Getränke und Spirituosen
Das wichtigste Getränk Irlands ist nicht Bier, sondern Tee: kräftig, schwarz und mit Milch. Daneben stehen Stout und Red Ale, Irish Whiskey, Cider aus Tipperary und Kilkenny, der Irish Coffee aus Foynes und der einst verbotene Poitín. Eine junge Craft-Szene ergänzt die Klassiker um Gin, Craft Cider und kleine Brennereien.
Wer an Irland denkt, denkt an das schwarze Pint mit der cremigen Schaumkrone. Doch das Getränkeangebot der Insel ist viel breiter. Tee gehört zu jedem Besuch bei Freunden und zu jedem Frühstück, in den Städten hat sich eine lebendige Kaffeeszene entwickelt, und in den Obstgärten des Südostens wird wieder Cider gekeltert. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die wichtigsten Getränke vor, von alkoholfrei bis hochprozentig. Bier und Whiskey haben wegen ihrer großen Bedeutung eigene Seiten; was rund um Essen und Trinken sonst noch wichtig ist, lesen Sie auf unserer Übersicht Essen und Trinken in Irland.
| Alltagsgetränk | Schwarzer Tee mit Milch, bekannte Marken Barry’s (Cork, seit 1901) und Lyons |
|---|---|
| Bier | Lager, Stout (Guinness, Beamish, Murphy’s), Red Ale (Smithwick’s), Craft Beer |
| Spirituosen | Irish Whiskey, Poitín (seit 2008 geschützte geografische Angabe), Irish Gin |
| Cider | Bulmers (in Nordirland und im Ausland Magners) aus Clonmel, dazu Craft Cider aus Armagh, Kilkenny, Tipperary und Waterford |
| Heißgetränk mit Geschichte | Irish Coffee, entstanden 1942/43 am Flugboothafen Foynes (County Limerick) |
| Mindestalter | Alkohol wird in der Republik Irland und in Nordirland ab 18 Jahren verkauft und ausgeschenkt |
Fragen, die wir beantworten
Warum trinken die Iren so viel Tee?
Tee ist in Irland Alltagsgetränk, Gastfreundschaft und Ritual zugleich. Die Iren gehören zu den Nationen mit dem höchsten Teekonsum pro Kopf weltweit und trinken ihn zu jeder Tageszeit, meist heiß, kräftig und mit einem Schuss Milch.
Seinen Siegeszug trat der Tee im 19. Jahrhundert an, als Irland Teil des Vereinigten Königreichs war und der Import über britische Handelswege lief. Was zunächst ein Luxus der Oberschicht war, wurde rasch zum Getränk aller Schichten. Getrunken werden kräftige Mischungen, oft mit hohem Anteil an Assam-Tee, die sich gut mit Milch vertragen. Zwei Marken teilen sich einen Großteil des Marktes: Barry’s, 1901 in Cork gegründet, und Lyons. Welche von beiden besser schmeckt, ist eine Frage, über die Iren gern und ausdauernd diskutieren.
Für Gäste bedeutet das: Die Frage „Will you have a cup of tea?“ kommt garantiert, ob im Bed and Breakfast, bei Freunden oder im Laden des Dorfes. Ein höfliches Ja ist der einfachste Weg ins Gespräch. Wer den Tee ohne Milch möchte, sagt das am besten gleich, denn die Milch landet sonst wie selbstverständlich in der Tasse. Zum Tee am Nachmittag gehören Scones mit Butter und Marmelade, Barmbrack, ein Hefe-Früchtebrot, oder ein Stück Porter Cake, der mit Stout gebacken wird.
Wie gut ist der Kaffee in Irland?
Heute gut, vor allem in den Städten: Dublin, Cork, Galway und Limerick haben eine ausgeprägte Szene unabhängiger Cafés mit Spezialitätenkaffee aus kleinen Röstereien. Auf dem Land und in einfachen Unterkünften ist löslicher Kaffee dagegen noch verbreitet.
Lange war Kaffee in Irland ein Getränk für besondere Anlässe. Eine traditionsreiche Ausnahme ist Bewley’s: Das 1840 in Dublin gegründete Tee- und Kaffeehandelshaus eröffnete 1927 sein berühmtes Café in der Grafton Street, dessen Bleiglasfenster von Harry Clarke zu den Kunstschätzen der Stadt zählen. Das Café hat in den vergangenen Jahren mehrfach geschlossen und wieder geöffnet; prüfen Sie vor einem Besuch den aktuellen Stand. Inzwischen findet man in jeder größeren Stadt Cafés, die Flat White und Filterkaffee auf hohem Niveau servieren, und selbst an abgelegenen Orten wie Malin Head an der Nordspitze Donegals steht ein Kaffeewagen mit Blick auf den Atlantik. Welche Cafés und Lokale in der Hauptstadt lohnen, lesen Sie auf unserer Seite Essen in Dublin.
