Kunst und Kultur

Irlands Kultur lebt im Alltag: traditionelle Musik in den Pubs, eine Literatur mit vier Nobelpreisträgern, die Gaelic Games Hurling und Gaelic Football, die irische Sprache in den Gaeltacht-Regionen und Feste vom St. Patrick’s Day bis Halloween. Dazu kommen Bauwerke von Steinzeitgräbern über Rundtürme bis zum georgianischen Dublin.

Wer nach Irland reist, begegnet der Kultur nicht nur im Museum. Sie steckt in der Session am Freitagabend, im vollbesetzten Stadion beim Hurling-Finale, in zweisprachigen Ortsschildern und in den Geschichten, die ein Wirt über den Tresen erzählt. Viele Traditionen haben Hungersnot, Auswanderung und Jahrhunderte britischer Herrschaft überdauert und erleben seit einigen Jahrzehnten eine neue Blüte. Wie die Insel historisch zu dem wurde, was sie heute ist, lesen Sie auf unserer Seite zur Geschichte Irlands. Hier finden Sie einen Überblick über alle Bereiche von Kunst und Kultur und die Wege zu unseren ausführlichen Themenseiten.

SprachenIrisch (Gaeilge) als erste und Englisch als zweite Amtssprache der Republik; in Nordirland Englisch, dazu Irisch und Ulster-Scots
NationalsportGaelic Football und Hurling, organisiert von der Gaelic Athletic Association (gegründet 1884)
Musiktraditionelle Musik mit Fiddle, Flöte, Uilleann Pipes und Bodhrán; dazu internationale Rock- und Popgrößen
LiteraturNobelpreise für Yeats, Shaw, Beckett und Heaney; Dublin ist UNESCO City of Literature
UNESCO-Kulturerbeu. a. Uilleann Piping, Hurling und das irische Harfenspiel als immaterielles Kulturerbe
NationalfeiertagSt. Patrick’s Day am 17. März
ArchitekturNewgrange, Rundtürme, normannische Burgen, georgianische Plätze in Dublin

Welche Themen rund um Kunst und Kultur lohnen sich?

Zu jedem großen Kulturbereich haben wir eine eigene Seite. Die folgende Übersicht hilft Ihnen, schnell das passende Thema zu finden:

  • Irische Musik: von der traditionellen Session über Sean-nós-Gesang und Folk-Legenden bis zu U2 und den Cranberries, mit Tipps, wo Sie Livemusik finden.
  • Irische Literatur: Swift, Wilde, Yeats, Joyce, Beckett, Heaney und die Gegenwart von Sally Rooney bis Claire Keegan, dazu Literaturorte zum Besuchen.
  • Dublins Schriftsteller: die Spuren von Joyce, Wilde, Shaw und Co. in der UNESCO-Literaturstadt, mit Museen, Pubs und Gedenkorten.
  • Irische Pubs: warum das Pub das Wohnzimmer der Iren ist, wie man sich dort verhält und was es mit der Runde auf sich hat.
  • Festivals in Irland: vom St. Patrick’s Festival über Musik- und Literaturfeste bis zu kleinen Dorffesten im Sommer.
  • Sport in Irland: Hurling, Gaelic Football, Rugby, Pferderennen und Golf, mit Hinweisen zum Besuch eines Spiels.

Eng verwandt sind unsere Seiten zur irischen Sprache und zu Traditionen und Bräuchen im Bereich Land und Leute.

Wie prägen Kelten, Mythen und Erzähltradition die irische Kultur?

Die gälische Kultur hat Sprache, Mythen und Bräuche der Insel tief geprägt. Ihre Sagen, allen voran der Ulster-Zyklus um den Helden Cú Chulainn, wurden zuerst mündlich überliefert und ab dem frühen Mittelalter von Mönchen aufgeschrieben.

