Essen und Trinken

Die irische Küche lebt von wenigen, sehr guten Grundprodukten: Fleisch und Milch von grasgefütterten Tieren, Fisch und Meeresfrüchte aus dem Atlantik, Kartoffeln und frisch gebackenes Brot. Dazu kommen Tee, Bier, Whiskey und Cider. Wer heute nach Irland reist, findet neben deftigen Klassikern eine lebendige Szene aus Märkten, Food-Festivals und regionalen Erzeugern.

Lange galt Irland nicht als Reiseziel für Feinschmecker. Dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt. Köchinnen und Köche besinnen sich auf heimische Zutaten, kleine Käsereien, Räuchereien und Bäckereien beliefern Restaurants im ganzen Land, und selbst in Dörfern abseits der großen Routen gibt es Pubs mit ordentlicher Küche. Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick über Esskultur, Mahlzeiten, typische Produkte, Food-Regionen und Feste. Die einzelnen Gerichte stellen wir ausführlich auf unserer Seite zur irischen Küche vor, die Getränke auf eigenen Unterseiten.

Typische GerichteIrish Stew, Bacon and Cabbage, Coddle, Colcannon, Boxty, Seafood Chowder, Full Irish Breakfast
Wichtige ProdukteLamm und Rind, Butter und Farmhouse-Käse, Lachs, Austern, Muscheln, Kaiserhummer (Dublin Bay Prawns), Soda Bread
Typische GetränkeSchwarzer Tee mit Milch, Stout, Red Ale, Irish Whiskey, Cider, Irish Coffee
Food-RegionenWest Cork, Kilkenny und Carlow, Burren (Clare), Dingle (Kerry), Galway Bay, Waterford
Bekannte MärkteEnglish Market in Cork (seit 1788), Bauern- und Wochenmärkte in vielen Kreisstädten
Food-FestivalsSaison etwa April bis November, z. B. Taste of Dublin (Juni), Galway Oyster and Seafood Festival (September), Savour Kilkenny (Oktober)

Wie isst man in Irland und wann gibt es welche Mahlzeit?

Der Tag beginnt mit einem kräftigen Frühstück, mittags isst man meist leicht, und abends folgt die warme Hauptmahlzeit. Tee begleitet fast jede Mahlzeit und wird zwischendurch zu jeder Tageszeit getrunken.

Das klassische Full Irish Breakfast mit Speck, Würstchen, Ei, Black und White Pudding, Tomate, Pilzen und Brot gehört für viele Reisende zu den Höhepunkten eines Irlandurlaubs, besonders im Bed and Breakfast. Im Alltag frühstücken viele Iren allerdings schlichter mit Porridge, Toast oder Müsli. Die große Pfanne ist eher etwas fürs Wochenende oder für Gäste. Wie das Frühstück im Norden als Ulster Fry aussieht und was alles dazugehört, lesen Sie auf unserer Seite zum irischen Frühstück.

Mittags genügt vielen eine Suppe mit Brot, ein Sandwich oder ein warmes Tagesgericht. Auf dem Land und bei der älteren Generation heißt die warme Mahlzeit am Mittag traditionell „dinner“, das einfachere Abendessen „tea“. In Städten und Restaurants hat sich dagegen der Rhythmus mit leichtem Lunch und warmem Abendessen durchgesetzt. Restaurants öffnen abends vergleichsweise früh; auf dem Land schließen Küchen nicht selten bereits gegen 21 Uhr, in Pubs teilweise noch früher.

Der Nachmittagstee mit Scones, Butter, Marmelade und Kuchen ist mehr als ein Getränk: Er ist ein Ritual, mit dem man Gäste empfängt und ins Gespräch kommt. Irland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Teekonsum pro Kopf weltweit. Getrunken wird kräftiger schwarzer Tee, fast immer mit Milch.

Welche Produkte prägen die irische Küche?