Wer hat den Irish Coffee erfunden?
Als Erfinder gilt Joe Sheridan, Küchenchef am Flugboothafen von Foynes im County Limerick. Er soll 1942 oder 1943 durchgefrorenen Transatlantik-Passagieren Whiskey in den Kaffee gegeben haben, um sie aufzuwärmen.
Foynes am Shannon-Ästuar war in den 1930er- und 1940er-Jahren ein Drehkreuz für Flugboote zwischen Europa und Nordamerika. Als der Flugverkehr auf den neuen Flughafen Shannon umzog, wanderte auch das Getränk dorthin. Der amerikanische Reisejournalist Stanton Delaplane trank es in Shannon und brachte es nach San Francisco, wo das Buena Vista Café es ab November 1952 servierte; Sheridan selbst wanderte später dorthin aus. Das Foynes Flying Boat and Maritime Museum erinnert heute an die Flugbootära und an die Entstehung des Irish Coffee.
Das klassische Rezept ist schlicht: heißer, kräftiger Kaffee, ein Teelöffel brauner Zucker, ein Schuss Irish Whiskey und leicht angeschlagene, kalte Sahne, die man über einen Löffelrücken auf die Oberfläche gleiten lässt. Die Sahne darf sich nicht mit dem Kaffee vermischen, getrunken wird durch die Sahneschicht hindurch. Umrühren gilt als Stilbruch. Eine weitere irische Erfindung auf Whiskey-Basis ist der Sahnelikör Irish Cream, der in den 1970er-Jahren auf den Markt kam.
Warum heißt Bulmers außerhalb Irlands Magners?
Weil der Name Bulmers außerhalb der Republik Irland einem englischen Hersteller gehört. Derselbe Cider aus Clonmel heißt daher in der Republik Bulmers, in Nordirland, Großbritannien und allen anderen Märkten Magners.
Die Geschichte beginnt 1935, als William Magner in Clonmel im County Tipperary eine Ciderkelterei eröffnete. Der englische Hersteller H. P. Bulmer stieg kurz darauf ein und übernahm das Unternehmen bis 1946 vollständig, weshalb der Cider in Irland bis heute als Bulmers verkauft wird. Später ging die irische Marke an die C&C Group, während die weltweiten Rechte am Namen Bulmer in England blieben. Für den Export brauchte man deshalb einen neuen Namen und griff auf den Gründer zurück: Ab Ende der 1990er-Jahre kam Magners zunächst in Nordirland, später in Großbritannien und vielen weiteren Ländern auf den Markt, beworben als Cider, den man über Eis trinkt.
Cider hat in Irland eine lange Tradition. Schon ein Text aus dem 12. Jahrhundert lobt den Cider eines Ulster-Fürsten, und klassische Anbaugebiete sind Armagh, Kilkenny, Tipperary und Waterford. Laut Branchenzahlen entfallen rund 7,5 Prozent des Alkoholkonsums auf Cider. Neben den großen Marken wächst die Zahl kleiner Erzeuger, die aus eigenen Äpfeln trockene, oft naturtrübe Cider herstellen. Ein Beispiel sind die Highbank Organic Orchards bei Kilkenny, deren Obstgärten bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen und die neben Cider auch Apfelgin und Apfelbrand anbieten. Wer die Region besucht, findet Tipps auf unserer Seite zu Kilkenny.
Was ist Poitín und ist er legal?
Poitín, auch Poteen geschrieben, ist ein klarer Brand aus Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Melasse oder Molke, traditionell in kleinen Kupferkesseln gebrannt. Heute ist er legal, wenn er von lizenzierten Brennereien stammt; seit 2008 ist Irish Poitín eine geschützte geografische Angabe der EU.
Der Name leitet sich vom irischen Wort „pota“ für Topf ab, also vom kleinen Brennkessel. Schon 1556 führte ein Parlament in Drogheda eine Lizenzpflicht für das Brennen ein, und über Jahrhunderte entzog sich ein Großteil der Poitín-Herstellung jeder Steuer und Kontrolle. Besonders in abgelegenen Regionen im Westen wurde er heimlich gebrannt, versteckt in Hügeln, Mooren und auf Inseln, und spielt bis heute eine Rolle in Liedern und Geschichten. Seit 2015 regelt eine offizielle technische Spezifikation, wie legaler Poitín hergestellt werden muss.
Poitín kann sehr stark sein: Die zulässige Spanne reicht von etwa 40 bis 90 Prozent Alkohol. Im Geschmack ist er kräftig, getreidig und oft leicht ölig. Mehrere Brennereien haben ihn in den letzten Jahren als Basis für Cocktails neu entdeckt. Von schwarz gebranntem Poitín sollten Sie allerdings unbedingt die Finger lassen: Bei unsachgemäßer Destillation kann Methanol entstehen, das gesundheitsschädlich ist.