Besiedelt ist Irland seit der Mittelsteinzeit, also seit rund zehntausend Jahren. Lange vor den Kelten errichteten Bauern der Jungsteinzeit gewaltige Grabanlagen wie Newgrange. Die keltischsprachige Kultur, aus der das Irische hervorging, setzte sich in der Eisenzeit durch und blieb auch unter normannischer und später englischer Herrschaft lebendig. Ihre Erzählungen kreisen um Helden, Könige und die Anderswelt der Feen. Die bekannteste Sage ist die Táin Bó Cúailnge, der Rinderraub von Cooley, in der Cú Chulainn allein die Provinz Ulster verteidigt.

Bis ins 20. Jahrhundert hielten Geschichtenerzähler, die Seanchaí, diese Überlieferung in den Dörfern wach, und noch heute treten Erzähler in Pubs und auf Festivals auf. Aus dem Volksglauben stammen auch Figuren wie der Leprechaun, ein kleiner, eigenbrötlerischer Schuhmacher, der der Sage nach einen Topf voll Gold versteckt hält und sich nur schwer fangen lässt. Für die Iren selbst ist er weniger ein Nationalsymbol als ein Souvenirmotiv. Weit tiefer reicht ein anderes Erbe: Das keltische Fest Samhain zum Ende des Sommers gilt als Ursprung von Halloween, das in Irland mit Feuern, Umzügen und Festivals wie in Derry gefeiert wird.

Welche Rolle spielen Musik und Tanz?

Musik ist der lebendigste Teil der irischen Kultur: In Hunderten Pubs auf der ganzen Insel treffen sich Musiker regelmäßig zu Sessions, und traditionelle Tänze werden in Vereinen und Schulen weitergegeben. Daneben hat Irland weltbekannte Rock- und Popmusiker hervorgebracht.

Die traditionelle Musik besteht vor allem aus Tanzmelodien wie Reels, Jigs und Hornpipes, gespielt auf Fiddle, Flöte, Tin Whistle, Akkordeon und den Uilleann Pipes, dem irischen Dudelsack. Die Harfe ist seit Jahrhunderten das Wappensymbol des Landes und ziert auch die Euromünzen der Republik. Zu den Tänzen gehören der gesellige Céilí-Tanz in Gruppen, Set Dancing und der Stepptanz, der durch die Show „Riverdance“ in den 1990er Jahren weltweit bekannt wurde. Organisationen wie Comhaltas Ceoltóirí Éireann, gegründet 1951, fördern die Tradition mit Kursen, Wettbewerben und dem großen Musikfest Fleadh Cheoil na hÉireann, das jedes Jahr im August Hunderttausende Besucher anzieht. Instrumente, Session-Regeln und die besten Orte für Livemusik beschreibt unsere Seite zur irischen Musik.

Tipp: Sessions früh ansteuern. In vielen Pubs beginnen die Sessions erst am späteren Abend. Fragen Sie am Nachmittag an der Bar, wann gespielt wird, und sichern Sie sich rechtzeitig einen Platz in Hörweite, ohne den Musikern ihren Tisch wegzunehmen.

Was sind Gaelic Games und wo kann man sie sehen?

Gaelic Games sind die traditionellen Mannschaftssportarten Irlands, vor allem Hurling, Camogie und Gaelic Football. Sie werden von der Gaelic Athletic Association organisiert, die 1884 in Thurles gegründet wurde und bis heute auf Amateurbasis arbeitet.

Hurling ist eines der schnellsten Feldspiele der Welt: Mit einem breiten Holzschläger, dem Hurley, wird ein kleiner Lederball, der Sliotar, durch die Luft geschlagen und getragen. Schon in den alten Sagen spielt Cú Chulainn Hurling, und 2018 hat die UNESCO den Sport als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Camogie ist die Variante für Frauen. Gaelic Football wirkt auf Besucher wie eine Mischung aus Fußball und Rugby: Der Ball darf gefangen, getragen und mit dem Fuß gespielt werden, Punkte gibt es über und unter der Querlatte.

