Geschichte
Dublin entstand um 841 als Wikingerstützpunkt Dyflin an einem dunklen Gezeitenteich, dem Dubh Linn. Ab 1170 regierten Normannen und englische Krone von Dublin Castle aus, im 18. Jahrhundert wurde die Stadt zur georgianischen Metropole. Nach Act of Union, Hungersnot und Osteraufstand 1916 ist sie seit 1922 Hauptstadt des unabhängigen Irland.
Wer durch Dublin spaziert, läuft durch mehr als tausend Jahre Stadtgeschichte: Unter den Straßen um Christ Church liegen die Reste der Wikingerstadt, die Burg erinnert an sieben Jahrhunderte englischer Herrschaft, die eleganten Plätze im Südosten an das goldene Zeitalter des 18. Jahrhunderts, und Einschusslöcher an manchen Fassaden an die Kämpfe von 1916 bis 1922. Diese Seite erzählt die Geschichte der Stadt Dublin von den Anfängen bis heute und zeigt, wo Sie die einzelnen Epochen noch sehen können. Den größeren Rahmen, also die Geschichte der ganzen Insel von der Steinzeit bis zum Friedensprozess, finden Sie in unserem Überblick zur Geschichte Irlands.
| Gründung | um 841 als Wikingerstützpunkt; ältere irische Siedlung Áth Cliath an einer Furt flussaufwärts |
|---|---|
| Name | Dublin von irisch Dubh Linn, dunkler Teich; irischer Stadtname Baile Átha Cliath, Stadt an der Hürdenfurt |
| Englische Herrschaft | ab 1170/71, Dublin Castle als Machtzentrum von 1204 bis zur Unabhängigkeit |
| Blütezeit | 18. Jahrhundert, zeitweise zweitgrößte Stadt des britischen Weltreichs |
| Wendepunkte | Act of Union 1800, Osteraufstand 1916, Hauptstadt des Irischen Freistaats 1922, Republik ab 1949 |
| Einwohner | rund 590.000 in der Stadt, rund 1,5 Millionen im County Dublin (Zensus 2022) |
Fragen, die wir beantworten
- Wie entstand Dublin aus einer Wikingersiedlung?
- Was änderte die Ankunft der Normannen?
- Wie wurde Dublin zur georgianischen Metropole?
- Was bedeutete der Act of Union für Dublin?
- Wie erlebte Dublin Hungersnot und Elend im 19. Jahrhundert?
- Welche Rolle spielte Dublin zwischen 1913 und 1923?
- Wie wurde Dublin zur modernen Hauptstadt von heute?
Wie entstand Dublin aus einer Wikingersiedlung?
Um 841 errichteten Wikinger einen befestigten Stützpunkt an der Mündung des Flüsschens Poddle in die Liffey. Dort lag ein dunkler Gezeitenteich, irisch Dubh Linn, der der Stadt ihren Namen gab. Die Wikinger nannten ihre Siedlung Dyflin.
Menschen lebten an dieser Stelle schon früher. Flussaufwärts gab es eine irische Siedlung an einer Furt aus Flechtwerk, Áth Cliath, deren Name bis heute im irischen Stadtnamen Baile Átha Cliath weiterlebt. Ob die Siedlung Eblana, die der antike Geograf Ptolemäus um 140 an dieser Küste verzeichnete, wirklich Dublin meint, gilt heute als zweifelhaft. Die eigentliche Stadtgründung geht deshalb auf die Wikinger zurück.
Ganz reibungslos verlief die Geschichte von Dyflin nicht. 902 vertrieben irische Könige die Wikinger, 917 kehrten sie zurück. Im 10. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem wichtigen Handelsplatz in der Irischen See, an dem Silber, Waffen, Textilien und auch Sklaven gehandelt wurden. Irische Herrscher kämpften immer wieder um die reiche Stadt. In der Schlacht von Clontarf 1014 besiegte der Hochkönig Brian Boru ein Bündnis, zu dem auch die Dubliner Wikinger gehörten. Dyflin blieb danach bestehen, die skandinavisch-irische Bevölkerung vermischte sich zunehmend.
