Pubs

Das Pub ist in Irland weit mehr als eine Kneipe: Es ist Wohnzimmer des Dorfes, Treffpunkt nach der Arbeit, Bühne für traditionelle Musik und Ort für lange Gespräche. Wer die Regeln kennt, also an der Theke bestellt, sofort zahlt und seine Runde ausgibt, findet hier am schnellsten Anschluss an Einheimische.

Kaum eine Einrichtung prägt den irischen Alltag so sehr wie das Public House. Auf dem Land ersetzt es vielerorts das Gemeindezentrum, in der Stadt ist es Treffpunkt für Kollegen, Nachbarn und Sportfans. Viele Besucher lernen die Pub-Kultur zuerst in Dublin kennen, etwa im Ausgehviertel Temple Bar, doch ihr eigentlicher Charakter zeigt sich oft erst in kleinen Orten an der Westküste. Diese Seite erklärt Geschichte und Etikette, die geltenden Regeln zu Öffnungszeiten, Kindern und Rauchen sowie die schönsten Gelegenheiten, eine Trad Session zu erleben.

Temple Bar Dublin

Bestellenan der Theke, bezahlt wird sofort beim Bedienen; Tischservice meist nur für Speisen
Öffnungszeitengesetzlich Mo–Do ca. 10.30–23.30 Uhr, Fr–Sa bis 0.30 Uhr, So ca. 12.30–23 Uhr, danach rund 30 Minuten zum Austrinken (Republik, Stand 2026)
MindestalterAlkohol erst ab 18 Jahren, Ausweiskontrollen sind üblich
Kinderim Barbereich in Begleitung der Eltern bis 21 Uhr, im Sommer meist bis 22 Uhr
Rauchenseit 29. März 2004 in allen Innenräumen verboten, in Nordirland seit 2007
Trinkgeldan der Theke nicht üblich, bei Essen mit Tischservice etwa 10 Prozent
MusikTrad Sessions vor allem abends ab etwa 21 Uhr und am Sonntagnachmittag

Wie alt ist die irische Pub-Kultur und welche Pubs gelten als die ältesten?

Ausschank und Gasthäuser gibt es in Irland seit dem Mittelalter, eine Lizenzpflicht für Pubs führte die Obrigkeit im Jahr 1635 ein. Mehrere Häuser beanspruchen den Titel des ältesten Pubs, wobei sich die Angaben nur teilweise belegen lassen.

Seán’s Bar in Athlone am Shannon wirbt damit, seit dem Jahr 900 zu bestehen, und bezeichnet sich als ältestes Pub Irlands. The Brazen Head in Dublin nennt das Gründungsjahr 1198 und gilt als ältestes Pub der Hauptstadt; es liegt an der Bridge Street nahe dem Liffey, also dort, wo die mittelalterliche Stadt ihren Ursprung hatte. In Nordirland gilt Grace Neill’s in Donaghadee, County Down, mit einer Lizenz von 1611 als eines der ältesten lizenzierten Pubs der Insel. Solche Jahreszahlen beziehen sich meist auf die Tradition des Ortes, nicht auf das heutige Gebäude.

Prägend für das Erscheinungsbild vieler Pubs war das 19. Jahrhundert. Als die Abstinenzbewegung den Alkoholkonsum drückte, kombinierten viele Wirte ihren Ausschank mit einem Lebensmittel- oder Kolonialwarenladen. Diese sogenannten Spirit Groceries hielten sich vielerorts bis in die 1960er-Jahre, als Supermärkte aufkamen. Ihr Erbe erkennen Sie bis heute an langen Theken, Regalen hinter dem Tresen und in manchen Dörfern an Pubs, in denen noch immer ein kleiner Laden, ein Eisenwarenhandel oder sogar ein Bestatter untergebracht ist. In Nordirland verschwand dieser Typ, weil Händler nach 1922 zwischen Laden und Schanklizenz wählen mussten.

Typisch ist auch der Snug, ein kleiner, abgetrennter Raum mit eigener Durchreiche zur Theke. Früher tranken hier vor allem Frauen, die nicht im Schankraum gesehen werden wollten, später nutzten ihn alle, die ungestört reden wollten. Wer heute einen freien Snug ergattert, hat einen der begehrtesten Plätze im Haus.

