Land und Leute
Irland ist eine Insel mit zwei Staaten: Die Republik Irland mit knapp 5,5 Millionen Einwohnern ist eine parlamentarische Demokratie und seit 1973 Mitglied der EU, Nordirland mit etwa 1,9 Millionen Menschen gehört zum Vereinigten Königreich. Diese Seite fasst Bevölkerung, Staat, Religion, Wirtschaft und Mentalität kompakt zusammen.
„Ein Fremder ist nur ein Freund, den man noch nicht kennt“, sagt ein irisches Sprichwort, und viele Besucher erleben genau das. Hinter der sprichwörtlichen Gastfreundschaft steht ein Land, das sich in wenigen Jahrzehnten stark verändert hat: vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland, von der katholisch geprägten Agrarnation zum Standort internationaler Technologie- und Pharmakonzerne. Wer verstehen möchte, wie es dazu kam, beginnt am besten mit der Geschichte Irlands. Hier finden Sie die wichtigsten aktuellen Zahlen und Zusammenhänge sowie am Ende alle vertiefenden Seiten zu Land und Leuten.
| Fläche der Insel | rund 84.400 km², davon etwa fünf Sechstel Republik Irland, ein Sechstel Nordirland |
|---|---|
| Einwohner Republik | 5.149.139 (Census 2022), geschätzt ca. 5,46 Millionen im April 2025 |
| Einwohner Nordirland | rund 1,9 Millionen |
| Hauptstadt | Dublin; County Dublin mit knapp 1,46 Millionen Einwohnern (2022) |
| Staatsform | parlamentarische Republik, Verfassung von 1937; Nordirland: Landesteil des Vereinigten Königreichs |
| Amtssprachen | Irisch und Englisch |
| Währung | Euro in der Republik, Pfund Sterling in Nordirland |
Fragen, die wir beantworten
- Wie viele Menschen leben in Irland und woher kommen sie?
- Wie ist der irische Staat aufgebaut?
- Was unterscheidet Nordirland von der Republik Irland?
- Welche Rolle spielt Religion in Irland heute?
- Wovon lebt die irische Wirtschaft?
- Wie sind die Iren und was prägt ihre Mentalität?
- Welche Seiten zu Land und Leuten lohnen sich?
Wie viele Menschen leben in Irland und woher kommen sie?
Bei der Volkszählung im April 2022 zählte das Statistikamt CSO 5.149.139 Einwohner in der Republik Irland, erstmals seit 171 Jahren mehr als fünf Millionen. Nach der Schätzung für April 2025 sind es inzwischen rund 5,46 Millionen; zusammen mit Nordirland leben damit gut sieben Millionen Menschen auf der Insel.
Diese Zahlen sind bemerkenswert, denn Irland ist das einzige Land Europas, das heute weniger Menschen zählt als Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet der heutigen Republik lebten 1841 rund 6,5 Millionen Menschen. Die Große Hungersnot ab 1845 und die folgende Auswanderung ließen die Zahl dramatisch sinken, und noch 1961 lag sie bei nur etwa 2,8 Millionen. Millionen Iren und ihre Nachkommen leben heute in den USA, in Großbritannien, Kanada und Australien.
Seit den 1990er-Jahren wächst die Bevölkerung wieder, zunächst durch Rückkehrer, dann durch Zuwanderung aus der EU und der ganzen Welt. 2022 besaßen 631.785 Einwohner, rund zwölf Prozent, keine irische Staatsbürgerschaft; die größten Gruppen stammen aus Polen und dem Vereinigten Königreich. Zwischen April 2024 und April 2025 zogen nach Schätzung des CSO 125.300 Menschen nach Irland, 65.600 verließen das Land. Das Durchschnittsalter stieg bis 2022 auf 38,8 Jahre, Irland bleibt damit eine der jüngsten Gesellschaften der EU. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt im Großraum Dublin und in den Städten Cork, Limerick, Galway und Waterford, während weite Teile des Westens dünn besiedelt sind.
Wie ist der irische Staat aufgebaut?
Die Republik Irland ist eine parlamentarische Demokratie. Das Parlament, das Oireachtas, besteht aus dem Präsidenten und zwei Kammern: dem direkt gewählten Unterhaus Dáil Éireann und dem Senat Seanad Éireann. Regierungschef ist der Taoiseach.