Welche Rolle spielen Bier, Whiskey und die Craft-Szene?
Bier ist das beliebteste alkoholische Getränk Irlands, Whiskey das bekannteste Exportprodukt. Daneben ist in den letzten Jahrzehnten eine vielfältige Craft-Szene aus kleinen Brauereien, Brennereien und Gin-Herstellern entstanden.
Beim Bier dominieren Lager und Stout, ergänzt durch das Irish Red Ale und eine wachsende Zahl unabhängiger Brauereien; mehr dazu auf unserer Seite Bier in Irland. Der Irish Whiskey erlebt nach einem jahrzehntelangen Niedergang seit den 1990er-Jahren eine Renaissance, die Zahl der Brennereien auf der Insel ist auf über 40 gestiegen. Herstellung, Sorten und besuchenswerte Destillerien beschreiben wir auf der Seite Irish Whiskey.
Viele der neuen Brennereien produzieren zunächst Gin, weil er nicht wie Whiskey mindestens drei Jahre reifen muss. Irischer Gin wird oft mit heimischen Pflanzen aromatisiert, etwa mit Algen, Heidekraut, Holunder oder Gagelstrauch. Zahlreiche Brauereien und Brennereien bieten Führungen und Verkostungen an, eine Auswahl von Genusserlebnissen von der Brauerei bis zum Obstgarten stellt Discover Ireland vor.
Wie bestellt man im Pub und was gilt beim Alkohol?
Bestellt und bezahlt wird in der Regel am Tresen, Tischbedienung ist im Pub die Ausnahme. Bier gibt es als Pint (568 Milliliter) oder als Glass, das einem halben Pint entspricht.
In Gruppen ist das Rundensystem verbreitet: Reihum zahlt jeder eine Runde für alle. Niemand erwartet dabei, dass Sie Alkohol trinken. Ein Softdrink, ein alkoholfreies Bier oder Wasser sind völlig normal, und wer früher gehen möchte, sagt das einfach. Kurz vor der Sperrstunde ruft das Personal „Last Orders“ aus, danach bleibt noch etwas Zeit zum Austrinken. Mehr über Atmosphäre, Musik und Gepflogenheiten im Pub erfahren Sie auf unserer Seite zu den irischen Pubs.
Alkohol ist in Irland vergleichsweise teuer, und der Konsum ist in den vergangenen 25 Jahren nach Angaben des Branchenverbands Drinks Ireland um gut ein Drittel zurückgegangen. Die Auswahl an alkoholfreien Bieren, Ciders und Spirituosen ist entsprechend gewachsen, auch Guinness gibt es alkoholfrei. Am Steuer gilt: Wer fährt, trinkt nicht, denn die Grenzwerte sind niedrig und die Polizei kontrolliert regelmäßig.
Häufige Fragen zu Getränken in Irland
Was ist das Nationalgetränk Irlands?
Im Alltag ist es eindeutig schwarzer Tee mit Milch. Als alkoholisches Nationalsymbol gelten das Stout, allen voran Guinness, und der Irish Whiskey.
Ist Bulmers dasselbe wie Magners?
Ja. Der Cider aus Clonmel heißt in der Republik Irland Bulmers und in Nordirland, Großbritannien und anderen Ländern Magners, weil die Namensrechte für Bulmer außerhalb der Republik bei einem englischen Hersteller liegen.
Darf man Poitín als Souvenir mitnehmen?
Legal hergestellter Poitín mit Etikett ist im Spirituosenhandel erhältlich und kann im Rahmen der üblichen Freimengen mitgenommen werden. Schwarz gebrannte Ware sollten Sie weder kaufen noch trinken.
Wo kann man den Irish Coffee am Ursprungsort probieren?
Im Foynes Flying Boat and Maritime Museum im County Limerick erfahren Sie die Geschichte des Getränks und können es dort probieren. Natürlich bekommen Sie einen Irish Coffee auch in fast jedem Pub und Hotel des Landes.
Gibt es in Irland Wein?
Das kühle, feuchte Klima eignet sich kaum für Weinbau, es gibt nur sehr wenige kleine Versuchsweinberge. Wein wird in Irland fast vollständig importiert, gute Weinkarten finden Sie dennoch in vielen Restaurants.
Vom Pint zur Destillerie
Irish Whiskey hat eine über 700-jährige Geschichte. Erfahren Sie, wie er hergestellt wird und welche Brennereien Sie besuchen können.
Passend dazu: Der Weg von Foynes führt über die Stadt Limerick, und wer das Stout an der Quelle erleben möchte, besucht das Guinness Storehouse in Dublin.