Wie diese frühe Stadt aussah, zeigten in den 1970er-Jahren Ausgrabungen am Wood Quay unterhalb von Christ Church: Holzhäuser, Zäune, Werkzeug und Alltagsgegenstände in großer Zahl. Viele Funde sind heute im Nationalmuseum zu sehen. Anschaulich nachgestellt wird das Wikinger- und Mittelalter-Dublin im Museum Dublinia neben der Kathedrale.
Was änderte die Ankunft der Normannen?
1170 eroberten anglonormannische Ritter im Bündnis mit dem vertriebenen irischen König Diarmait mac Murchada die Stadt, 1171 endete die Herrschaft der Wikinger endgültig. Bald darauf wurde Dublin Hauptstadt der englischen Lordschaft Irland und blieb für rund 750 Jahre Sitz der englischen, später britischen Verwaltung.
Die neuen Herren bauten die Stadt nach ihren Vorstellungen aus. In den 1180er-Jahren entstand die steinerne Christ Church Cathedral, 1191 wurde St Patrick’s zur Kollegiatskirche erhoben. 1192 erhielt Dublin von Prinz John seine erste Stadtrechtsurkunde, ab 1229 durften die Bürger einen Bürgermeister wählen. 1204 ordnete John, inzwischen König, den Bau von Dublin Castle an, das bis zur Unabhängigkeit das Machtzentrum der Krone in Irland blieb. Ab 1297 war Dublin der übliche Tagungsort des irischen Parlaments.
Leicht war das Leben in der mittelalterlichen Stadt nicht. Rund um Dublin bildete sich der sogenannte Pale, ein Gebiet unter englischer Kontrolle, außerhalb dessen gälische Clans herrschten. 1209 überfielen Iren Siedler aus Bristol bei Ranelagh, 1315 brannte ein schottisches Heer unter Edward Bruce die Vorstädte nieder, 1348 erreichte die Pest die Stadt. Unter Heinrich VIII. wurde die englische Kontrolle nach dem Aufstand von Silken Thomas 1537 verschärft. 1592 gründete Elisabeth I. das Trinity College, die erste Universität des Landes. Im 17. Jahrhundert prägten die Kriege der Konföderierten und Cromwells Feldzug die Stadt, die Schlacht von Rathmines 1649 fand direkt vor den südlichen Stadttoren statt.
Wie wurde Dublin zur georgianischen Metropole?
Im 18. Jahrhundert wuchs Dublin rasant und wurde zeitweise zur zweitgrößten Stadt des britischen Weltreichs nach London. Um 1700 lebten hier gut 60.000 Menschen, im Laufe des Jahrhunderts stieg die Zahl auf über 130.000.
Wohlhabende protestantische Familien, das irische Parlament und ein blühender Handel machten Dublin reich. Das Geld floss in eine neue Stadtgestalt: Eine ab 1758 tätige Kommission für breite Straßen, die Wide Streets Commission, ließ enge mittelalterliche Gassen durch großzügige Straßenachsen ersetzen. Es entstanden die typischen georgianischen Plätze wie Merrion Square und Fitzwilliam Square mit ihren Backsteinhäusern, bunten Türen und Fächerfenstern sowie prachtvolle öffentliche Bauten. Das Parlamentsgebäude am College Green, heute eine Bank, war das erste eigens für ein Zweikammerparlament errichtete Gebäude. James Gandon schuf das Custom House und die Four Courts an der Liffey.
Diese Pracht hatte eine Kehrseite. Katholiken, die Mehrheit der Bevölkerung, waren durch die Strafgesetze von politischer Macht weitgehend ausgeschlossen, und neben den Palästen der Oberschicht lebten viele Menschen in großer Armut. 1798 scheiterte der geplante Aufstand der United Irishmen in Dublin, bevor er richtig begann.
Was bedeutete der Act of Union für Dublin?
Mit dem Act of Union von 1800 wurde das irische Parlament aufgelöst, ab 1801 regierte Westminster direkt. Dublin verlor damit seinen Rang als Hauptstadt eines eigenen Königreichs und rutschte im 19. Jahrhundert politisch wie wirtschaftlich ab.
