O’Connell Bridge
Die O’Connell Bridge ist Dublins zentrale Straßenbrücke über die Liffey und verbindet die Südseite mit der O’Connell Street, dem Prachtboulevard der Nordseite. Die Brücke ist etwas breiter als lang. Von hier erreichen Sie zu Fuß The Spire, das General Post Office und die Ha’penny Bridge.
Fast jeder Dublin-Besuch führt irgendwann über diese Brücke. Wer vom Trinity College über die Westmoreland Street nach Norden geht, steht plötzlich auf einer Plattform über dem Fluss, mit Blick flussabwärts zum Custom House und flussaufwärts zur weißen Ha’penny Bridge. Hinter Ihnen liegt die Southside mit Temple Bar, vor Ihnen die breite O’Connell Street mit ihren Denkmälern und der silbernen Nadel The Spire. Diese Seite bündelt Brücke, Boulevard und die wichtigsten Liffey-Querungen und ist ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang zu den historischen Sehenswürdigkeiten Dublins.
| Lage | Stadtzentrum Dublin, zwischen Westmoreland/D’Olier Street (Süd) und O’Connell Street (Nord) |
|---|---|
| Erbaut | als Carlisle Bridge 1791 bis 1794 nach Plänen von James Gandon; Neubau und Verbreiterung 1877 bis 1880 |
| Maße | rund 45 m Spannweite, rund 50 m breit |
| Material | Granit, Balustrade aus Portland-Stein |
| Anreise | Luas Green Line, zahlreiche Buslinien; vom Trinity College etwa 5 Minuten zu Fuß |
| Zeitbedarf | Spaziergang Brücke, O’Connell Street und Ha’penny Bridge ca. 1 bis 2 Stunden |
Fragen, die wir beantworten
- Warum ist die O’Connell Bridge breiter als lang?
- Wie wurde aus der Carlisle Bridge die O’Connell Bridge?
- Was sehen Sie auf der O’Connell Street?
- Was hat es mit The Spire auf sich?
- Warum heißt die Ha’penny Bridge so?
- Welche weiteren Liffey-Brücken lohnen sich?
- Wie erkunden Sie die Gegend am besten zu Fuß?
Warum ist die O’Connell Bridge breiter als lang?
Weil sie beim Umbau im 19. Jahrhundert auf die volle Breite der Sackville Street, der heutigen O’Connell Street, verbreitert wurde. So entstand eine Brücke von rund 50 Metern Breite bei nur rund 45 Metern Spannweite.
Die Stadtplaner wollten den vornehmen Boulevard nicht an einem Nadelöhr enden lassen, sondern ihn ohne Engstelle bis an den Fluss und darüber hinaus führen. Das ungewöhnliche Verhältnis von Breite zu Länge macht die O’Connell Bridge zu einer Kuriosität unter den europäischen Straßenbrücken. Im Alltag merken Sie das kaum, denn die Brücke wirkt wie ein Stück Straße mit Geländer: Mehrere Fahrspuren, Busspuren, breite Gehwege und eine Mittelinsel mit historischen Laternen. Die mehrarmigen Kandelaber auf der Mittelinsel wurden in ihre ursprüngliche Form mit fünf Leuchten zurückversetzt.
Ein Detail für Aufmerksame ist eine kleine Gedenktafel am Brückengeländer. Sie erinnert an einen angeblichen Father Pat Noise, der hier in den Fluss gestürzt sein soll. Zwei Spaßvögel brachten sie 2004 heimlich an, und erst 2006 fiel der Scherz auf. Die Tafel blieb trotzdem hängen und wurde selbst zu einer kleinen Attraktion.
Wie wurde aus der Carlisle Bridge die O’Connell Bridge?
Die erste Brücke an dieser Stelle war die Carlisle Bridge, entworfen von James Gandon und 1791 bis 1794 erbaut. Von 1877 bis 1880 wurde sie ersetzt und stark verbreitert und erhielt um 1882 den Namen Daniel O’Connells.
Benannt war die alte Brücke nach Frederick Howard, dem 5. Earl of Carlisle, der damals Lord Lieutenant von Irland war. Gandon, der Architekt des Custom House und der Four Courts, schuf mit ihr erstmals eine durchgehende Nord-Süd-Achse durch die Innenstadt. Die schmale Bogenbrücke wurde mit dem wachsenden Kutschen- und Pferdebahnverkehr jedoch bald zum Engpass. Beim Neubau entstand eine fast dreimal so breite Brücke, die bis heute den Verkehr trägt.
Der neue Name ehrte Daniel O’Connell, den Anwalt und Politiker, der 1829 die Gleichstellung der Katholiken erreichte und in Irland als der Befreier verehrt wird. Die Umbenennung fiel in die Zeit, als am Nordkopf der Brücke sein Denkmal enthüllt wurde. Offiziell trägt die Brücke den irischen Namen Droichead Uí Chonaill.
