Bier
Bier ist das beliebteste alkoholische Getränk Irlands. Am meisten verkauft wird Lager, berühmt ist das Land aber für sein Stout: Guinness aus Dublin, Beamish und Murphy’s aus Cork. Dazu kommen das Irish Red Ale, etwa von Smithwick’s aus Kilkenny, und seit den 1990er-Jahren eine lebendige Szene unabhängiger Craft-Brauereien.
Ein Pint im Pub ist für viele Reisende fester Bestandteil eines Irlandurlaubs, und tatsächlich gehört das Bier untrennbar zur Kultur der Insel. Dabei geht es weniger um die Menge als um den Ort: Das Pub ist Wohnzimmer, Treffpunkt und Konzertsaal zugleich. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Biersorten in Irland getrunken werden, woher die bekannten Marken stammen, wie sich die Craft-Szene entwickelt hat und wie Sie im Pub richtig bestellen. Einen Überblick über alle anderen Getränke von Tee bis Cider finden Sie auf unserer Seite Getränke und Spirituosen.
| Beliebteste Sorte | Lager, gefolgt von Stout und Ale |
|---|---|
| Bekannte Stouts | Guinness (Dublin, seit 1759), Beamish (Cork, seit 1792), Murphy’s (Cork, seit 1856) |
| Irish Red Ale | meist ca. 3,8 bis 4,4 % Alkohol, bekannteste Marke Smithwick’s (gegründet 1710 in Kilkenny) |
| Craft Beer | erste Welle in den 1990er-Jahren, um 2018 bereits rund 110 unabhängige Brauereien auf der ganzen Insel |
| Maße im Pub | Pint (568 ml) oder Glass (halbes Pint) |
| Mindestalter | Ausschank ab 18 Jahren in der Republik Irland und in Nordirland |
Fragen, die wir beantworten
Welche Biersorten trinkt man in Irland?
Die drei großen Gruppen sind Lager, Stout und Ale. Lager hat nach Branchenzahlen den größten Marktanteil, Stout macht knapp ein Drittel aus, Ale einen kleineren Rest. Craft Beer ist zwar ein Nischensegment, prägt aber zunehmend das Angebot in Städten.
Das Lager ist ein helles, untergäriges Bier, das am ehesten einem deutschen Hellen oder Export ähnelt. In vielen Pubs sind internationale Marken vom Fass erhältlich, die in Irland gebraut werden; der größte Lager-Anbieter ist Heineken Ireland mit seiner Brauerei in Cork. Eine irische Traditionsmarke ist Harp, die ursprünglich in Dundalk gebraut wurde und heute zum Guinness-Konzern Diageo gehört. Im Norden der Insel, vor allem in Nordirland und im östlichen Donegal, ist zudem das schottische Tennent’s weit verbreitet.
Das Stout ist das dunkle, obergärige Bier, für das Irland weltweit bekannt ist. Seine fast schwarze Farbe und die Röstaromen von Kaffee und Schokolade verdankt es geröstetem Gerstenmalz. Anders als oft vermutet ist ein Stout vom Fass weder besonders stark noch besonders schwer: Viele Sorten liegen bei rund vier Prozent Alkohol. Das Ale schließlich ist vor allem als Irish Red Ale verbreitet, ein bernsteinfarbenes Bier mit malzigen, leicht karamelligen Noten.
Was unterscheidet Guinness, Beamish und Murphy’s?
Alle drei sind irische Stouts, sie unterscheiden sich aber in Herkunft und Geschmack. Guinness aus Dublin ist das bekannteste und meistverkaufte, Beamish und Murphy’s stammen aus Cork und sind dort bis heute besonders beliebt.
Guinness geht auf Arthur Guinness zurück, der 1759 die Brauerei am St. James’s Gate in Dublin für 9.000 Jahre pachtete und bald vom Ale zum Porter wechselte, dem Vorläufer des Stout. Heute gehört die Marke zum Konzern Diageo, wird in fast 50 Ländern gebraut und ist das meistverkaufte Bier in Irland und Großbritannien. Seit 1959 wird das Fassbier mit Stickstoff gezapft, was ihm die feinporige, cremige Schaumkrone gibt. Das Ergebnis ist ein weiches, trockenes Bier mit deutlicher Röstnote. Wer die Geschichte der Brauerei erleben möchte, besucht das Guinness Storehouse in Dublin, das seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 über 20 Millionen Gäste empfangen hat. Was die Ausstellung bietet und wie Sie Tickets bekommen, lesen Sie auf unserer Seite zum Guinness Storehouse; aktuelle Öffnungszeiten nennt das offizielle Guinness Storehouse.
