Christ Church Cathedral

Christ Church Cathedral ist die ältere der beiden mittelalterlichen Kathedralen Dublins und steht am Christchurch Place in der Altstadt. Gegründet um 1030 von Wikingern, bietet sie normannische Baukunst, das Strongbow-Grab und die größte Kathedralkrypta Irlands und Großbritanniens. Eine überdachte Brücke führt hinüber zur Ausstellung Dublinia.

Wer vom Dublin Castle die Lord Edward Street hinaufgeht, sieht die graue Kathedrale mit ihrem wuchtigen Turm auf der Anhöhe über der Liffey. Hier lag das Herz der Wikingerstadt, und hier entschied sich jahrhundertelang, wer in Dublin das Sagen hatte. Christ Church ist bis heute eine lebendige Kirche der Church of Ireland mit täglichen Gottesdiensten und einem berühmten Chor. Zugleich ist sie einer der Ankerpunkte für einen Rundgang zu den Kirchen und religiösen Stätten Dublins, die oft nur wenige Gehminuten voneinander entfernt liegen.

LageChristchurch Place, Wood Quay, Dublin 8, am Westrand von Temple Bar
Gegründetum 1030; heutiger Steinbau ab den 1180er-Jahren, umfassend restauriert 1871 bis 1878
KonfessionChurch of Ireland, Kathedrale der vereinigten Diözesen Dublin und Glendalough
EintrittBesichtigung kostenpflichtig, Tickets online; Kombiticket mit Dublinia möglich
Zeitbedarfbis zu einer Stunde, mit Dublinia zwei bis drei Stunden
KontaktTelefon +353 1 677 8099, welcome@christchurch.ie

Wie alt ist die Christ Church Cathedral?

Die erste Kirche an dieser Stelle ließ der Wikingerkönig Sitric Seidenbart um 1030 errichten. Der heutige Steinbau entstand ab den 1180er-Jahren unter den anglonormannischen Eroberern und wurde im 19. Jahrhundert grundlegend erneuert.

Sitric, der hiberno-nordische Herrscher von Dublin, stiftete die Kirche wahrscheinlich nach einer Pilgerreise nach Rom; erster Bischof war Dúnán. 1152 wurde das Bistum in die irische Kirche eingegliedert, 1163 machte Erzbischof Laurence O’Toole, der spätere Schutzpatron Dublins, aus der Kathedrale ein Augustinerpriorat. Nach der normannischen Eroberung von 1169 bis 1171 finanzierten Richard de Clare, genannt Strongbow, und andere normannische Adlige einen prachtvollen Neubau aus Stein. Weihnachten 1171 nahm König Heinrich II. hier am Gottesdienst teil.

Die folgenden Jahrhunderte setzten dem Bau zu. 1562 gaben die Fundamente des Kirchenschiffs nach, die Südwand und das Gewölbe stürzten ein. 1597 beschädigte eine Schießpulverexplosion an einem nahen Kai den Turm und ließ die Glocken springen. Nach der Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII. wurde das Priorat in ein weltliches Kapitel umgewandelt, die Kathedrale ging an die anglikanische Staatskirche über.

Ihr heutiges Aussehen verdankt die Kirche vor allem der Restaurierung von 1871 bis 1878. Der englische Architekt George Edmund Street baute den Chor weitgehend neu, restaurierte Turm und Kirchenschiff und orientierte sich dabei am gotischen Original. Finanziert wurde das Projekt vom Whiskeybrenner Henry Roe, der dafür einen großen Teil seines Vermögens einsetzte. Original mittelalterlich sind vor allem Teile des Kirchenschiffs aus den 1230er-Jahren, die Querschiffe und die Krypta.

Was sehen Sie im Kirchenschiff?

Im Inneren fallen zuerst die gotischen Arkaden, die Bodenfliesen aus der Zeit der Restaurierung und das Grabmal Strongbows auf. In einer Seitenkapelle wird das Herz des heiligen Laurence O’Toole verwahrt.

Das Grabmal mit der liegenden Ritterfigur gilt als Strongbows Grab, ist aber ein Ersatz: Das Original zerbrach beim Einsturz von 1562, man ersetzte es durch eine Figur aus Drogheda. Daneben liegt eine kleinere Halbfigur, um die sich Legenden ranken. Im Mittelalter war das Grabmal so bekannt, dass dort Verträge und Zahlungen abgeschlossen wurden.