Gespielt wird in jedem Ort für den Heimat-Club und das eigene County, und genau diese lokale Bindung macht die Spiele so emotional. Die Höhepunkte sind die All-Ireland-Finals im Sommer im Dubliner Croke Park, einem der größten Stadien Europas mit Platz für rund 82.000 Zuschauer. Ein Stadionrundgang mit Museum ist dort ganzjährig möglich. Wer es selbst versuchen möchte, findet in Dublin, Cork, Galway und Belfast Anbieter mit Schnupperkursen. Mehr zu Rugby, Pferderennen und Golf lesen Sie auf unserer Sportseite.

Welche Bauwerke erzählen Irlands Architekturgeschichte?

Irlands Baugeschichte reicht von jungsteinzeitlichen Ganggräbern über frühchristliche Rundtürme und normannische Burgen bis zu den georgianischen Plätzen Dublins. Viele dieser Bauwerke liegen frei zugänglich in der Landschaft.

Die ältesten Zeugnisse sind die Grabanlagen im Boyne-Tal, allen voran Newgrange, das älter ist als die Pyramiden von Gizeh. Aus der Bronze- und Eisenzeit stammen steinerne Festungen wie Dún Aonghasa auf Inis Mór, der größten der Aran Islands, dessen halbkreisförmige Mauern direkt an einer Steilklippe über dem Atlantik enden. Mit dem Christentum entstanden Klöster wie Clonmacnoise und Glendalough. Ihr Wahrzeichen sind die Rundtürme, schlanke Steintürme von etwa 18 bis 40 Metern Höhe, die zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert gebaut wurden. Von rund 120 Türmen sind knapp 20 nahezu vollständig erhalten. Ihr irischer Name „cloigtheach“ bedeutet Glockenhaus, der Eingang liegt meist mehrere Meter über dem Boden.

Mit den Normannen kamen ab dem späten 12. Jahrhundert mächtige Burgen wie Trim Castle, später entstanden im ganzen Land Turmhäuser des Landadels. Eine Auswahl der schönsten Anlagen stellen wir auf unserer Seite zu Burgen und Schlössern in Irland vor. Im 18. Jahrhundert erlebte Dublin seine glanzvollste Bauphase: Zwischen etwa 1714 und 1830 entstanden die georgianischen Reihenhäuser aus rotem Backstein mit ihren farbigen Haustüren und Oberlichtern, dazu Plätze wie Merrion Square und Fitzwilliam Square. Eine eigene Kommission ließ breite Straßen anlegen, darunter die heutige O’Connell Street. Nach der Unabhängigkeit galten viele dieser Häuser als Symbole britischer Herrschaft und wurden in den 1950er und 1960er Jahren abgerissen, erst seit den 1990er Jahren steht das Erbe unter strengerem Schutz.

Wo erlebt man die irische Sprache und alte Bräuche?

Die irische Sprache hören Sie im Alltag vor allem in den Gaeltacht-Regionen an der Westküste, etwa in Connemara, auf der Dingle-Halbinsel, auf Achill Island und in Teilen von Donegal. Überall sonst begegnen Ihnen Irisch auf Schildern, im Radio und in der Schule.

Irisch ist laut Verfassung die erste Amtssprache der Republik und eine Amtssprache der Europäischen Union. Alle Schüler lernen es, als Muttersprache im Alltag wird es aber nur von einer Minderheit gesprochen. In den Gaeltachtaí gibt es Sommerkurse für Sprachschüler, irischsprachige Pubs und Radiosender wie RTÉ Raidió na Gaeltachta. In Nordirland erlebt Irisch besonders in Belfast eine Wiederbelebung, im Norden von Antrim und auf der Ards-Halbinsel pflegen Gemeinden zudem das Ulster-Scots mit eigener Musik und Tanz.

Viele Bräuche folgen dem alten keltischen Jahreskreis: Imbolc im Februar, heute der St. Brigid’s Day, Bealtaine im Mai, Lughnasadh im August und Samhain Ende Oktober. Am bekanntesten ist der St. Patrick’s Day am 17. März mit Paraden in allen größeren Orten. Zum lebendigen Handwerk gehören der Aran-Pullover, ursprünglich für Fischer gestrickt, sowie Glas, Keramik und Weberei, die etwa in Kilkenny und Donegal gepflegt werden.

