Custom House

Das Custom House ist das ehemalige Zollhaus Dublins am Nordufer der Liffey, entworfen von James Gandon und 1791 eröffnet. Nach dem Brand von 1921 wieder aufgebaut, zeigt es heute ein Besucherzentrum des OPW zu Architektur, Feuer und Wiederaufbau. Nur wenige Schritte entfernt erzählt EPIC im CHQ-Gebäude die Geschichte der irischen Auswanderung.

Wer vom Südufer über die Liffey blickt, sieht eine der schönsten Fassaden der Stadt: eine lange, symmetrische Front aus hellem Stein, ein Säulenportikus in der Mitte und darüber eine grüne Kuppel. Das Custom House gilt als Hauptwerk des georgianischen Dublin und wurde lange Zeit nur von außen bewundert, weil es ausschließlich als Behördensitz diente. Seit Ende 2021 können Sie auch hinein. Das Gebäude erzählt dabei weit mehr als Baugeschichte, nämlich ein Stück Geschichte Dublins vom Handelsboom des 18. Jahrhunderts bis zum Unabhängigkeitskrieg. Zusammen mit dem nahen Auswanderermuseum EPIC füllt es gut einen halben Tag in den Docklands.

LageCustom House Quay, Dublin 1 (D01 W6X0), Nordufer der Liffey zwischen Butt Bridge und Talbot Memorial Bridge
BetreiberOffice of Public Works (OPW), Heritage Ireland; im Gebäude sitzt außerdem das Ministerium für Wohnen, Kommunalverwaltung und Kulturerbe
Öffnungszeitenganzjährig täglich ca. 9:30 bis 17:30 Uhr, letzter Einlass ca. 16:45 Uhr (Stand 2026)
Eintrittca. 8 € Erwachsene mit Führung, ca. 6 € ohne Führung; ermäßigte Tarife für Senioren, Kinder, Studierende und Familien (Stand 2026)
Zeitbedarfrund 1 Stunde für das Besucherzentrum, mit EPIC zusätzlich etwa 90 Minuten
AnreiseLuas Red Line bis Busáras oder Abbey Street, DART und Züge bis Connolly oder Tara Street, jeweils wenige Gehminuten
KontaktTelefon 046 940 7146, customhousevc@opw.ie

Was erwartet Sie im Besucherzentrum des Custom House?

Sie sehen eine Ausstellung über mehr als 230 Jahre Geschichte des Gebäudes: seinen umstrittenen Bau, politische Skandale, den Brand von 1921 und den Wiederaufbau. Das Besucherzentrum öffnete im November 2021, genau hundert Jahre nach der Zerstörung.

Bis dahin war das Custom House für Besucher tabu, weil es ausschließlich als Verwaltungssitz diente. Heute führt die Ausstellung in Räume unter der Kuppel und erklärt anschaulich, wie das Zollhaus funktionierte, wer hier arbeitete und welche Rolle das Gebäude in den Jahren vor der Unabhängigkeit spielte. Ein eigener Bereich widmet sich Michael Collins und dem Unabhängigkeitskrieg, ein anderer den sogenannten River Gods, den steinernen Flussgöttern der Fassade.

Sie können wählen, ob Sie mit einer Führung oder auf eigene Faust durch die Räume gehen. Für die Ausstellung steht ein Audioguide bereit, außerdem gibt es eine Führung zu den Außenskulpturen. Das Gebäude hat einen Aufzug und eine rollstuhlgerechte Toilette. Wer auf Mobilitätshilfe angewiesen ist, meldet sich laut Betreiber mindestens drei Tage vorher beim Besucherzentrum. Tickets lassen sich online buchen, was in der Hauptsaison und bei Führungen sinnvoll ist.

Tipp: Lieber mit Führung. Der Aufpreis gegenüber dem Besuch auf eigene Faust ist gering, und die Guides erzählen die Anekdoten rund um Bauherr, Architekt und Brandnacht deutlich lebendiger als jede Texttafel.