Achten Sie auf die verzogene Nordwand des Kirchenschiffs: Sie neigt sich sichtbar nach außen und erinnert an die Bauprobleme auf dem weichen Untergrund. Das Herz des Stadtpatrons in einem herzförmigen Reliquiar hat eine bewegte Geschichte. 2012 wurde es gestohlen, 2018 tauchte es im Phoenix Park wieder auf und kehrte in die Kathedrale zurück. Bemerkenswert ist auch das Geläut: Seit 1999 hängen im Turm 20 Glocken, so viele Wechselläute-Glocken wie in keiner anderen Kirche der Welt.

Tipp: Evensong erleben. Der Chor der Kathedrale singt regelmäßig den Abendgottesdienst. Wer die Kirche im Kerzenlicht mit Chormusik erleben möchte, findet die Termine auf der Website der Kathedrale.

Was zeigt die mittelalterliche Krypta?

Die Krypta aus den Jahren um 1172 ist mit 63,4 Metern die größte Kathedralkrypta in Irland und Großbritannien und erstreckt sich unter der gesamten Kirche. Sie ist der älteste erhaltene Teil des Baus und beherbergt die Ausstellung Treasures of Christ Church.

Nach einer Renovierung Anfang der 2000er-Jahre ist das niedrige Gewölbe gut beleuchtet und zugänglich. Die Schatzkammer zeigt kirchliches Silber, darunter das königliche Tafelsilber, das Wilhelm III. 1697 nach seinem Sieg in der Schlacht am Boyne stiftete, sowie eine seltene Abschrift der Magna Carta Hiberniae aus dem 14. Jahrhundert. Handschriften und liturgische Gegenstände decken fast tausend Jahre Kirchengeschichte ab.

Daneben gibt es Kurioses: eine mumifizierte Katze und eine Ratte, die offenbar in einer Orgelpfeife verendeten, zwei Statuen vom alten Rathaus Tholsel, einen Pranger von 1670 und ein Tabernakel, das 1690 unter dem katholischen König Jakob II. kurz in Gebrauch war. Für Serienfans interessant sind Kostüme aus der Fernsehserie Die Tudors, die teilweise in Irland gedreht wurde.

Wie hängen Christ Church und Dublinia zusammen?

Eine überdachte Fußgängerbrücke über die Straße verbindet die Kathedrale mit der ehemaligen Synod Hall, in der heute die Ausstellung Dublinia untergebracht ist. Beide lassen sich mit einem Kombiticket besuchen.

Die Synod Hall und die markante Brücke entstanden ebenfalls bei der Restaurierung durch George Edmund Street in den 1870er-Jahren. Die Halle diente als Tagungsort der Kirchensynode, heute erzählt Dublinia anschaulich vom Leben im Wikinger- und im mittelalterlichen Dublin, mit nachgebauten Straßen, Ausgrabungsfunden und Mitmachstationen für Kinder. Die Kombination ist besonders für Familien sinnvoll: Erst die Geschichte der Stadt kennenlernen, dann über die Brücke in die Kirche gehen, deren Gründung in der Ausstellung eine Rolle spielt.

Warum hat Dublin zwei mittelalterliche Kathedralen?

Christ Church entstand als Bischofskirche der Wikingerstadt innerhalb der Mauern, St. Patrick’s wurde 1191 vor den Mauern gegründet. Ein Abkommen von 1300, die Pacis Compositio, regelte den Rang beider Kirchen.

Lange stritten die beiden Kapitel darüber, welche Kirche die eigentliche Kathedrale sei. Die Pacis Compositio legte fest, dass beide als Kathedralen gelten und Christ Church einen gewissen Vorrang genießt. Nach der Reformation gingen beide an die Church of Ireland über. Heute ist Christ Church die Kathedrale des anglikanischen Erzbischofs von Dublin, während die St. Patrick’s Cathedral als Nationalkathedrale der Church of Ireland dient. Die katholische Bischofskirche ist die St. Mary’s Pro-Cathedral auf der Nordseite der Liffey. Beide anglikanischen Kathedralen erhalten keine regelmäßige staatliche Förderung und finanzieren sich wesentlich über Eintrittsgelder und Spenden.