Das Gegenstück zu den alten Dorfpubs ist das moderne Szeneviertel. Temple Bar in Dublin bietet auf engem Raum Dutzende Lokale mit Livemusik bis in die Nacht, ist aber auch deutlich teurer und touristischer als ein Pub in den Wohnvierteln. Ein Abend dort lohnt sich, als alleiniger Eindruck der irischen Pub-Kultur reicht er nicht.

Wie bestellt man im Pub und wie funktioniert die Runde?

Getränke bestellen Sie selbst an der Theke und bezahlen sofort, Tischservice gibt es in klassischen Pubs meist nur für Speisen. In Gruppen kauft reihum jeder eine Runde für alle, und wer eingeladen wurde, ist später selbst an der Reihe.

Überlegen Sie sich Ihre Bestellung, bevor Sie an der Theke ankommen, denn an einem vollen Freitagabend warten viele hinter Ihnen. Bestellt wird klassisch ein Pint (0,568 Liter) oder ein Glass, also ein halbes Pint. Neben Stout wie Guinness, Murphy’s oder Beamish stehen Lager, Ale und zunehmend Biere aus kleinen Brauereien auf der Karte, außerdem Cider und natürlich irischer Whiskey. Mehr zu Sorten und Brauereien lesen Sie auf unserer Seite über irisches Bier.

Ein Guinness braucht Geduld. Es wird in zwei Schritten gezapft: Das Glas wird zu etwa drei Vierteln gefüllt, dann muss sich der Schaum setzen, bevor der Barkeeper nachfüllt. Nach Angaben der Brauerei dauert das rund zwei Minuten. Nehmen Sie das halbvolle Glas also nicht vorzeitig mit, sondern warten Sie, bis es Ihnen gereicht wird.

Die Runde, im Englischen „getting your round in“, ist die wichtigste ungeschriebene Regel. Wer mit Iren unterwegs ist, wird schnell zu einem Getränk eingeladen. Damit ist stillschweigend verbunden, dass Sie später selbst eine Runde ausgeben. Niemand wird Sie daran erinnern, aber es fällt auf, wenn Sie den Abend verlassen, ohne an der Reihe gewesen zu sein. Wer weniger trinken möchte, kann gleich zu Beginn sagen, dass er nicht mitrundet, oder in der eigenen Runde ein alkoholfreies Getränk für sich bestellen. Auch Paare zählen in der Regel als zwei Teilnehmer.

Nach dem Bestellen räumen Sie den Platz an der Theke für die nächsten Gäste. An vollen Tischen rückt man zusammen, und es gilt als höflich zu fragen, ob ein freier Stuhl noch zu haben ist. Ein halb volles Glas mit einem Bierdeckel darauf signalisiert übrigens, dass jemand nur kurz vor der Tür ist und gleich zurückkommt.

Tipp: Erst Runde, dann Gespräch. Bieten Sie bei der ersten Gelegenheit an, eine Runde auszugeben. In kaum einer Situation kommen Sie leichter mit Einheimischen ins Gespräch als an einem Tisch, an dem Sie gerade für alle bestellt haben.

Gibt man im irischen Pub Trinkgeld?

Wer selbst an der Theke bestellt, gibt in der Regel kein Trinkgeld. Anders ist es beim Essen mit Tischservice: Hier sind rund zehn Prozent üblich, bei sehr gutem Service auch etwas mehr.

Trinkgeld spielt in Irland eine geringere Rolle als in Nordamerika. Beim Bezahlen an der Theke lassen manche Gäste ein paar Münzen Wechselgeld liegen oder runden auf, verpflichtend ist das nicht. Eine alte Geste ist es, dem Barkeeper an einem langen Abend „one for yourself“ anzubieten, also ein Getränk auf die eigene Rechnung, das er oft auch später oder als kleinen Betrag annimmt. Viele Pubs servieren mittags und abends warme Gerichte wie Irish Stew, Fish and Chips oder Seafood Chowder. Prüfen Sie bei solchen Mahlzeiten die Rechnung, denn bei größeren Gruppen ist manchmal bereits ein Servicezuschlag enthalten. In Nordirland bezahlen Sie in Pfund Sterling, die Gepflogenheiten beim Trinkgeld sind ähnlich.