Beamish wurde 1792 von William Beamish und William Crawford in Cork gegründet. Die eigene Brauerei schloss 2009, seitdem wird Beamish in der nahegelegenen Heineken-Brauerei in Cork hergestellt. Murphy’s wiederum entstand 1856, als James J. Murphy die Lady’s Well Brewery in Cork eröffnete, die seit 1983 zu Heineken gehört. Murphy’s gilt als milder und weniger bitter als Guinness, mit Noten von Karamell und Malz. Während Murphy’s landesweit nur einen kleinen Anteil am Stout-Markt hat, ist es in Cork ein echter Lokalpatriot: Dort entfallen laut Branchenangaben rund 28 Prozent des Stout-Absatzes auf Murphy’s.
Was ist ein Irish Red Ale?
Ein Irish Red Ale ist ein obergäriges, rötlich-bernsteinfarbenes Bier mit malziger Süße, leichter Karamellnote und eher zurückhaltender Hopfenbittere. Die meisten Red Ales haben zwischen 3,8 und 4,4 Prozent Alkohol und wenig Kohlensäure.
Die bekannteste Marke ist Smithwick’s, gegründet 1710 von John Smithwick in Kilkenny auf dem Gelände einer Franziskanerabtei, in der schon im 14. Jahrhundert Mönche Bier gebraut haben sollen. Seit 1965 gehört Smithwick’s zu Guinness, 2013 endete das Brauen in Kilkenny, und die Produktion zog an das St. James’s Gate nach Dublin. Ein Teil der alten Brauerei ist heute als Besucherzentrum Smithwick’s Experience Kilkenny zugänglich, das die Brautradition der Stadt erzählt. Wer ohnehin die mittelalterliche Stadt besucht, kann den Abstecher gut verbinden; Tipps finden Sie auf unserer Seite zu Kilkenny. Eine verwandte Exportmarke ist das Kilkenny Irish Cream Ale. Daneben brauen viele Craft-Brauereien eigene Red Ales, oft mit etwas mehr Hopfen als die klassischen Marken.
Wie hat sich das Brauwesen in Irland entwickelt?
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Irland über 200 Brauereien, allein 55 davon in Dublin. Im Laufe des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich die Branche auf wenige große Konzerne, bevor ab den 1990er-Jahren kleine unabhängige Brauereien die Vielfalt zurückbrachten.
Das frühe irische Ale wurde ohne Hopfen gebraut. Im 18. Jahrhundert kam Porter aus London in wachsenden Mengen nach Irland, ein dunkles Bier, das bei Arbeitern beliebt war. Irische Brauer wie Guinness begannen, eigene Porter herzustellen, und aus den kräftigeren Varianten, den „stout porters“, entwickelte sich das Stout. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Guinness zu einer der größten Brauereien der Welt und Dublin zu einem Zentrum des Exports.
Gleichzeitig verschwanden viele kleine Brauereien, gegen Anfang des 21. Jahrhunderts waren nur noch rund ein Dutzend übrig, die meisten im Besitz internationaler Konzerne. Lager setzte sich erst im 20. Jahrhundert durch; eine erste Lagerbrauerei in Dublin im Jahr 1891 hatte keinen Bestand. Heute ist die Branche zweigeteilt: Diageo und Heineken dominieren den Massenmarkt, während eine wachsende Zahl unabhängiger Brauereien den Geschmack der Jüngeren prägt. Gleichzeitig trinken die Iren insgesamt weniger: Laut dem Branchenverband Drinks Ireland ist der Alkoholkonsum in den vergangenen 25 Jahren um gut ein Drittel gesunken, und alkoholfreie Biere haben ihren festen Platz am Zapfhahn.
Wo findet man Craft Beer in Irland?
Craft Beer gibt es heute in allen größeren Städten und vielen Kleinstädten: in Brauereigaststätten, spezialisierten Craft-Beer-Pubs und zunehmend auch in klassischen Pubs, die neben Guinness einige wechselnde Zapfhähne anbieten.