Die Grundlage bilden Weidewirtschaft und Meer: Lamm, Rind, Milchprodukte, Fisch und Meeresfrüchte, dazu Kartoffeln, Kohl und Wurzelgemüse. Das milde, feuchte Klima lässt Gras fast das ganze Jahr wachsen, was sich in Butter, Käse und Fleisch schmecken lässt.

Irische Butter ist dank der Weidehaltung kräftig gelb und wird großzügig verwendet, etwa auf frischem Soda Bread. Seit den 1970er- und 1980er-Jahren ist eine Szene kleiner Hofkäsereien entstanden, deren Farmhouse-Käse heute auf vielen Speisekarten steht. Bekannte Namen stammen etwa aus West Cork, wie Gubbeen, Durrus oder Milleens, und aus Tipperary, wie der Blauschimmelkäse Cashel Blue.

An den Küsten bestimmen Fisch und Meeresfrüchte das Angebot. Lachs und Kabeljau sind die am häufigsten gegessenen Fischarten, geräucherter Lachs gilt als Spezialität. Austern aus der Galway Bay, Miesmuscheln, Krabben, Hummer und die als Dublin Bay Prawns bekannten Kaiserhummer stehen in Küstenorten auf der Tageskarte. Dazu kommen Algen, die an der Westküste gesammelt und zunehmend in der Küche verwendet werden. Die Kartoffel, im späten 16. Jahrhundert eingeführt, ist untrennbar mit der irischen Geschichte verbunden; die Große Hungersnot von 1845 bis 1849, ausgelöst durch die Kartoffelfäule, hat das Land tief geprägt. Heute ist sie Beilage zu fast jedem Hauptgericht, als Püree, gebacken, als Champ mit Frühlingszwiebeln oder als Colcannon mit Kohl.

Tipp: Brot zum Mitnehmen. Kaufen Sie in einer Dorfbäckerei oder auf dem Markt einen Laib Brown Bread und ein Stück Farmhouse-Käse. Zusammen mit Butter ergibt das ein ausgezeichnetes Picknick für unterwegs.

Welche Themen rund ums Essen und Trinken lohnen sich?

Unsere Seiten zum Essen und Trinken führen Sie von der Küche über das Frühstück bis zu Bier und Whiskey. Hier finden Sie alle Unterseiten im Überblick:

  • Irische Küche: traditionelle Gerichte, Fisch und Meeresfrüchte, Soda Bread und die moderne irische Küche.
  • Irisches Frühstück: was zum Full Irish und zum Ulster Fry gehört und wo es am besten schmeckt.
  • Irish Stew: das bekannteste Nationalgericht, seine Zutaten, Varianten und ein Rezept zum Nachkochen.
  • Getränke und Spirituosen: Teekultur, Irish Coffee, Cider, Poitín und die junge Craft-Szene.
  • Bier in Irland: Stout, Red Ale und Craft Beer, dazu Tipps zum Bestellen im Pub.
  • Irish Whiskey: Herstellung, Single Pot Still, Geschichte und Destillerien, die man besuchen kann.
  • Essen in Dublin: Restaurants, Cafés, Märkte und typische Gerichte in der Hauptstadt.

Wo liegen Irlands beste Food-Regionen und Märkte?

Als Feinschmeckerregion gilt vor allem der Südwesten mit West Cork und Kerry, dazu Kilkenny und Carlow im Südosten, der Burren in Clare und die Küste rund um Galway. Die Wege zwischen Erzeuger und Restaurant sind dort besonders kurz.

Cork trägt nicht ohne Grund den Ruf als Hauptstadt des Essens. Mitten in der Stadt liegt der English Market, auf dem seit 1788 gehandelt wird; das heutige Gebäude stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Fischhändler und Metzger prägen die überdachte Halle, daneben finden Sie lokale Spezialitäten wie Spiced Beef oder Drisheen, eine Blutwurst aus der Region. Östlich der Stadt liegt in Shanagarry das Ballymaloe House, dessen Gründerin Myrtle Allen als Wegbereiterin der modernen irischen Küche gilt; die dortige Kochschule ist international bekannt. Weiter westlich reihen sich in West Cork Käsereien, Räuchereien und kleine Restaurants an der zerklüfteten Küste.