Welche Museen und Kulturorte sollte man kennen?

Die wichtigsten Kultureinrichtungen liegen in Dublin: das National Museum mit seinen archäologischen Schätzen, die National Gallery, das Museum of Literature Ireland und Trinity College mit dem Book of Kells. In Belfast lohnen das Ulster Museum und das Titanic-Viertel.

In der Hauptstadt zeigt die National Gallery of Ireland europäische Malerei und irische Kunst von Jack B. Yeats bis zur Gegenwart, das Irish Museum of Modern Art residiert im Royal Hospital Kilmainham. Das Museum of Literature Ireland am St Stephen’s Green widmet sich den Schriftstellern des Landes. Außerhalb Dublins sind das Hunt Museum in Limerick, das Seamus Heaney HomePlace in Bellaghy und das Siamsa Tíre in Tralee, das Nationale Folk-Theater, gute Adressen. Einmal im Jahr, meist im September, öffnen bei der Culture Night im ganzen Land Museen, Galerien und Ateliers bis in die Nacht und meist ohne Eintritt. Auch in kleineren Orten gibt es Heimatmuseen und Kunstzentren, die oft von Ehrenamtlichen geführt werden und Einblicke in das lokale Leben geben.

Tipp: Kostenlose Nationalmuseen. Die Häuser des National Museum of Ireland und die National Gallery verlangen für ihre Dauerausstellungen keinen Eintritt. Ein Regentag in Dublin lässt sich so ohne Kosten mit Kultur füllen.

Häufige Fragen zu Kunst und Kultur in Irland

Spricht man in Irland noch Irisch?

Ja, aber als Alltagssprache vor allem in den Gaeltacht-Regionen im Westen. Im übrigen Land ist Englisch die Umgangssprache. Ein paar Worte wie „Sláinte“ (Prost) oder „Go raibh maith agat“ (Danke) kommen bei Einheimischen trotzdem gut an.

Was ist das Nationalsymbol Irlands?

Das offizielle Staatswappen ist die Harfe, sie erscheint auf Münzen, Pässen und Regierungsdokumenten. Das Kleeblatt, Shamrock genannt, ist das bekannteste inoffizielle Symbol und eng mit dem heiligen Patrick verbunden.

Wann ist die beste Zeit für Kulturfestivals?

Die meisten großen Feste liegen zwischen März und Oktober: der St. Patrick’s Day im März, Bloomsday im Juni, die Fleadh Cheoil im August und die Culture Night im September. Im Herbst folgen Halloween-Feste und Opernfestspiele in Wexford.

Kann man als Tourist ein Hurling-Spiel besuchen?

Ja, Karten für Liga- und Meisterschaftsspiele gibt es über die GAA und an den Stadien. Für die All-Ireland-Finals sind Tickets sehr knapp, ein Spiel in der Vorrunde oder auf County-Ebene ist leichter zu bekommen und oft genauso stimmungsvoll.

Wie unterscheidet sich die Kultur in Nordirland?

Nordirland teilt viele Traditionen mit der Republik, von der Musik bis zu den Gaelic Games. Hinzu kommen britisch geprägte Bräuche, Ulster-Scots-Traditionen und eine eigene Erinnerungskultur an die Jahre des Konflikts, die sich etwa in den Wandbildern von Belfast und Derry zeigt.

Irlands Kultur live erleben

Nirgends ist die irische Kultur so nah wie bei einer Session im Pub. Lesen Sie, welche Instrumente gespielt werden und wo Sie die beste Livemusik finden.

Weiter zur irischen Musik

Passend dazu: Land und Leute in Irland im Überblick und die Plätze des georgianischen Dublin auf unserer Seite zu den Sehenswürdigkeiten in Dublin. Weitere Anregungen zu Kultur und Erbe bietet Tourism Ireland.