Dürfen Kinder mit ins Pub?

Ja, in Begleitung eines Elternteils dürfen Kinder tagsüber in den Barbereich, abends aber nur bis 21 Uhr. In den Sommermonaten Mai bis September verlängern viele Pubs diese Grenze bis 22 Uhr; Alkohol wird an unter 18-Jährige generell nicht ausgeschenkt.

Grundlage ist der Intoxicating Liquor Act von 2003. Danach dürfen Kinder unter 15 Jahren nur in Begleitung von Eltern oder Erziehungsberechtigten im Schankraum sein, Jugendliche von 15 bis 17 Jahren auch allein, in beiden Fällen jedoch nicht nach der abendlichen Grenze. Ausnahmen gelten für private Feiern mit einer richtigen Mahlzeit, etwa eine Hochzeit oder Kommunionsfeier im Nebenraum. Viele Pubs sind vor allem auf dem Land ausgesprochen familienfreundlich, servieren Kindergerichte und haben nichts dagegen, wenn der Nachwuchs während einer Nachmittagssession zuhört. Kündigt der Barkeeper abends an, dass Kinder gehen müssen, setzt er lediglich das Gesetz um. Jugendliche und junge Erwachsene sollten einen Ausweis bei sich tragen, da das Personal das Alter häufig kontrolliert.

Wann haben Pubs in Irland geöffnet?

In der Republik Irland dürfen Pubs von Montag bis Donnerstag etwa von 10.30 bis 23.30 Uhr Alkohol ausschenken, freitags und samstags bis 0.30 Uhr und sonntags von 12.30 bis 23 Uhr. Danach bleibt eine kurze Zeit zum Austrinken.

Diese Rahmenzeiten stammen aus Gesetzen, die zum Teil weit ins 20. Jahrhundert zurückreichen. Viele Pubs öffnen tatsächlich erst am späten Vormittag oder Nachmittag, kleine Landpubs teils nur abends. Wer länger feiern möchte, findet in Städten Lokale mit einer Sondergenehmigung für späte Stunden sowie Nachtclubs. Bekannt ist der Ruf „Last orders“, mit dem der Barkeeper die letzten Bestellungen ankündigt; danach bleibt etwa eine halbe Stunde, um auszutrinken. Bis 2018 durften Pubs am Karfreitag keinen Alkohol verkaufen, dieses Verbot ist inzwischen aufgehoben.

Eine umfassende Reform mit längeren Öffnungszeiten ist seit 2022 in Arbeit. Bis zum Sommer 2026 war das geplante Gesetz jedoch nicht verabschiedet, die bisherigen Zeiten gelten daher weiter. In Nordirland gelten eigene Regeln, die Sperrzeiten unterscheiden sich von denen der Republik.

Seit wann gilt das Rauchverbot in irischen Pubs?

Seit dem 29. März 2004 ist das Rauchen in allen geschlossenen Arbeitsstätten verboten, also auch in Pubs, Restaurants und Clubs. Irland war damit das erste Land der Welt mit einem umfassenden landesweiten Rauchverbot am Arbeitsplatz.

Viele Beobachter rechneten damals mit Widerstand in den Pubs. Tatsächlich wurde das Gesetz schnell akzeptiert und gilt heute als selbstverständlich. Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen, und zwar auch dem Wirt. Ausgenommen sind unter anderem Privatwohnungen, Gefängnisse, Pflegeheime und Hotelzimmer. Als Reaktion richteten zahlreiche Pubs überdachte und beheizte Raucherbereiche im Freien ein, oft im Hinterhof oder auf einer Terrasse, die sich zu eigenen Treffpunkten entwickelt haben. Nordirland folgte dem Beispiel im Jahr 2007, ebenso viele andere europäische Länder.

Wo erlebt man eine Trad Session und wie verhält man sich dabei?