Grundlage ist die Verfassung von 1937, die Bunreacht na hÉireann. Seit 1949 ist Irland formell eine Republik und gehört nicht mehr dem Commonwealth an. Der Dáil hat seit der Wahl vom 29. November 2024 174 Abgeordnete, die Teachtaí Dála, die in 43 Wahlkreisen mit je drei bis fünf Sitzen nach dem Verfahren der übertragbaren Einzelstimme gewählt werden. Wähler nummerieren dabei die Kandidaten nach ihrer Präferenz, was unabhängigen Kandidaten ohne Partei immer wieder gute Chancen verschafft. Die Legislaturperiode dauert höchstens fünf Jahre. Der Senat mit 60 Mitgliedern kann Gesetze verzögern, aber nicht verhindern. Beide Kammern tagen seit 1922 im Leinster House in Dublin.
Seit dem 23. Januar 2025 ist Micheál Martin von Fianna Fáil Taoiseach, er führt eine Koalition mit Fine Gael, gestützt von unabhängigen Abgeordneten. Die beiden großen Parteien gehen auf die Gegner und Befürworter des Vertrags von 1921 zurück; stärkste Oppositionspartei ist Sinn Féin. Staatsoberhaupt ist die Präsidentin, die direkt vom Volk für sieben Jahre gewählt wird und höchstens einmal wiedergewählt werden kann. Seit dem 11. November 2025 hat Catherine Connolly das Amt inne. Die Präsidentin hat vor allem repräsentative Aufgaben, kann aber Gesetze vom Obersten Gerichtshof auf ihre Verfassungsmäßigkeit prüfen lassen. Ihr Amtssitz ist Áras an Uachtaráin im Phoenix Park.
Eine Besonderheit ist die Rolle der Bürger: Jede Verfassungsänderung erfordert ein Referendum. So wurde 2015 die gleichgeschlechtliche Ehe per Volksabstimmung eingeführt, 2018 das strenge Abtreibungsverbot aufgehoben. Irland trat 1973 der heutigen EU bei, zahlt seit 2002 mit dem Euro und ist militärisch neutral. Dem Schengen-Raum gehört das Land nicht an, stattdessen bildet es mit dem Vereinigten Königreich die Common Travel Area. Für die Einreise aus Deutschland genügt der Personalausweis; aktuelle Hinweise gibt das Auswärtige Amt.
Was unterscheidet Nordirland von der Republik Irland?
Nordirland gehört seit der Teilung der Insel 1921 zum Vereinigten Königreich. Dort zahlen Sie mit Pfund Sterling, es gelten britische Gesetze, Verkehrsschilder zeigen Meilen, und Hauptstadt ist Belfast.
Die sechs nordöstlichen Counties der Provinz Ulster blieben nach dem Unabhängigkeitskrieg bei Großbritannien. Der Konflikt zwischen überwiegend protestantischen Unionisten und überwiegend katholischen Nationalisten eskalierte ab Ende der 1960er-Jahre in den Troubles, in deren Verlauf mehr als 3.500 Menschen ums Leben kamen. Das Karfreitagsabkommen von 1998 beendete die Gewalt weitgehend und schuf eine Regionalregierung, in der beide Lager die Macht teilen; das Regionalparlament tagt in Stormont bei Belfast. Die Landgrenze zur Republik ist offen und ohne Kontrollen, auch nach dem Brexit. Für die formelle Einreise ins Vereinigte Königreich verlangt Großbritannien von Deutschen jedoch einen Reisepass und seit 2025 eine elektronische Reisegenehmigung (ETA). Viele Sehenswürdigkeiten im Norden, vom Giant’s Causeway bis zu den Mourne Mountains, stellen wir auf unserer Seite zu Nordirland vor.
Welche Rolle spielt Religion in Irland heute?
Die Mehrheit der Iren ist weiterhin katholisch, doch die Kirche hat stark an Einfluss verloren. Beim Census 2022 bezeichneten sich 69 Prozent als römisch-katholisch, sechs Jahre zuvor waren es noch 79 Prozent; 14 Prozent gaben an, keiner Religion anzugehören.