Wer baute das Custom House und warum war es umstritten?

Der Architekt war James Gandon, Bauherr die Zollbehörde unter John Beresford. Gebaut wurde ab 1781, am 7. November 1791 nahm das Zollhaus den Betrieb auf. Die Kosten lagen bei rund 200.000 Pfund, für damalige Verhältnisse eine enorme Summe.

Dublin erlebte im 18. Jahrhundert einen Handelsboom, und das alte Zollhaus von Thomas Burgh aus dem Jahr 1707 weiter flussaufwärts galt bald als ungeeignet. John Beresford, der erste Steuerkommissar für Irland, setzte einen Neubau weiter östlich durch. Als der ursprünglich vorgesehene Architekt Thomas Cooley starb, holte Beresford 1781 den in London ausgebildeten James Gandon nach Dublin. Für Gandon war das Custom House der erste große Auftrag in der Stadt; später folgten die Four Courts am Inns Quay und die King’s Inns. Gemeinsam prägen diese Bauten bis heute das Bild der Liffey-Kais.

Begeistert waren nicht alle. Dublin Corporation und viele Kaufleute fürchteten, dass sich das Zentrum der Stadt nach Osten verschiebt und der Platz für die Schiffe zu knapp wird. Das Baugelände lag zudem auf aufgeschüttetem, sumpfigem Land, der Kauf der Grundstücke zog sich hin und wurde teuer. Bei den Fundamentarbeiten störte sogar eine Menge von mehreren Tausend Menschen die Baustelle. Beresford hielt dennoch an seinem Plan fest. Ironie der Geschichte: Schon wenige Jahrzehnte nach der Eröffnung wanderte der Hafen weiter flussabwärts, und das prächtige Zollhaus verlor seine ursprüngliche Aufgabe. Es diente danach als Sitz verschiedener Behörden, im 19. Jahrhundert vor allem der Kommunalverwaltung.

Wie belebt das Ufer um das Zollhaus einst war, zeigen Ansichten aus den Jahren nach der Eröffnung, etwa die Stiche von James Malton aus den 1790er-Jahren. Sie zeigen Segelschiffe, Kutschen und Lastträger vor der hellen Fassade.

Welche Skulpturen schmücken die Fassaden?

Berühmt sind die 14 Flussköpfe von Edward Smyth über den Bögen und Fenstern. Sie stellen den Atlantik und die großen Flüsse Irlands als bärtige Gesichter dar, geschmückt mit Früchten, Fischen und Waren der jeweiligen Region. Die Figur auf der Kuppel stammt von Henry Banks.

Edward Smyth war ein Dubliner Bildhauer, den Gandon für die reiche Bauplastik gewann. Die Köpfe, im Volksmund River Gods genannt, sind mehr als Dekoration: Sie feiern Irland als Handelsnation, deren Flüsse Waren zu den Häfen bringen. Mit etwas Geduld lassen sich Attribute wie Weintrauben, Kornähren oder Fische erkennen. Die Südfassade zum Fluss hin ist die repräsentativste Seite mit dem Portikus aus dorischen Säulen und einer Figurengruppe im Giebel. Auch die übrigen Seiten tragen Skulpturenschmuck, sodass sich ein vollständiger Rundgang um das Gebäude lohnt.

Wer genau hinsieht, bemerkt außerdem einen Farbunterschied: Die beim Wiederaufbau erneuerte Kuppel ist aus dunklerem irischen Kalkstein gefertigt, während Gandon ursprünglich hellen Portland-Stein aus England verwendet hatte. Diese sichtbare Narbe ist ein stiller Hinweis auf das Feuer von 1921.

Was geschah beim Brand im Mai 1921?

Am 25. Mai 1921, mitten im irischen Unabhängigkeitskrieg, steckten rund 120 Freiwillige der Dublin Brigade der IRA das Custom House in Brand. Ziel war, die Verwaltung der britischen Herrschaft zu treffen, denn im Gebäude lagen Steuer- und Kommunalakten.