Viele Adelsfamilien verkauften ihre Stadtpaläste und zogen nach London. Ohne Parlament, Hofstaat und Saison der Oberschicht fehlten Kaufkraft und Aufträge. 1803 wagte Robert Emmet einen Aufstand, der nach einem Tag zusammenbrach, Emmet wurde hingerichtet. Zugleich wurde Dublin zum Schauplatz der friedlichen Massenbewegung von Daniel O’Connell: 1829 erreichte er die Katholikenemanzipation, 1841 wurde er der erste katholische Bürgermeister der Stadt seit dem 17. Jahrhundert. Die Hauptstraße und die zentrale Brücke tragen heute seinen Namen.
Wirtschaftlich zog Dublin gegenüber dem industriell boomenden Belfast den Kürzeren, das um 1900 zeitweise sogar mehr Einwohner zählte. In Dublin dominierten Brauereien, Destillerien, Hafen und Handel. Große Arbeitgeber wie die Guinness-Brauerei an St James’s Gate prägten ganze Viertel.
Wie erlebte Dublin Hungersnot und Elend im 19. Jahrhundert?
Die Große Hungersnot von 1845 bis 1849 traf vor allem das ländliche Irland, doch Dublin spürte sie deutlich: Verarmte Menschen strömten in die Stadt, Armenhäuser und Gefängnisse waren überfüllt, und über den Hafen verließen Zehntausende das Land.
Viele Menschen stahlen aus purer Not oder ließen sich festnehmen, um im Gefängnis etwas zu essen zu bekommen. Am Custom House Quay erinnern heute ausgemergelte Bronzefiguren an die Auswanderer jener Jahre. In der Folgezeit verfielen die einst eleganten georgianischen Häuser vor allem im Norden der Stadt zu Mietskasernen, den sogenannten Tenements. In einem Haus, das einmal einer einzigen wohlhabenden Familie gehört hatte, lebten nun Dutzende Menschen, oft eine ganze Familie in einem Zimmer, mit einer Wasserstelle im Hof. Krankheiten und Kindersterblichkeit waren in Dublin um 1900 erschreckend hoch.
Wie nah Glanz und Elend beieinander lagen, zeigt das Museum 14 Henrietta Street: Das von der Stadt Dublin betriebene Haus erzählt die Geschichte eines Gebäudes vom georgianischen Stadtpalais bis zur Mietskaserne, der Besuch ist nur mit Führung möglich. 1913 stürzten in der Church Street zwei Tenement-Häuser ein und töteten mehrere Bewohner, ein Unglück, das die Wohnungsnot zum politischen Thema machte.
Welche Rolle spielte Dublin zwischen 1913 und 1923?
Dublin war das Zentrum der Ereignisse, die zur Unabhängigkeit führten. Auf den großen Arbeitskampf von 1913 folgten der Osteraufstand 1916, der Unabhängigkeitskrieg und schließlich der Bürgerkrieg, dessen erste Schüsse ebenfalls in Dublin fielen.
Beim Lockout von 1913 sperrten Arbeitgeber rund 25.000 Arbeiter aus, die sich in der Gewerkschaft von Jim Larkin organisiert hatten. Am Ostermontag 1916 besetzten Aufständische zentrale Gebäude, das General Post Office an der heutigen O’Connell Street wurde ihr Hauptquartier, Patrick Pearse verlas dort die Proklamation der Republik. Nach sechs Tagen Kämpfen mit Hunderten Toten und schweren Zerstörungen im Zentrum ergaben sich die Rebellen. Die Hinrichtung von 14 Anführern im Kilmainham Gaol brachte die öffentliche Meinung auf ihre Seite.
Im Unabhängigkeitskrieg von 1919 bis 1921 wurde Dublin erneut Schauplatz: Am Bloody Sunday, dem 21. November 1920, kamen bei Anschlägen und der Vergeltung im Stadion Croke Park zahlreiche Menschen ums Leben, im Mai 1921 brannte das Custom House. Nach dem Waffenstillstand im Juli 1921 und dem Anglo-Irischen Vertrag übergab die britische Verwaltung 1922 Dublin Castle an die provisorische Regierung. Doch der Vertrag spaltete die Bewegung. Im Juni 1922 beschoss die Armee des Freistaats die von Vertragsgegnern besetzten Four Courts, wobei das Staatsarchiv mit unersetzlichen Dokumenten verbrannte. Bis 1923 dauerte der Bürgerkrieg, danach baute der Freistaat das zerstörte Zentrum wieder auf.