Die Zahl der Menschen ohne Religion stieg zwischen 2016 und 2022 um 63 Prozent auf 736.210. Besonders deutlich ist der Wandel bei Jüngeren: In der Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren war nur noch gut die Hälfte katholisch, mehr als ein Viertel ohne Bekenntnis. Zweitgrößte Konfession ist die anglikanische Church of Ireland mit rund 125.000 Mitgliedern oder zwei Prozent. Durch Zuwanderung wachsen auch orthodoxe, muslimische und hinduistische Gemeinden. Missbrauchsskandale und die gesellschaftliche Liberalisierung haben die Bindung an die Kirche geschwächt. Die frühere Sonderstellung der katholischen Kirche wurde bereits 1973 aus der Verfassung gestrichen. Dennoch prägt sie den Alltag weiter, etwa weil ein Großteil der Grundschulen kirchlicher Trägerschaft untersteht und Taufe, Erstkommunion und Beerdigungen große Familienfeste bleiben.
Historisch reicht die christliche Tradition bis in das 5. Jahrhundert zurück, als der heilige Patrick die Insel missionierte; sein Gedenktag am 17. März ist Nationalfeiertag. Irische Klöster wie Glendalough und Clonmacnoise waren im Frühmittelalter Zentren der Gelehrsamkeit, von denen Mönche bis aufs europäische Festland zogen. Auch Halloween geht auf das keltische Fest Samhain zurück und kam mit Auswanderern nach Amerika. In Nordirland hatten beim Census 2021 erstmals mehr Menschen einen katholischen als einen protestantischen Hintergrund.
Wovon lebt die irische Wirtschaft?
Tragende Säulen sind internationale Konzerne aus Technologie und Pharma, die von Irland aus den europäischen Markt bedienen. Daneben spielen Landwirtschaft und Lebensmittel, Tourismus und Finanzdienstleistungen eine wichtige Rolle, vor allem für die Regionen.
Noch in den 1980er-Jahren galt Irland als Armenhaus Westeuropas. Mit EU-Fördergeldern, gut ausgebildeten jungen Arbeitskräften und niedrigen Unternehmenssteuern gelang in den Jahren des Celtic Tiger ab Mitte der 1990er-Jahre ein rasanter Aufstieg mit Wachstumsraten um zehn Prozent. Auf die Immobilienblase folgte 2008 ein tiefer Absturz, 2010 musste Irland unter den Rettungsschirm von EU und IWF, den es Ende 2013 wieder verließ. Seither hat sich die Wirtschaft kräftig erholt, die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa vier bis fünf Prozent, und der Staat erzielt Haushaltsüberschüsse.
Viele große Technologiekonzerne haben ihre Europazentralen in den Dubliner Docklands, Apple betreibt seit Jahrzehnten einen Standort in Cork, Intel ein Werk in Leixlip. Chemie- und Pharmaprodukte machten 2022 fast zwei Drittel der Warenexporte aus. Der Steuersatz für Unternehmen liegt bei 12,5 Prozent, für große internationale Konzerne gilt seit 2024 die globale Mindeststeuer von 15 Prozent. Wie umstritten das Modell ist, zeigte das Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2024, wonach Apple rund 13 Milliarden Euro an Steuern nachzahlen musste. Weil Gewinne der Konzerne das Bruttoinlandsprodukt stark aufblähen, nutzt das Statistikamt eine eigene Kennzahl, das modifizierte Bruttonationaleinkommen GNI*. Größte Sorgen im Alltag sind Wohnungsmangel und hohe Mieten, vor allem in Dublin.
Landwirtschaft trägt nur rund ein Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, prägt aber Landschaft und ländliche Regionen. Weidehaltung von Rindern und Milchkühen dominiert, Butter, Käse und Rindfleisch werden in alle Welt exportiert. Eine lange Tradition haben Brauereien und Destillerien: Arthur Guinness pachtete 1759 die Brauerei am St. James’s Gate in Dublin. Der Tourismus ist besonders im Westen einer der wichtigsten Arbeitgeber, Deutschland gehört zu den wichtigsten Herkunftsmärkten.
Wie sind die Iren und was prägt ihre Mentalität?
Iren gelten als gesellig, gesprächig und humorvoll, mit einer Vorliebe für Geschichten, Wortwitz und Selbstironie. Wer sich auf ein Gespräch einlässt, erlebt meist echte Neugier, Hilfsbereitschaft und eine entspannte Haltung gegenüber Pünktlichkeit und Plänen.
