Ire sagt, das Essen sei „grand“, meint er „passt schon“, nicht „hervorragend“. Ein ehrliches Lob klingt eher wie „deadly“ oder „brilliant“.

Was ist Ulster Scots?

Ulster Scots ist eine Form des Schottischen, die schottische Siedler im 17. Jahrhundert nach Nordirland brachten. Sie wird bis heute vor allem in Teilen von Antrim, Down und Londonderry sowie im Osten von Donegal gesprochen.

Mit der Plantation of Ulster ab 1610 kamen zehntausende Siedler aus dem schottischen Tiefland in den Norden Irlands, ihren Höhepunkt erreichte die Zuwanderung in den 1690er-Jahren. Ihre Sprache, von Sprechern „the hamely tongue“ genannt, hielt sich in ländlichen Gegenden im mittleren und östlichen Antrim, im Norden von Down, an der Küste der Mourne Mountains und im Laggan-Gebiet von Donegal. Beim nordirischen Zensus 2021 gaben rund 21.000 Menschen an, Ulster Scots zu sprechen, zu lesen und zu verstehen; etwa 190.000 hatten gewisse Kenntnisse. Ob es eine eigene Sprache oder ein Dialekt ist, wird unter Fachleuten diskutiert.

Gefördert wird Ulster Scots durch die grenzüberschreitende Ulster-Scots Agency, die nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 entstand. Auch das Irische ist in Nordirland seit einem Gesetz vom Dezember 2022 offiziell anerkannt. Zweisprachige Straßenschilder gibt es dort aber nur dort, wo die Gemeinderäte es beschließen, weshalb Irisch im Stadtbild von Belfast oder Derry je nach Viertel sehr unterschiedlich präsent ist.

Wie spricht man irische Ortsnamen aus?

Die meisten Ortsnamen sind englische Umschriften irischer Namen und werden ungefähr so gesprochen, wie sie geschrieben sind. Einige Klassiker weichen aber deutlich ab, und bei irischen Schreibweisen helfen ein paar Grundregeln.

Zu den bekanntesten Stolpersteinen gehören Dún Laoghaire bei Dublin, gesprochen etwa „Dan Liri“, die Hafenstadt Cobh, gesprochen „Kouw“, und Youghal in Cork, gesprochen etwa „Jaal“. Bei irischen Wörtern gilt: „bh“ und „mh“ klingen oft wie „w“ oder „v“, „dh“ und „gh“ sind häufig fast stumm, „s“ vor e oder i wird wie „sch“ gesprochen. Daher klingt „Sláinte“ wie „Slaantsche“, der Vorname Siobhán wie „Schiwohn“ und Niamh wie „Niev“. Der Akzent auf einem Vokal, das „fada“, macht ihn lang: „Slán“ spricht man „Slaan“.

Viele Namen verraten außerdem ihre Bedeutung. „Bally“ kommt von „baile“ (Siedlung), „Kil“ von „cill“ (Kirche), „Inis“ oder „Ennis“ bedeutet Insel, „Dun“ eine Festung und „Lough“ einen See. Die irischen Namen sind in der staatlichen Ortsnamendatenbank logainm.ie verzeichnet, oft mit Tonaufnahmen. Eine ausführliche Liste der Bausteine finden Sie im Reisewörterbuch.

Wer die Sprache vertiefen möchte, kann Englisch und ein wenig Irisch bei einer Sprachreise nach Irland verbinden. Viele Schulen in Galway und Dublin bieten Ausflüge in die Gaeltacht oder kurze Einführungen ins Irische an.

Häufige Fragen zu den Sprachen in Irland

Muss man in Irland Irisch können?

Nein. Alle Menschen in Irland sprechen Englisch, auch in der Gaeltacht. Irische Grundbegriffe wie Fir und Mná auf Toilettentüren oder An Lár auf Bussen sind aber hilfreich und werden gern gehört.

Ist Gälisch dasselbe wie Irisch?

Im deutschen Sprachgebrauch wird Irisch oft „Gälisch“ genannt. Genau genommen ist Gälisch der Oberbegriff für Irisch, Schottisch-Gälisch und Manx. In Irland selbst sagt man auf Englisch meist „Irish“ und auf Irisch „Gaeilge“.

Wo hört man in Irland am ehesten Irisch?

Am häufigsten in den Gaeltacht-Gebieten Connemara, auf den Aran Islands, in Gweedore in Donegal und auf der Halbinsel Dingle. In den Städten begegnen Sie dem Irischen vor allem auf Schildern, im Radio und im Fernsehen auf TG4.

Spricht man in Nordirland auch Irisch?

Ja, aber nur eine Minderheit. Irisch ist dort seit 2022 gesetzlich anerkannt, besonders in Teilen von Belfast und im Westen gibt es irischsprachige Schulen und Kulturzentren. Daneben wird in Antrim und Down Ulster Scots gepflegt.

Ist das irische Englisch schwer zu verstehen?

Am Anfang manchmal, vor allem in ländlichen Regionen und bei schnellem Sprechen im Pub. Nach wenigen Tagen haben sich die meisten Reisenden eingehört. Fragen Sie ruhig nach, Iren reagieren darauf in aller Regel geduldig und mit Humor.

Die wichtigsten Wörter für unterwegs

Begrüßung, Bestellung im Pub, Schilder und Ortsnamen: In unserem Reisewörterbuch finden Sie die nützlichsten Ausdrücke mit Aussprachehilfe.

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