Wie wurde Dublin zur modernen Hauptstadt von heute?
Seit 1922 ist Dublin Hauptstadt des unabhängigen Irland, seit 1949 der Republik. Nach Jahrzehnten der Stagnation brachten der EG-Beitritt 1973 und der Boom des Keltischen Tigers ab den späten 1990er-Jahren einen tiefgreifenden Wandel.
Die ersten Jahrzehnte waren von Armut und Abwanderung geprägt. Ab den 1930er-Jahren entstanden Sozialwohnungen, in den 1960er-Jahren wurden viele Tenements geräumt und ihre Bewohner in neue Vorstädte wie Ballymun, Coolock oder Tallaght umgesiedelt. Auch Gewalt erreichte die neutrale Stadt: 1941 warfen deutsche Flugzeuge Bomben auf die North Strand, 1966 sprengten Republikaner die Nelsonsäule an der O’Connell Street, und bei den Anschlägen von Dublin und Monaghan 1974 starben 26 Menschen in Dublin. An der Stelle der Nelsonsäule steht seit 2003 die Stahlnadel The Spire.
Ab den späten 1980er-Jahren erneuerte sich die Innenstadt sichtbar. Temple Bar wurde statt zum Busbahnhof zum Kulturviertel, Grafton Street und Henry Street wurden Fußgängerzonen, und an den Docks entstand ein Finanzzentrum. Während des Keltischen Tigers zogen internationale Firmen nach Dublin, in den Docklands entwickelte sich das Silicon Docks genannte Viertel mit europäischen Zentralen großer Technologiekonzerne. Die Finanzkrise von 2008 traf die Stadt hart, die Erholung folgte in den 2010er-Jahren. Heute ist Dublin eine junge, internationale Stadt: Im County leben rund 1,5 Millionen Menschen, ein großer Teil davon wurde im Ausland geboren. Die Wohnungsnot und hohe Mieten zählen zu den drängendsten Themen der Gegenwart.
Häufige Fragen zur Geschichte Dublins
Woher hat Dublin seinen Namen?
Der Name kommt vom irischen Dubh Linn, dunkler Teich, nach einem Gezeitenteich an der Mündung der Poddle, an dem die Wikinger um 841 ihren Stützpunkt anlegten. Der irische Name Baile Átha Cliath bedeutet Stadt an der Hürdenfurt.
Haben die Wikinger Dublin gegründet?
Als Stadt ja, denn der Wikingerstützpunkt von 841 gilt als Keimzelle Dublins. In der Umgebung gab es aber schon vorher irische Siedlungen und ein frühchristliches Kloster.
Wann wurde Dublin Hauptstadt?
Schon ab 1177 war Dublin Hauptstadt der englischen Lordschaft Irland und blieb Verwaltungszentrum unter englischer und britischer Herrschaft. Hauptstadt eines unabhängigen Staates ist Dublin seit der Gründung des Irischen Freistaats 1922.
Wo sieht man in Dublin noch das Mittelalter?
Am besten rund um Christ Church Cathedral, St Patrick’s Cathedral, St Audoen’s Church und Dublin Castle. Reste der Stadtmauer finden Sie an der Cook Street, den Alltag der Wikingerzeit zeigt das Museum Dublinia.
Was erinnert an den Osteraufstand 1916?
Vor allem das General Post Office mit seiner Ausstellung, das Gefängnis Kilmainham Gaol mit dem Hinrichtungshof und der Garden of Remembrance am Parnell Square. Auch an einigen Fassaden der O’Connell Street sind noch Spuren der Kämpfe zu erkennen.
Geschichte vor Ort erleben
Gefängnis, Postamt, Brücken und Gedenkorte: die historischen Sehenswürdigkeiten Dublins im Überblick.
Passend dazu: die Christ Church Cathedral aus der Normannenzeit, das Trinity College mit seiner Bibliothek und die Schriftsteller Dublins.
Mehr zu Geschichte
Dublin hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Viele Museen und Ausstellungen lassen den Besucher darin eintauchen.
GeschichteDie Geschichte Irlands auf einen Blick. Ereignisse von der Besiedlung Irlands 10.000 v. Chr. Bis hin zum 21. Jahrhundert.
Geschichte