Viele Klischees haben einen wahren Kern, greifen aber zu kurz. Dass alle Iren rothaarig, trinkfest und ständig im Pub sind, stimmt so nicht; richtig ist, dass das Pub ein zentraler Treffpunkt ist und Gespräche mit Fremden dort selbstverständlich sind. Das Wort „Craic“ für gute Stimmung und Unterhaltung fällt im Alltag ständig. Beliebt ist ein Smalltalk über das Wetter, Familie und Herkunft: Die Frage, aus welchem County jemand stammt, ist oft der Einstieg. Lokale Identität ist stark, sie zeigt sich in der Treue zum eigenen GAA-Club und County. Gleichzeitig sind die Iren durch die Auswanderungsgeschichte weltoffen, fast jede Familie hat Verwandte in Amerika, Großbritannien oder Australien.
Auch innerhalb der Städte gibt es feine Unterschiede. In Dublin pflegen Northsider und Southsider eine liebevoll gepflegte Rivalität: Die Südseite des Liffey gilt als wohlhabender, die Nordseite als bodenständiger, und beide Seiten machen sich gern übereinander lustig. Kritik wird eher indirekt geäußert, eine Bitte oft als Frage verpackt, und ein höfliches „Sorry“ ist allgegenwärtig. Wer im Gegenzug freundlich, interessiert und ohne Belehrung auftritt, wird schnell aufgenommen.
Welche Seiten zu Land und Leuten lohnen sich?
Zu jedem Thema dieser Übersicht finden Sie eine eigene Seite mit mehr Hintergrund. Diese Unterseiten vertiefen Natur, Geschichte, Kultur und Alltag:
- Geografie Irlands: Lage, Küsten, Berge, Flüsse, Seen und Moore der Insel im Überblick.
- Counties: alle 32 Grafschaften und vier Provinzen, mit ausführlichen Porträts von Antrim, Clare, Donegal, Down, Fermanagh, Kerry, Mayo, Meath, Tipperary und Wicklow.
- Irland-Karte: die interaktive Karte zur Orientierung bei der Reiseplanung.
- Geschichte: von den Kelten und Wikingern über die Hungersnot bis zur Unabhängigkeit und zum Friedensprozess.
- Klima: Temperaturen, Regen und die beste Reisezeit für die grüne Insel.
- Sprache: Irisch und Englisch, die Gaeltacht-Regionen und Besonderheiten des irischen Englisch.
- Tradition: Bräuche, Feste und Symbole vom St. Patrick’s Day bis zum Kleeblatt.
- Studieren in Irland: Hochschulen, Bewerbung und Leben als Studierender auf der Insel.
Häufige Fragen zu Land und Leuten in Irland
Ist Irland Teil von Großbritannien?
Nein. Die Republik Irland ist ein unabhängiger Staat und Mitglied der EU. Nur Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich, das neben Nordirland aus England, Schottland und Wales besteht.
Welche Sprache spricht man in Irland?
Im Alltag sprechen fast alle Englisch. Irisch ist erste Amtssprache, wird in der Schule unterrichtet und in den Gaeltacht-Gebieten an der Westküste auch im Alltag gesprochen. Ortsschilder in der Republik sind zweisprachig.
Wie heißt der irische Regierungschef?
Der Regierungschef trägt den Titel Taoiseach. Seit Januar 2025 ist das Micheál Martin von Fianna Fáil. Staatsoberhaupt ist seit November 2025 Präsidentin Catherine Connolly.
Welche Währung gilt in Irland?
In der Republik Irland zahlen Sie mit Euro, in Nordirland mit Pfund Sterling. In Grenznähe nehmen manche Geschäfte beide Währungen an, meist aber zu einem ungünstigen Kurs.
Ist Irland ein katholisches Land?
Mehrheitlich ja: 69 Prozent bezeichneten sich beim Census 2022 als katholisch. Der Anteil sinkt jedoch deutlich, und Gesellschaft und Gesetze sind heute weitgehend säkular und liberal.
Bräuche und Feste erleben
Vom St. Patrick’s Day bis Halloween: Viele Traditionen, die weltweit gefeiert werden, stammen aus Irland. Wir erklären Herkunft und Bedeutung.
Passend dazu: Einen Einblick in den Alltag gibt unsere Seite über die irische Pub-Kultur, die Nationalsportarten stellt die Seite zum GAA-Sport in Irland vor, und die Hauptstadt beschreibt unser Dublin-Reiseführer.