In Kilkenny und Carlow verbinden ausgeschilderte Food Trails Hofläden, Brauereien, Obstgärten und Cafés. Ein Beispiel ist die Forellenzucht Goatsbridge im County Kilkenny, ein Familienbetrieb seit 1961, der Führungen und Verkostungen von geräucherter Forelle und Forellenkaviar anbietet. In Kerry lockt Dingle mit Fischrestaurants und einer Kochschule, in der Gäste ihren Fang selbst angeln und zubereiten. An der Galway Bay dreht sich vieles um Austern und Muscheln, in Connemara um Algen und Meeresfrüchte. Im Burren schließlich hat sich eine Slow-Food-Bewegung etabliert, die Erzeuger und Gastronomen der Karstlandschaft zusammenbringt.

Was gibt es im Pub zu essen?

Viele Pubs servieren mittags und am frühen Abend eine einfache, ehrliche Küche: Suppe des Tages mit Brown Bread, Seafood Chowder, Fish and Chips, Irish Stew, Beef and Guinness Pie oder ein gegrilltes Sandwich. Das ist oft die günstigste Art, in Irland gut zu essen.

Besonders an der Küste lohnt die Seafood Chowder, eine sämige Fischsuppe mit Lachs, weißem Fisch und Muscheln, zu der fast immer hausgemachtes braunes Brot gereicht wird. Ein Beispiel ist das Long Dock in Carrigaholt am Shannon-Ufer von Clare, ein Pub aus den 1820er-Jahren, das für seine Chowder bekannt ist. Fish and Chips wiederum sind ein Klassiker zum Mitnehmen; in Dublin entstanden die ersten Imbisse dieser Art bereits in den 1880er-Jahren, und bis heute bestellt man dort „one and one“, also einmal Fisch und einmal Pommes. Viele Gastro-Pubs bieten inzwischen deutlich ambitioniertere Gerichte mit regionalen Zutaten an.

Abends wandelt sich das Bild: Dann steht in vielen Häusern die Musik im Vordergrund und die Küche ist geschlossen. Wer auf dem Land unterwegs ist, sollte daher rechtzeitig essen. Mehr über die Rolle des Pubs als Treffpunkt, über Sessions und Gepflogenheiten erfahren Sie auf unserer Seite zu den irischen Pubs.

Tipp: Nach der Küchenzeit fragen. Fragen Sie am Tresen kurz, bis wann warme Speisen serviert werden. Gerade in kleinen Orten endet die Küchenzeit oft früher, als das Schild an der Tür vermuten lässt.

Welche Food-Festivals gibt es in Irland?

Von April bis November finden in fast allen Regionen Food-Festivals statt, von kleinen Dorffesten bis zu mehrtägigen Großveranstaltungen. Sie bieten Kochvorführungen, Märkte mit regionalen Erzeugern, Verkostungen und Livemusik.

Den Auftakt macht im Frühjahr das Waterford Festival of Food in Dungarvan und Lismore. Im Mai folgen das Burren Slow Food Festival in Lisdoonvarna, das Ballymaloe Festival of Food in Shanagarry und das Howth Maritime and Seafood Festival im Hafen nördlich von Dublin. Im Juni lädt Taste of Dublin auf den Merrion Square ein, wo bekannte Restaurants der Hauptstadt Probierportionen anbieten. Der Sommer bringt unter anderem Taste of Sligo, Cork on a Fork und das Dalkey Lobster Festival.