Trad Sessions sind zwanglose Treffen von Musikern, die gemeinsam traditionelle irische Musik spielen, meist in einer Ecke des Pubs. Sie beginnen in der Regel abends ab etwa 21 Uhr oder am Sonntagnachmittag, und Zuhören ist kostenlos.

Eine Session ist kein Konzert. Ein Musiker stimmt eine Melodie an, wer sie kennt, spielt mit, oft Fiddle, Tin Whistle, Flöte, Akkordeon, Gitarre und die Rahmentrommel Bodhrán. Zwischen den schnellen Sets aus Jigs und Reels singt manchmal jemand ein Lied oder spielt eine langsame Weise. Manche Wirte bezahlen ein oder zwei Musiker, damit die Session regelmäßig stattfindet, andere Teilnehmer spielen gegen ein Freigetränk oder einfach aus Freude.

Für Zuhörer gilt: Gespräche leiser führen, wenn gesungen wird, Beifall nach einem Set geben und nicht unaufgefordert Platz am Musikertisch nehmen. Wer selbst spielt, fragt vorher, ob die Session offen ist, und steigt nur bei Stücken ein, die er sicher kennt. Besonders bekannt für Musik ist das County Clare mit Orten wie Doolin, Ennis und Miltown Malbay; einen Überblick über die Region gibt unsere Seite zum County Clare. Lebendige Sessions finden Sie auch in Galway, Dingle, Westport und in vielen Dublin-Pubs außerhalb von Temple Bar. The Brazen Head etwa bietet laut eigenen Angaben jeden Abend ab 21 Uhr Livemusik und sonntags eine Nachmittagssession.

Hintergründe zu Instrumenten, Liedern und Festivals wie dem Fleadh Cheoil finden Sie auf unserer Seite über irische Musik.

Tipp: Vor Ort fragen. Session-Termine wechseln häufig und stehen selten im Internet. Fragen Sie in Ihrer Unterkunft oder direkt hinter der Theke, wann und wo am Abend gespielt wird. In kleinen Orten weiß das fast jeder.

Häufige Fragen zu irischen Pubs

Muss man im Pub Guinness trinken?

Nein. Stout ist zwar das bekannteste Getränk, doch Lager, Cider, Craft Beer, Whiskey, Wein und alkoholfreie Getränke sind überall erhältlich. Niemand erwartet von Gästen, dass sie ein Pint nach dem anderen trinken.

Was bedeutet „Craic“?

Craic, ausgesprochen wie „Crack“, steht für Spaß, gute Unterhaltung und Stimmung. Die Frage „What’s the craic?“ heißt so viel wie „Wie geht’s, was gibt’s Neues?“. Ein Abend mit „great craic“ war ein rundum gelungener Abend.

Kann man im Pub essen?

Viele Pubs bieten mittags und abends warme Küche, von Suppe mit Brown Bread bis zu Stew und Fischgerichten. Die Küche schließt oft deutlich früher als die Bar, häufig gegen 21 Uhr. Kleine Landpubs servieren manchmal nur Getränke.

Was ist ein Lock-in?

So nennt man es, wenn nach der offiziellen Sperrstunde die Türen geschlossen werden und eine geschlossene Gesellschaft weiterfeiert. Lock-ins sind Teil der Folklore, rechtlich aber eine Grauzone; als Besucher sollten Sie sie nicht einfordern.

Wie viel kostet ein Pint?

Die Preise unterscheiden sich stark zwischen Land und Stadt sowie zwischen Wohnviertel und Ausgehmeile. In Dublin und besonders in Temple Bar zahlen Sie deutlich mehr als in einem Dorfpub. Wer sparen möchte, sucht sich ein Pub abseits der Touristenströme.

Vom Pint zum Whiskey

Zum Pub gehört das passende Glas. Wir stellen Ihnen Irlands Whiskeys, ihre Herstellung und die bekanntesten Destillerien vor.

Weiter zum irischen Whiskey

Passend dazu: Die Geschichte des Stouts erleben Sie im Guinness Storehouse in Dublin, und Tipps für gute Lokale in der Hauptstadt sammelt unsere Seite Essen in Dublin. Ein Porträt des ältesten Dubliner Pubs bietet Discover Ireland.