Das Feuer wütete fünf Tage lang. Gandons ursprüngliche Innenausstattung ging vollständig verloren, die Kuppel stürzte ein. Unwiederbringlich verbrannt sind auch große Bestände historischer Dokumente, darunter jahrhundertealte Unterlagen der irischen Kommunalverwaltung. Militärisch war die Aktion für die IRA ein schwerer Rückschlag: Fünf Freiwillige starben, rund 80 wurden festgenommen, außerdem kamen Zivilisten ums Leben, unter ihnen der Hausmeister des Gebäudes. Propagandistisch dagegen galt der Angriff als Erfolg, weil er zeigte, dass die Republikaner mitten in der Hauptstadt zuschlagen konnten. Wenige Wochen später, am 11. Juli 1921, trat der Waffenstillstand in Kraft, im Dezember folgte der Anglo-Irische Vertrag.

Ältere Darstellungen ordnen den Brand mitunter dem Bürgerkrieg zu, das ist falsch: Der Bürgerkrieg begann erst 1922. Nach dem Vertrag ließ die Regierung des Irischen Freistaats das Custom House wieder aufbauen, das Innere allerdings deutlich schlichter als zuvor. In den 1980er-Jahren reinigte und restaurierte das OPW die Steinfassaden gründlich. Seither strahlt das Gebäude wieder hell über die Liffey.

Tipp: Abends fotografieren. Die schönste Ansicht haben Sie vom Südufer am George’s Quay. Nach Sonnenuntergang wird die Fassade angestrahlt und spiegelt sich bei ruhigem Wasser im Fluss.

Was zeigt EPIC The Irish Emigration Museum?

EPIC ist ein interaktives Museum über die irische Auswanderung und darüber, was Iren in der Welt bewirkt haben. Es liegt in den Gewölben des CHQ-Gebäudes am Custom House Quay, nur wenige Gehminuten östlich des Zollhauses, und öffnete im Mai 2016.

Das CHQ-Gebäude selbst passt gut zum Thema: Es entstand um 1820 nach Plänen von John Rennie als Zolllager im Hafen und wurde Anfang der 2000er-Jahre restauriert. In den alten Backsteingewölben verteilen sich heute 20 Galerien, gegliedert in vier Themen: Migration, Motivation, Einfluss und die heutige Diaspora. Sie erfahren, warum Menschen seit dem frühen Mittelalter Irland verließen, ob als Mönche, Soldaten, Strafgefangene, Hungerflüchtlinge oder Arbeitsmigranten, und wie Iren und ihre Nachfahren später Politik, Sport, Wissenschaft, Musik und Literatur in aller Welt prägten.

Das Museum ist privat geführt. Gegründet hat es Neville Isdell, ein in Irland geborener früherer Chef von Coca-Cola. Bei den World Travel Awards wurde EPIC 2019, 2020 und 2021 als führende Touristenattraktion Europas ausgezeichnet. Für den Rundgang mit Touchscreens, Filmen und einem Reisepass, den Sie unterwegs abstempeln, sollten Sie rund 90 Minuten einplanen. Der Eintritt beträgt laut offizieller Website von EPIC ab ca. 22 € für Erwachsene, geöffnet ist täglich ca. 10:00 bis 18:45 Uhr bei letztem Einlass um 17:00 Uhr (Stand 2026). Eine tägliche Führung auf Englisch sowie Kombitickets mit dem Auswandererschiff Jeanie Johnston werden ebenfalls angeboten.

Wer eigene irische Vorfahren sucht, findet im Haus das Irish Family History Centre. Dort helfen Genealogen bei der Ahnenforschung, von einer kurzen Beratung bis zu umfangreicheren Recherchepaketen. Eine Voranmeldung ist ratsam.

Wie kommen Sie zum Custom House?

Das Custom House liegt mitten im Zentrum, von der O’Connell Street sind es zu Fuß nur etwa fünf bis zehn Minuten. Die Luas-Haltestelle Busáras der Red Line liegt direkt hinter dem Gebäude.