Im Herbst stehen Meeresfrüchte und Ernte im Mittelpunkt: das Waterford Harvest Festival im September, das Galway International Oyster and Seafood Festival Ende September mit Austernöffner-Meisterschaft, das Dingle Food Festival Anfang Oktober mit Probierpfad durch den Ort und Savour Kilkenny mit Markt am Kilkenny Castle Ende Oktober. Den Abschluss bildet das Samhain Festival of Food and Culture in Kells. Die genauen Termine wechseln von Jahr zu Jahr; eine aktuelle Übersicht veröffentlicht Discover Ireland. Musik-, Literatur- und Kulturfeste stellen wir auf unserer Seite zu den Festivals in Irland vor.

Was sollten Sie beim Essengehen in Irland wissen?

Reservieren Sie in beliebten Restaurants rechtzeitig, vor allem am Wochenende und in der Hauptsaison. Trinkgeld ist kein Muss, bei Tischbedienung sind etwa zehn Prozent bei gutem Service jedoch üblich; im Pub am Tresen gibt man in der Regel nichts.

Das Preisniveau in Irland liegt über dem deutschen, besonders in Dublin. Günstiger essen Sie mittags, wenn viele Restaurants Lunch-Menüs oder kleinere Gerichte anbieten, sowie im Pub. Viele Restaurants bieten frühe Abendmenüs zu einem festen Preis an, die sogenannten Early Bird Menus. In der Republik Irland zahlen Sie mit Euro, in Nordirland mit Pfund Sterling; Kartenzahlung ist fast überall möglich.

Vegetarier und Veganer finden in Städten inzwischen ein breites Angebot, auf dem Land ist die Auswahl kleiner, aber Suppen und Gemüsegerichte gibt es fast immer. Alkohol wird in Irland ab 18 Jahren ausgeschenkt; der Alkoholkonsum ist laut dem Branchenverband Drinks Ireland in den vergangenen 25 Jahren um gut ein Drittel gesunken, und alkoholfreie Biere sowie Softdrinks sind im Pub selbstverständlich. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte konsequent auf Alkohol verzichten: Die Kontrollen sind streng, und die Landstraßen verlangen volle Konzentration.

Tipp: Early Bird nutzen. Wer zwischen etwa 17 und 19 Uhr isst, bekommt in vielen Restaurants ein Menü mit zwei oder drei Gängen deutlich günstiger als à la carte.

Häufige Fragen zum Essen und Trinken in Irland

Was ist das Nationalgericht Irlands?

Als Nationalgericht gilt das Irish Stew, ein Eintopf aus Lamm- oder Hammelfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und oft Karotten. Ähnlich verbreitet sind Bacon and Cabbage sowie in Dublin der Coddle mit Würstchen und Speck. Zum Frühstück ist das Full Irish der Klassiker.

Ist die irische Küche nur deftig?

Nein. Neben kräftigen Eintöpfen und dem großen Frühstück bietet Irland frischen Fisch, Austern, Muscheln und Lachs, ausgezeichnete Milchprodukte und Käse. Die moderne irische Küche verarbeitet diese Zutaten leicht und saisonal.

Was trinkt man in Irland am häufigsten?

Das meistgetrunkene Getränk ist schwarzer Tee mit Milch. Unter den alkoholischen Getränken ist Bier am beliebtesten, vor allem Lager und Stout. Whiskey und Cider spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Wo isst man in Irland günstig?

Am günstigsten essen Sie mittags im Pub oder Café, bei Fish and Chips zum Mitnehmen und mit Early-Bird-Menüs am frühen Abend. Auf Märkten bekommen Sie gute Zutaten für ein Picknick.

Wann ist die beste Zeit für Food-Festivals?

Die meisten Feste liegen zwischen Mai und Oktober. Für Meeresfrüchte und Austern sind September und Oktober besonders interessant, etwa mit dem Oyster Festival in Galway und dem Dingle Food Festival.

Von der Speisekarte zum Kochtopf

Welche Gerichte Sie in Irland unbedingt probieren sollten und wie sie zubereitet werden, zeigen wir Ihnen auf unserer Küchenseite.

Weiter zur irischen Küche

Passend dazu: Die Hafenstadt Cork mit dem English Market und die Austernstadt Galway eignen sich ideal für eine genussvolle Städtereise.