Die Bewegung kam in mehreren Wellen: in den 1990er-Jahren, Mitte der 2000er und ab etwa 2013. Um 2018 brauten bereits rund 110 unabhängige Craft-Brauereien auf der Insel, in der Republik wie in Nordirland. Ein Pionier ist die Franciscan Well Brewery in Cork, gegründet 1998 auf dem Gelände eines Franziskanerklosters von 1219, die Lager, Ale, Stout und Weizenbier herstellt. In Dublin gibt es zahlreiche Brauereien und Brewpubs, in Galway, Kilkenny, Carlow und an der Westküste kleine Betriebe, die oft Führungen und Verkostungen anbieten.
Typisch für die irische Craft-Szene sind Pale Ales und IPAs, aber auch Neuinterpretationen der Klassiker: Stouts mit Hafer, Kaffee oder Austern, Red Ales mit mehr Hopfen und saisonale Biere. Viele Craft-Brauereien liefern an Pubs in ihrer Umgebung, sodass sich gerade auf dem Land die Frage nach einem lokalen Bier lohnt. Auch in Supermärkten und Off-Licences, den irischen Getränkeläden, finden Sie eine gute Auswahl in Flaschen und Dosen.
Wie bestellt man im Pub ein Bier?
Bestellt und bezahlt wird am Tresen, meist sofort beim Erhalt des Getränks. Sie wählen zwischen einem Pint mit 568 Millilitern und einem Glass, also einem halben Pint; Trinkgeld am Tresen ist nicht üblich.
Ein Guinness vom Fass braucht Geduld. Der Wirt zapft es in zwei Schritten: Er füllt das Glas zu etwa drei Vierteln, lässt den Schaum absetzen und füllt dann auf. Nach Angaben des Herstellers dauert dieser Vorgang rund zwei Minuten, serviert wird das Stout bei etwa 6 bis 7 Grad. Warten Sie also, bis das Glas vor Ihnen steht und sich die Farbe vollständig gesetzt hat, und greifen Sie nicht vorher zu.
In Gruppen geben Iren gern Runden aus, bei denen jeder reihum für alle bezahlt. Sie müssen dabei nicht mithalten. Wer langsamer oder gar nicht trinken möchte, bestellt einfach für sich selbst, ein Softdrink oder ein alkoholfreies Bier ist ebenso willkommen. Kurz vor Schluss wird „Last Orders“ ausgerufen, danach bleibt eine kurze Frist zum Austrinken. Mehr über Pub-Kultur, traditionelle Musik und die bekanntesten Pubs des Landes lesen Sie auf unserer Seite zu den irischen Pubs. Und wer mit dem Auto unterwegs ist, lässt das Bier stehen: Die Promillegrenzen sind niedrig und Kontrollen häufig.
Häufige Fragen zum Bier in Irland
Was ist das beliebteste Bier in Irland?
Nach Marken ist Guinness das meistverkaufte Bier der Insel. Nach Biersorten liegt allerdings Lager vorn, das deutlich mehr als die Hälfte des Absatzes ausmacht.
Wie viel Alkohol hat ein Guinness?
Guinness vom Fass hat rund vier Prozent Alkohol und ist damit leichter, als seine dunkle Farbe vermuten lässt. Stärkere Varianten wie das Foreign Extra Stout liegen deutlich höher, und mit Guinness 0.0 gibt es eine alkoholfreie Version.
Schmeckt Guinness in Irland anders?
Viele Reisende empfinden es so. Entscheidend sind vor allem frische Fässer, saubere Leitungen und sorgfältiges Zapfen, und in irischen Pubs ist der Umsatz so hoch, dass das Bier fast immer frisch ist.
Was ist der Unterschied zwischen Stout und Porter?
Das Stout hat sich aus dem Porter entwickelt; ursprünglich bezeichnete „stout porter“ einfach eine kräftigere Variante. Heute werden beide Begriffe für dunkle Biere mit Röstmalz verwendet, Stout gilt meist als etwas trockener und röstiger.
Kann man in Irland Brauereien besichtigen?
Ja. Neben dem Guinness Storehouse in Dublin und der Smithwick’s Experience in Kilkenny bieten viele Craft-Brauereien Führungen mit Verkostung an. Meist ist eine Reservierung sinnvoll.
Vom Pint zum Dram
Neben dem Stout ist der Irish Whiskey das bekannteste Getränk der Insel. Lesen Sie, wie er entsteht und welche Destillerien Sie besuchen können.
Passend dazu: Die Stout-Stadt Cork mit Murphy’s und Beamish sowie unser Überblick Essen und Trinken in Irland.