Was sehen Sie auf der O’Connell Street?
Die O’Connell Street führt rund 600 Meter von der Brücke nach Norden bis zum Parnell Square. Auf ihrem Mittelstreifen reihen sich Denkmäler irischer Persönlichkeiten, in der Mitte stehen das General Post Office und The Spire.
Die Straße begann im 17. Jahrhundert als schmale Drogheda Street. In den 1740er-Jahren legte der Bauunternehmer Luke Gardiner den oberen Teil als breite, von Bäumen gesäumte Promenade an, später ließ die Wide Streets Commission den Rest verbreitern. Lange hieß sie Sackville Street. Schon in den 1880er-Jahren wollte die Stadt sie nach O’Connell benennen, offiziell wurde der Name aber erst 1924.
Von Süd nach Norden folgen auf dem Mittelstreifen das O’Connell-Denkmal am Brückenkopf, die Statuen von William Smith O’Brien und Sir John Gray, das Denkmal des Gewerkschafters James Larkin mit ausgebreiteten Armen, The Spire, Father Theobald Mathew, der Vorkämpfer der irischen Abstinenzbewegung, und am Ende das Parnell-Denkmal. Auf der Westseite steht das General Post Office, das 1916 Hauptquartier der Aufständischen war. Es brannte weitgehend aus und wurde hinter der erhaltenen Fassade neu aufgebaut. Auch der Nordteil der Straße wurde in den Kämpfen von 1922 schwer beschädigt, weshalb viele Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen.
Heute ist die O’Connell Street vor allem Verkehrsachse, Einkaufsstraße und Bühne für Paraden, etwa am St. Patrick’s Day. Die Luas-Straßenbahn fährt wieder durch die Straße. Das traditionsreiche Kaufhaus Clerys schloss 2015. Für Einkäufe biegen die meisten in die Fußgängerzone Henry Street ab, die beim Spire nach Westen abzweigt. Mehr dazu auf unserer Seite zum Shopping in Dublin.
Was hat es mit The Spire auf sich?
The Spire ist eine 120 Meter hohe Nadel aus Edelstahl mitten auf der O’Connell Street, gegenüber dem General Post Office. Sie wurde im Januar 2003 fertiggestellt und heißt offiziell Monument of Light, irisch An Túr Solais.
An derselben Stelle stand von 1809 an die Nelson-Säule zu Ehren des britischen Admirals. 1966 sprengten Republikaner sie, die Reste wurden abgetragen. Für die Nachfolge schrieb die Stadt einen Wettbewerb aus, den das Londoner Büro Ian Ritchie Architects gewann. Der hohle Kegel misst am Fuß etwa drei Meter, an der Spitze nur 15 Zentimeter. Gebaut ist er aus acht Edelstahlsegmenten, die Baukosten lagen bei rund 4,6 Millionen Euro. Zwei Schwingungstilger im Inneren dämpfen das Schwanken, bei extremem Wind kann die Spitze dennoch bis zu 1,5 Meter ausschlagen.
Nachts leuchten die oberen zehn Meter: LEDs strahlen durch Tausende winziger Löcher im Stahl. Der untere Teil ist mit einem abstrakten Muster teilweise poliert. Die Dubliner waren anfangs geteilter Meinung, manche fanden die Nadel kühl und beziehungslos. Es kursierten zahlreiche Spitznamen, etwa The Spike. Inzwischen ist The Spire ein beliebter Treffpunkt, an dem sich Verabredungen in der Innenstadt leicht finden lassen.
Warum heißt die Ha’penny Bridge so?
Ihren Spitznamen verdankt die Fußgängerbrücke dem Wegezoll von einem halben Penny, den Passanten bis 1919 entrichten mussten. Offiziell heißt sie Liffey Bridge, ursprünglich Wellington Bridge.
Die gusseiserne Bogenbrücke wurde im Mai 1816 eröffnet. Das Eisen goss die Coalbrookdale Company im englischen Shropshire, John Windsor überwachte Entwurf und Aufbau. Die Brücke ist etwa 43 Meter lang und nur 3,66 Meter breit und überspannt den Fluss in einem einzigen Bogen. In Auftrag gegeben hatte sie der Lord Mayor John Claudius Beresford. Sie ersetzte sieben Fähren des Fährmanns William Walsh, der dafür das Recht erhielt, 100 Jahre lang einen Halfpenny Brückenzoll zu kassieren. An beiden Enden standen Drehkreuze. Zeitweise stieg der Zoll auf anderthalb Pence, 1919 fiel er weg.