Wie planen Sie Ihren Besuch?

Für die Kathedrale mit Krypta genügt etwa eine Stunde. Tickets kaufen Sie am einfachsten online über die Website der Kathedrale, wo auch die aktuellen Öffnungszeiten stehen.

Die Öffnungszeiten ändern sich mit den Jahreszeiten und wegen Gottesdiensten, Konzerten und Trauungen; sonntags ist die Besichtigung meist nur zwischen den Gottesdiensten möglich. Prüfen Sie den Tag Ihres Besuchs deshalb vorher online. Zum Gottesdienst sind Gläubige jederzeit willkommen, eine Kapelle steht zum stillen Gebet offen. Den Kartenkauf über unseren Partner finden Sie weiter unten. Aktuelle Hinweise des Fremdenverkehrsamts bietet auch Visit Dublin. Die Kathedrale liegt zentral: Zu Fuß sind es vom Trinity College etwa 15 Minuten, zahlreiche Buslinien halten in der Nähe an der Werburgh Street und am Christchurch Place.

Was liegt rund um die Kathedrale?

Rund um Christ Church liegen einige der ältesten Orte Dublins: Wood Quay mit den Resten der Wikingerstadt, St. Audoen’s Church, Dublin Castle und Temple Bar. Bis St. Patrick’s Cathedral sind es nur wenige Minuten zu Fuß.

Unter dem Gelände der Stadtverwaltung am Wood Quay wurden in den 1970er-Jahren umfangreiche Reste der Wikingersiedlung ausgegraben. Gleich westlich steht St. Audoen’s, die älteste noch genutzte Pfarrkirche der Stadt, daneben ist ein Stück der mittelalterlichen Stadtmauer mit dem Tor St. Audoen’s Arch erhalten. In der Fishamble Street hinter der Kathedrale wurde 1742 Händels Messias uraufgeführt. Nach Osten geht es über die Lord Edward Street zum Dublin Castle mit der Chester Beatty Library und weiter in die Pubgassen von Temple Bar.

Tour-Tipp: Eintrittskarte & individuelle Tour

Häufige Fragen zur Christ Church Cathedral

Ist Christ Church älter als St. Patrick’s Cathedral?

Ja. Christ Church wurde um 1030 gegründet, St. Patrick’s erst 1191. Beide heutigen Bauten stammen im Kern aus dem Mittelalter und wurden im 19. Jahrhundert stark restauriert.

Ist Strongbow wirklich in Christ Church begraben?

Der normannische Eroberer wurde nach der Überlieferung hier bestattet. Das heutige Grabmal ist jedoch ein Ersatz, denn das Original zerbrach 1562 beim Einsturz des Gewölbes. Die Ritterfigur stammt aus Drogheda.

Kann man Christ Church und Dublinia an einem Tag besuchen?

Ja, beide sind über eine überdachte Brücke verbunden, und es gibt ein Kombiticket. Zusammen sollten Sie etwa zwei bis drei Stunden einplanen.

Was ist das Besondere an der Krypta?

Sie ist die größte Kathedralkrypta Irlands und Großbritanniens und reicht unter die gesamte Kirche. Zu sehen sind der Kirchenschatz mit dem Silber Wilhelms III., eine Abschrift der Magna Carta Hiberniae und die berühmte mumifizierte Katze mit Ratte.

Darf man während der Gottesdienste hinein?

Zum Gottesdienst sind alle willkommen, eine Besichtigung ist währenddessen aber nicht möglich. Wer die Kirche in Ruhe ansehen möchte, kommt an einem Werktag außerhalb der Gottesdienstzeiten.

Mittelalterliches Dublin entdecken

Gleich über die Brücke erzählt Dublinia, wie die Wikinger- und Normannenstadt rund um die Kathedrale lebte.

Weiter zu Dublinia

Passend dazu: das Dublin Castle wenige Gehminuten östlich, die St. Michan’s Church jenseits der Liffey und die Geschichte Dublins von den Wikingern bis heute.

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