Gleich nebenan befinden sich der zentrale Busbahnhof Busáras und der Bahnhof Connolly, von dem DART-Züge entlang der Küste und Regionalzüge abfahren. Auch Tara Street am Südufer ist nur eine Brücke entfernt. Mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, lohnt sich kaum, Parkplätze sind knapp und teuer. Tickets, Tarife und die Leap Card erklärt unsere Seite zum Nahverkehr in Dublin.

Zu Fuß bietet sich der Weg am Fluss an: Von der O’Connell Bridge gehen Sie am Eden Quay ostwärts unter der Eisenbahnbrücke hindurch und stehen nach wenigen Minuten vor der Westfassade. Wer weiter zum EPIC möchte, folgt dem Custom House Quay flussabwärts in Richtung Docklands.

Was lohnt sich in der Umgebung?

Am Kai östlich des Custom House erinnern die Famine-Skulpturen an die Große Hungersnot, gleich daneben liegt das Nachbauschiff Jeanie Johnston. Weiter flussabwärts beginnen die modernen Docklands mit Finanzzentrum, Konzertsaal und neuen Brücken.

Die hageren Bronzefiguren des Bildhauers Rowan Gillespie am Custom House Quay zählen zu den eindrucksvollsten Denkmälern der Stadt. Sie stehen dort, wo in den 1840er-Jahren Schiffe mit Auswanderern ablegten, und schlagen so eine Brücke zum Thema von EPIC. Die Jeanie Johnston ist der Nachbau eines Auswandererschiffs, das zur Zeit der Hungersnot Menschen nach Nordamerika brachte, und kann besichtigt werden.

Richtung Westen erreichen Sie in wenigen Minuten die O’Connell Street mit dem General Post Office, dem Hauptquartier des Osteraufstands von 1916. Wer sich für Dublins politische Bauten interessiert, findet weitere Ziele in unserer Rubrik Politik und Regierung, etwa die City Hall an der Dame Street. Am Südufer locken danach Trinity College und die Einkaufsstraßen um die Grafton Street.

Bilder des Custom House in Dublin

Häufige Fragen zum Custom House und EPIC

Kann man das Custom House von innen besichtigen?

Ja, seit November 2021 gibt es ein Besucherzentrum des OPW. Sie können es mit Führung oder auf eigene Faust besuchen, weite Teile des Gebäudes bleiben aber Büros des Ministeriums und sind nicht zugänglich.

Wann wurde das Custom House gebaut?

Der Bau begann 1781, eröffnet wurde das Zollhaus am 7. November 1791. Architekt war James Gandon, der danach auch die Four Courts und die King’s Inns entwarf.

Warum ist die Kuppel dunkler als der Rest?

Nach dem Brand von 1921 wurde die eingestürzte Kuppel aus dunklerem irischen Kalkstein neu errichtet. Das ursprüngliche Gebäude war aus hellem Portland-Stein gebaut.

Lohnt sich EPIC auch ohne irische Vorfahren?

Ja, das Museum erzählt allgemeine Geschichte über Migration und den weltweiten Einfluss irischer Auswanderer, unterhaltsam und interaktiv. Wer Vorfahren in Irland hat, kann zusätzlich das Irish Family History Centre im Haus nutzen.

Lassen sich Custom House und EPIC an einem Vormittag verbinden?

Gut sogar, beide liegen nur wenige Gehminuten auseinander. Rechnen Sie etwa eine Stunde für das Custom House und rund 90 Minuten für EPIC, dazu einen kurzen Halt bei den Famine-Skulpturen am Kai.

Mehr über Dublins Vergangenheit

Vom Wikingerhafen bis zum Unabhängigkeitskrieg: Die Geschichte der Stadt im Überblick.

Weiter zur Geschichte Dublins

Passend dazu: die City Hall von Dublin, die Besucherinformationen von Heritage Ireland zum Custom House und unsere Auswahl der zehn unverzichtbaren Ziele in Dublin.

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