Weil die Ha’penny Bridge zu den frühesten Gusseisenbauten ihrer Art zählt, wird sie als Wahrzeichen sorgsam gepflegt. 2001 wurde sie wegen Bauschäden gesperrt, damals überquerten sie täglich etwa 27.000 Menschen. Nach der Sanierung öffnete sie im Dezember 2001 wieder in ihrem ursprünglichen Weiß. Liebesschlösser sind nicht erwünscht: Die Stadt hat sie 2012 und 2013 entfernt und bittet per Schild darum, keine neuen anzubringen. Die Brücke verbindet Temple Bar auf der Südseite mit der Liffey Street und dem Einkaufsviertel um die Henry Street im Norden. Weitere Infos zur Brücke bietet Visit Dublin.
Welche weiteren Liffey-Brücken lohnen sich?
Besonders sehenswert sind die Millennium Bridge bei Temple Bar, die Rosie Hackett Bridge, die Samuel Beckett Bridge in den Docklands und weiter westlich die alten Brücken vor den Four Courts. Jede erzählt ein Stück Stadtgeschichte.
Die Liffey teilt Dublin in Northside und Southside, und die Unterschiede sind bis heute Thema in der Stadt. Flussabwärts der O’Connell Bridge liegt die Rosie Hackett Bridge, benannt nach einer Gewerkschafterin und Kämpferin von 1916, über die heute die Luas fährt. Dahinter sehen Sie das Custom House, James Gandons Zollhaus mit der grünen Kuppel. In den Docklands spannt sich die Samuel Beckett Bridge des spanischen Architekten Santiago Calatrava über den Fluss. Ihre Seile erinnern an eine liegende irische Harfe, und die ganze Brücke kann um 90 Grad gedreht werden, damit Schiffe passieren können.
Flussaufwärts folgt nach der Ha’penny Bridge die schlanke Millennium Bridge, eine weitere Fußgängerbrücke, die direkt in das Pubviertel führt. Weiter westlich überqueren steinerne Bogenbrücken den Fluss vor dem Gerichtsgebäude Four Courts, der zweiten großen Gandon-Fassade an der Liffey. Ein Spaziergang entlang der Kais verbindet all diese Brücken auf wenigen Kilometern.
Wie erkunden Sie die Gegend am besten zu Fuß?
Am besten auf einem Rundgang von etwa einer bis zwei Stunden: über die O’Connell Bridge nach Norden, die O’Connell Street hinauf bis zum Spire, über die Henry Street und Liffey Street zur Ha’penny Bridge und zurück durch Temple Bar.
Starten Sie am Trinity College und gehen Sie über die Westmoreland Street auf die Brücke. Bleiben Sie in der Mitte stehen und schauen Sie in beide Richtungen den Fluss entlang. Auf der Nordseite passieren Sie das O’Connell-Denkmal, an dessen Figuren noch Einschusslöcher aus den Kämpfen von 1916 zu erkennen sind, und gehen weiter zum General Post Office, dessen Ausstellung einen eigenen Besuch lohnt. Am Spire biegen Sie in die Henry Street ab und kehren über die Liffey Street zur Ha’penny Bridge zurück. Auf der anderen Seite empfängt Sie Temple Bar mit Pubs und Livemusik. Rund um die Brücke ist viel los, achten Sie im Gedränge wie in jeder Großstadt auf Ihre Wertsachen.
Die O’Connell Bridge in Bildern
Häufige Fragen zur O’Connell Bridge und O’Connell Street
Ist die O’Connell Bridge wirklich breiter als lang?
Ja. Sie ist rund 50 Meter breit und überspannt die Liffey auf rund 45 Metern. Damit gehört sie zu den wenigen Straßenbrücken Europas mit diesem ungewöhnlichen Verhältnis.
Wie hoch ist The Spire?
The Spire ist 120 Meter hoch. Ältere Angaben von 123 Metern sind nicht korrekt. Die Edelstahlnadel ist am Fuß etwa drei Meter breit und an der Spitze nur 15 Zentimeter.
Muss man auf der Ha’penny Bridge noch Zoll zahlen?
Nein, der Wegezoll wurde 1919 abgeschafft. Die Brücke ist frei zugänglich und rund um die Uhr begehbar. Der Name erinnert nur noch an die Zeit der Drehkreuze.
Wie hieß die O’Connell Street früher?
Bis 1924 hieß sie offiziell Sackville Street, benannt nach einem Herzog von Dorset. Noch früher hieß die damals schmale Straße Drogheda Street.
Wo steht das O’Connell-Denkmal?
Am Nordkopf der Brücke, am Beginn der O’Connell Street. Die Bronzefigur Daniel O’Connells steht auf einem hohen Sockel, umgeben von allegorischen Figuren.
Von der Brücke zum Aufstand von 1916
Nur wenige Schritte nördlich der Brücke steht das Hauptpostamt, in dem 1916 die Republik ausgerufen wurde.
Passend dazu: unsere Übersicht zum Nahverkehr in Dublin, die 10 unverzichtbaren Ziele in Dublin und die Seite zur Sicherheit in Dublin.
























